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(Foto: Busse/Textfabrik)
Mittwoch, 09. November 2016

Ein sympathisches Großmaul: Suzuki SX4 S-Cross - brav war gestern

Von Axel F. Busse

Selten hat eine Modellpflege den Charakter eines Autos so nachhaltig verändert wie beim Suzuki SX4 S-Cross. Nach der Premiere im September auf dem Autosalon in Paris rollt er fast auf direktem Wege in den n-tv.de-Praxistest.

Die überarbeitete Front macht den Suzuki SX4 S-Cross markanter und auffälliger.
Die überarbeitete Front macht den Suzuki SX4 S-Cross markanter und auffälliger.(Foto: Busse/Textfabrik)

Ein bisschen großmäulig kommt er schon daher, aber auch nicht unsympathisch: Das Facelift am Suzuki SX4 S-Cross verdient seinen Namen, denn es ist wirklich ein neues Antlitz entstanden. Die Neugestaltung der Front umfasste nicht nur den Verzicht auf die horizontale Ausrichtung der Elemente, sondern auch die Montage eines kräftigen und breiten Chromrings, der die zehn senkrecht stehenden Streben des Kühlergrills einfasst. Sah der erste S-Cross von vorn noch ein wenig brav und unscheinbar aus, trägt er jetzt stolz das markanteste Gesicht in der gesamten Modellpalette Suzukis.

Sehr maskulin, fast schon ein wenig martialisch, auf jeden Fall wie ein auf vielen Huckelpisten gestählter Geländegänger sieht der 4,30 Meter lange Fünftürer jetzt aus. Die neuen Scheinwerfer unterstützen die robuste Optik ebenso wie die Winkelelemente, die am unteren Teil der Bugschürze den dort gelegenen Lufteinlass rahmen. Klare Kante auch auf der Motorhaube, wo so genannte Power-Domes für Kontur sorgen. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass sich am anderen Ende der Karosserie wenig getan hat. Die neuen Rückleuchten fallen kaum auf.

Fast 1270 Liter Gepäckvolumen können in dem Fünftürer genutzt werden.
Fast 1270 Liter Gepäckvolumen können in dem Fünftürer genutzt werden.(Foto: Busse/Textfabrik)

Der SX4 S-Cross unterscheidet sich vom Modell Vitara durch 12 Zentimeter mehr Außenlänge und zehn Zentimeter mehr Radstand. An die Stelle des bisher angebotenen 1,6-Liter-Basisbenziners tritt der ein Liter große Dreizylinder-Motor, dessen Beiname "Boosterjet" allerhand Erwartungen an sein Temperament weckt. Mit diesem Motor war deshalb unser Testfahrzeug ausgerüstet. Das Aggregat gibt eine Nennleistung von 111 PS ab, was zwar nominal neun Pferdestärken weniger sind als beim Vorgänger, jedoch kann das volle Drehmoment von 170 Newtonmetern dank Turboaufladung vom Dreizylinder bei viel geringerer Drehzahl abgerufen werden, was diesen Nachteil mehr als ausgleicht.

Parksensoren gehen extra

Von solch radikalen Veränderungen wie die Frontpartie blieb der Innenraum verschont. Haute Couture darf man in dem Preissegment, in dem der Suzuki sich bewegt und konkurrenzfähig sein will, nicht erwarten. Deshalb geht es schlicht und zweckmäßig zu, die Verwendung von Hartplastikverkleidungen und anderen schmucklosen Accessoires ist wohl nicht zu vermeiden. Schließlich bietet Suzuki das günstigste Exemplar der Modellreihe für 19.790 Euro an. Gibt man 700 Euro mehr aus, erhält man zusätzlich zur Basisausstattung mit Klimaanlage, Tempomat, höhenverstellbaren Fahrersitz, Audio-Anlage und elektrischen Fensterhebern vorn und hinten noch eine Bluetooth-Freisprechanlage, verstellbare Rücksitzlehnen, Alufelgen, Regensensor, Nebelscheinwerfer und beheizbare Außenspiegel. Parksensoren sind leider nur als Zubehör bestellbar. Für 388 Euro kann man sie sich vorn und hinten installieren lassen.

Aufgeräumt und zweckmäßig, aber reizarm präsntiert sich das Cockpit des Suzuki SX4 S-Cross.
Aufgeräumt und zweckmäßig, aber reizarm präsntiert sich das Cockpit des Suzuki SX4 S-Cross.(Foto: Busse/Textfabrik)

Kunden, denen Zweckmäßigkeit und Vielseitigkeit vor Schönheit geht, fühlen sich im neuen SX4 S-Cross schnell gut aufgehoben. Das Cockpit ist übersichtlich strukturiert und orientiert sich am Vorgänger. Für Irritation könnten lediglich die zwei separaten Zeitsysteme sorgen, denn im Infotainment-Modul und in der Borduhr des Zentraldisplays tickt es nicht synchron. Während der eine Zeitmesser sein Signal über GPS erhält, muss der andere manuell justiert werden. Die Rückfahrkamera als Teil der "Comfort"-Ausstattung zeigt ein helles und für die Orientierung sehr nützliches Bild.

In der zweiten Reihe herrscht erstaunlich viel Platz, Einschränkungen sind weder an der Bein- noch Kopffreiheit hinzunehmen. Ab der Ladekante in 73 Zentimetern Höhe tut sich eine ebene, leicht ansteigende Ladefläche auf, die bis zu einer Tiefe von 1,60 Metern genutzt werden kann. Die Heckklappe gibt den meisten Menschen keinen Anlass, sich vor Beulen am Kopf zu fürchten, denn sie öffnet bis zu einer lichten Höhe von 1,90 Metern unter dem Schloss. Ebenso wie die beiden vorderen Türen hat die Klappe eine winzige Taste, mit der sie ohne Zuhilfenahme des Schlüssels entriegelt werden kann.

Allrad für die Brüder

Der Dreizylinder des Suzuku ist ein munteres Motörchen, dass dem S-Cross ordentlich Schub verleiht.
Der Dreizylinder des Suzuku ist ein munteres Motörchen, dass dem S-Cross ordentlich Schub verleiht.(Foto: Busse/Textfabrik)

Einen untadeligen Eindruck hinterließ der neue Dreizylinder-Benziner auf einigen hundert Kilometern Testfahrt. Im Nu auf Betriebstemperatur und dann äußerst leise, zeigte der Einliter-Schnurrer ein waches Wesen und vorbildlichen Arbeitseifer. Klaglos trieb er den knapp 1200 Kilogramm leichten Wagen auf die vom Hersteller vorgesehene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Und obwohl Suzuki bei dieser Variante nur fünf Gänge im manuellen Getriebe anbietet (sechs gibt es in Verbindung mit dem 1,4-Liter-Motor) blieben hohe Drehzahlen ohne signifikante Geräuschbelästigung.

Einziges Manko: Den Dreizylinder-Motor gibt es nur in Verbindung mit Frontantrieb. Wer die "Allgrip"-Allradtechnik von Suzuki will, muss auf den 1,4-Liter-Benziner oder den 120 PS-Diesel ausweichen. Das Fahrwerk steckt grobes Geläuf gut weg, da scheint die langährige Erfahrung des Herstellers mit Geländewagen durch. Die Lenkung ist leichtgängig, könnte aber etwas gefühlsechter sein.

Auch in der zweiten Reihe des Suzuki SX4 S-Cross herrscht ein bemerkenswertes Platzangeot.
Auch in der zweiten Reihe des Suzuki SX4 S-Cross herrscht ein bemerkenswertes Platzangeot.(Foto: Busse/Textfabrik)

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass während dieser Probefahrten die Abweichung vom Normverbrauch überraschend gering war. Oft genug ist im n-tv.de-Praxistest zu lesen, dass sich Testwagen auch bei moderater Fahrweise zwischen 1,5 und zwei Liter Sprit mehr genehmigen, als nach EU-Normmessung zu erwarten wäre. Mit 5,8 Litern auf 100 Kilometer verfehlte der Suzuki sein Verbrauchsziel nur um 0,8 Liter. Das bedeutet, dass 47 Liter Tankinhalt selbst unter Praxisbedingungen für 800 Kilometer Reichweite taugen.

Fazit: Der neue Suzuki SX4 S-Cross ist markanter, auffälliger und ansehnlicher geworden. Das dürfte ihm neues Kundeninteresse bescheren. Seine inneren Werte sind ihm erhalten geblieben und auch wenn es nicht zum ganz großen Kino reicht, erwirbt er viel Sympathie. Der neue Dreizylinder-Benziner ist ein Gewinn, nicht nur, weil er modern ist, sondern auch, weil er sein Versprechen der Wirtschaftlichkeit einhält.

DATENBLATTSuzuki SX4 S-Cross
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,30/ 1,79/ 1,58 m
Radstand2,60 m
Leergewicht (DIN)1165 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen430 / 1269 Liter
MotorDreizylinder-Turbobenziner mit 998 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang-Handschaltung
Systemleistung82 kW / 111 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
Tankvolumen47 Liter
max. Drehmoment170 Nm / bei 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h11,0 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,6 / 5,7 / 5,0 l
Testverbrauch5,8 l
EmissionsklasseEU6
Grundpreis19.790 Euro
Preis des Testwagens23.955 Euro

Quelle: n-tv.de

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