Auto
Mit fast fünf Metern Länge und zwei Metern Breite überragt das GLE Coupé einen Großteil der anderen Verkehrsteilnehmer.
Mit fast fünf Metern Länge und zwei Metern Breite überragt das GLE Coupé einen Großteil der anderen Verkehrsteilnehmer.(Foto: Holger Preiss)

Schwäbischer Bulle im Praxistest: Mercedes GLE Coupé - muskulöser Langläufer

Von Holger Preiss

Ähnlich wie sein bayrisches Pendant polarisiert auch das Mercedes GLE Coupé. Dennoch hat die Form auch ihre Vorzüge. Und die liegen nicht nur darin, dass hier ein echter Blickfang rollt. Welche das sind, hat n-tv.de herausgefunden.

Nach hinten kann man beim Mercedes GLE Coupé schon mal den Überblick verlieren.
Nach hinten kann man beim Mercedes GLE Coupé schon mal den Überblick verlieren.(Foto: Holger Preiss)

Wenn Designer den Wünschen der Kundschaft folgen, dann müssen sie inzwischen zwei Dinge im Blick haben: Offroadoptik und Sportlichkeit. Zwei Dinge, die sich eigentlich antagonistisch begegnen müssten. Dass es dennoch funktionieren kann, hat BMW mit dem X6 bereits bewiesen. Im vergangenen Jahr hat nun Mercedes unter der Regie von Chefdesigner Gorden Wagener nachgezogen und das GLE Coupé präsentiert. Anders als der bayrische Konkurrent scheint der Stuttgarter aber purer Muskel zu sein. Seine Front baut höher, sein Kühlergrill mit riesigem Mercedesstern wirkt wuchtiger und auch das Heck gibt sich in seiner sportlichen Kompaktheit mächtiger als das des Bajuwaren. Dabei nehmen sich die beiden in den Maßen gar nicht so viel. Lediglich drei Zentimeter überragt das GLE Coupé den X6 in der Länge.

Alles nur Geschmack

Mit dem AMG-Paket gibt es zweifarbige Sportsitze, die nicht nur guten Seitenhalt bieten, sondern auch für die Langstrecke taugen.
Mit dem AMG-Paket gibt es zweifarbige Sportsitze, die nicht nur guten Seitenhalt bieten, sondern auch für die Langstrecke taugen.(Foto: Holger Preiss)

Wie dem auch sei. "Man muss es nicht nur hier haben, sondern auch hier", sagt der Bodybuilder und zeigte vom rechten auf den linken Bizeps. Und Muskeln hat das GLE Coupé ohne Zweifel und die zeigt es gerne. Die, die es nicht zeigen kann, verbirgt es unter der Haube. Dort nämlich pumpt im 350d ein Dreiliter V6 Dieselaggregat und lässt auf Wunsch 258 Pferden freien Lauf. Und selbst bei leichtem Trab, ab 1600 Umdrehungen, drücken 620 Newtonmeter auf beide Achsen, die über eine Neungangautomatik butterweich verteilt werden. So wird der 2,2 Tonnen schwere Offroad-Sportler in nur 7,0 Sekunden auf Landstraßentempo geschoben. In der Spitze bringt es der Kraftprotz auf 226 km/h.

Das verspricht das Datenblatt. In der Realität ist das auch kein Problem, aber mit aggressivem Schub reicht es nur für Tempo 200. Apropos: Die Tücken stecken bekanntermaßen im Detail. So auch beim 350d. Ist der Fahrmodischalter nämlich auf Komfort gestellt, reagiert auch die Gasannahme mit vornehmer Zurückhaltung und gönnt sich, bis sie den Tiger aus dem Tank lässt, einen Moment Zeit. Spontaner ist die Ansprache im Sportmodus. Hier zuckt der Bulle, sobald der Pin nur sanft mit dem Fuß nach unten geschoben wird. An dieser Stelle könnten die Meinungen auseinandergehen. Die SUV-Fraktion wird behaupten, das ist schnell genug, die Sportfreunde werden jammern, dass man sich gerne noch einen Tick mehr Bums gewünscht hätte. "Das ist Geschmack" sagt der Schwabe und hat recht. Denn wirklich Angst, dass man mit dem 350d zu spät kommt, muss man weiß Gott nicht haben. Auch ist die Gefahr gering, längere Distanzen nicht überbrücken zu können. Zwar zeigte sich der wunderbar aus dem Unterleib tönende V6-Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von 10,0 Litern eher als Genussmensch denn als Asket, aber bei einem Tankinhalt von 93 Litern spielt das wirklich keine Rolle.

Eher Langstrecke als Offroad

Im Fond ist reichlich Platz auf Sitzen, deren Rückenlehne sich im Neigungswinkel verstellen lässt.
Im Fond ist reichlich Platz auf Sitzen, deren Rückenlehne sich im Neigungswinkel verstellen lässt.(Foto: Holger Preiss)

Ohnehin ist das GLE Coupé in seiner Gesamtheit eher auf Langstrecke denn auf Offroad ausgelegt. Klar liegt die Wuchtbrumme höher und wer sie besteigen will, sollte das Knie über Hüfthöhe bringen können und auf die Skinny-Jeans verzichten, denn auch über die ausgeprägten Seitenwangen der AMG-Sportsitze muss man sich erst mal drüberschieben. Kurz, das GLE Coupé elegant zu besteigen, bedarf einiger Übung. Ist man aber oben angekommen, gilt Wohlfühlen. Die Sitze sind eine exzellente Mischung aus Sport und Komfort, in die sich nicht nur der Pilot gerne schmiegt. Auch im Fond geht es üppig zu.

Dort ist die Kniefreiheit auch für großgewachsene Menschen üppig, die Rückenlehne lässt sich im Neigungswinkel verstellen, in den Türen können bequem 1,0-Liter-Flaschen versenkt werden und auf Wunsch fächert einem auch dort die separate Klimaautomatik die gewünschte Temperatur zu, während das Ambientelicht den Fußraum erhellt. Auch der Cupholder wird auf Wunsch und für 250 Euro extra unterschiedlich beleuchtet. Aber das hat noch einen anderen Grund: Bei Blaulicht wird nämlich gekühlt, bei Rotlicht geheizt, und wenn es gelb strahlt, bleibt die Temperatur in den Becherhaltern neutral. Aber nicht nur optisch ist das Coupé auf Wellness ausgelegt. Wer sich bei einem Aufpreis von 2035 Euro für die Luftfederung entscheidet, wird wahrlich auf Engelsflügeln über den Asphalt getragen. Richtig deutlich demonstriert die Airmatic ihr Können auf Kopfsteinpflaster. Besser können Unebenheiten im Moment nicht ausgebügelt werden.

Der Kofferraum des Mercedes GLE Coupé ist groß, erfreut durch eine plane Ladefläche, krankt aber an der Ladekante.
Der Kofferraum des Mercedes GLE Coupé ist groß, erfreut durch eine plane Ladefläche, krankt aber an der Ladekante.(Foto: Holger Preiss)

Ebenfalls Highend ist die Arbeitsweise der Distronic für 1438 Euro extra. Wenn es hier auf dem Weg zur Arbeit mal wieder länger dauert, hält sie das sportliche Dickschiff auf Distanz zum Vordermann, bremst und beschleunigt automatisch und vermittelt ein Vorgefühl auf das inzwischen von allen Herstellern gepriesene autonome Fahren. Natürlich kann angesichts der entstehenden Kosten gerne darüber diskutiert werden, welche elektronischen Helfer an Bord eines GLE Coupés gehören. Während die einen der Bequemlichkeit dienen, sind andere eher zum Schutz da. Nicht zwingend zu dem der Personen, sondern vielmehr zu dem des Fahrzeuges.

Parksensoren sind ein Muss

Denn bei aller Sportlichkeit ist der Schwaben-Panzer etwas unübersichtlich. Der schon erwähnte große Kühlergrill mit der sich aufbäumenden Motorhaube verengt den Blick nach vorne. Die Coupéform mit der sehr flach auslaufenden Heckscheibe und dem hochstehenden Kofferraumrand die Sicht nach hinten. In der Summe macht das bei fast fünf Metern Länge und zwei Metern Breite ein Einfahren in Parklücken recht unbehaglich. Deswegen ist es einfach ein Muss, das Park-Paket für 1654 Euro extra zu ordern. Denn jetzt wird der Blick nach hinten durch eine Rückfahrkamera freigemacht und samt einer computergenerierten Draufsicht als Splitscreen im sieben Zoll großen Monitor, der prätentiös in der Mittelkonsole thront, angezeigt. Aber Achtung! Die Sensoren sind, zumindest beim Testwagen, sehr spitz eingestellt. Das heißt, dass für ein Fahrzeug dieser Größe die Abstände zum Vorder- oder Hintermann recht gewagt wirkten. Wer die nicht hat, kann darauf wetten, dass der Lack an der einen oder anderen Stelle Schaden nimmt.

Werfen wir noch einen Blick in den Kofferraum. Den Zugriff auf 650 Liter offeriert auf Wunsch eine elektrisch aufschwingende Heckklappe. Ist die offen, erkennt man aber auch hier den Kompromiss, der gemacht werden muss, will man einen Sportwagen und ein SUV paaren. Die Ladekante liegt auf einer Höhe von üppigen 90 Zentimetern. Wer schweres Ladegut verstauen möchte, muss es nicht nur fast einen Meter in die Höhe bringen, sondern auch wieder 25 Zentimeter ablassen. Das ist, nimmt man den oben erwähnten Komfort im GLE Coupé als Grundlage, recht unbequem. Da hilft es auch nicht, dass sich die Rückbank plan umlegen lässt und so insgesamt ein Stauraum von 1720 Litern geschaffen werden kann. Verschwindet großes und schweres Ladegut hinter der Heckklappe, hat man ein echtes Problem es wieder aus dem Innenraum zu bekommen. Dabei ist die Zuladung mit 650 Kilogramm ordentlich. Das sind immerhin 50 Kilogramm mehr als beim Rivalen dem BMW X6.

Fazit: Für Menschen, die sich auch auf dem Asphalt sportlich geben und gern die Muskeln spielen lassen, ist das Mercedes GLE Coupé ideal. Allerdings muss bedacht werden, dass die extravagante Form im Alltagsgebrauch kleine Tücken hat. Da sind die hohe Ladekante, die beschränkte Übersichtlichkeit und Ausmaße, die die eine oder andere Parklücke ausschließen. Aber genau das liefert auch reichlich Platz für Passagiere und Gepäck. Der V6 Diesel des 350d ist ein Marschierer. Sein Vorteil liegt auf der Langstrecke. Wer hier mit verhaltenem Fuß unterwegs ist, schafft es auf 100 Kilometern, die Fuhre auch unter 10 Litern zu bewegen und das ist bei einem Lebendgewicht von 2,2 Tonnen ordentlich.

DATENBLATTMercedes GLE Coupé 350d 4Matic
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,90/ 2,00/ 1,70 m
Radstand2,91 m
Leergewicht (DIN)2250 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen650 / 1720 Liter
Zuladung650 kg
MotorV6 mit 2987 ccm Hubraum
Getriebe9-Gang Automatik
Leistung190 kW/258 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit226 km/h
Tankvolumen93 Liter
max. Drehmoment620 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h7,0 Sekunden
Normverbrauch innerorts, außerorts, kombiniert8,0 l, 6,7 l, 7,2 l
Testverbrauch10,2 l
EffizienzklasseEU6
Grundpreis66.700 Euro
Preis des Testwagens83.851 Euro

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen