Auto
Beim VW Caddy verfügt nur die rechte Schiebetür über ein Fenster, das man öffnen kann.
Beim VW Caddy verfügt nur die rechte Schiebetür über ein Fenster, das man öffnen kann.(Foto: n-tv.de/Busse)

VW Caddy 1.6 TDI BlueMotion: Voll auf Nutzen fixiert

von Axel F. Busse

Der eine fährt ihn als handlichen Werkstattwagen, der andere als genügsame Familienkutsche, in der auch noch das aufgeblasene Gummiboot Platz hat: Der Caddy ist eines der vielseitigsten Fahrzeuge im Volkswagen-Programm. Ein Praxistest mit dem runderneuerten 1,6-Liter-Diesel-Modell.

Mit dem Bulli-Nachfolger T5, dem Amarok oder dem Crafter teilt der Caddy ein Schicksal. Er wird nicht als Pkw, sondern als Nutzfahrzeug gesehen und angeboten. Für den Caddy gäbe es aber gute Gründe, ihn als Personenwagen einzusetzen. Kein anderer VW konnte bei nur 4,40 Metern Außenlänge, zumindest theoretisch, zehn Menschen befördern. Die Nutzlast der 1,2-Liter-TSI-Variante beträgt sagenhafte 745 Kilogramm. Das entspricht fast zehn Standard-Insassen, die nach EU-Norm 75 Kilogramm wiegen.

Solche Rechenexempel stellt der Normal-Kunde natürlich nicht an. Er wählt sein Fahrzeug nach einem individuellen Anforderungsprofil aus. Erstaunlicher Weise ist dieser Kunde selbst bei einem "Nutzfahrzeug" wie dem Caddy zu 30 Prozent Privatmann oder -frau. Für die Interessenten mit einer eher überschaubaren Jahreslaufleistung wurde der TSI-Benziner ins Programm genommen, darüber hinaus gibt es den Caddy mit 1,6- und Zweiliter-Diesel. Für die Testfahrt stand die 1,6-Liter-Blue-Motion-Variante mit 102 PS zur Verfügung.

Ganz vorn auf der Beliebtheitsskala

Fast 1,86 Meter Fahrzeughöhe lassen den 4,40 Meter kurzen Caddy wuchtig erscheinen.
Fast 1,86 Meter Fahrzeughöhe lassen den 4,40 Meter kurzen Caddy wuchtig erscheinen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Die Vielseitigkeit des Caddys liegt nicht nur in zwei verschiedenen Radständen, einer fünf- oder siebensitzigen Bestuhlung, der Wahl zwischen Vorderrad- oder Allradantrieb, sondern auch noch in der Möglichkeit, ihn als Erdgas-Mobil zu bekommen. Vergangenes Jahr waren 30.000 Halter in Deutschland so angetan von der Vielfalt, dass sie sich für den Caddy entschieden. Zwei Drittel davon wählten einen Selbstzünder. Mit diesen Zulassungszahlen liegt der Caddy meilenweit vor Autos ähnlicher Bauart wie etwa dem Fiat Doblo oder dem Opel Combo.

Ebenso wichtig wie die Ablösung der bisherigen Pumpe-Düse- durch Common-Rail-Diesel-Motoren war bei der Modellpflege die Anpassung an das aktuelle VW-Design, das in erster Linie Änderungen an der Frontpartie bedeutete. Die markanten Querstreben am Grill, die Pfeilung des Motordeckels und die außen hoch gezogenen Scheinwerfergläser weisen den Caddy nunmehr aktuelles Mitglied der Volkswagen-Familie aus. Typisch für die Baureihe sind die asymmetrischen Außenspiegel, der Rechte schmal und hoch, der Linke breit und flach.

Eine hohe Sitzposition und vertraute Cockpitarmaturen: Der Caddy ist freundlich zum Nutzer.
Eine hohe Sitzposition und vertraute Cockpitarmaturen: Der Caddy ist freundlich zum Nutzer.(Foto: n-tv.de/Busse)

Durch die hohe Karosserieform sind auch die Sitze in einer Position montiert, wo Ein- und Ausstieg bequem vor sich gehen. Kinder in schmalen Parklücken aussteigen zu lassen, ist nicht ohne Risiko, da eine öffnende Klapptür schnell mal an der des Nebenmannes einschlagen kann. Von den beiderseitigen Schiebetüren des Caddys geht eine solche Gefahr nicht aus. Das Anschnallen vorn kann zu einer kleinen Fummelei werden, denn das Gurtschloss liegt schlecht zugänglich und nahe an der Mittelarmlehne. Die Innenarchitektur ist wie gewohnt übersichtlich, jeder, der schon mal einen VW gefahren ist, findet sich auf Anhieb zurecht. Weitere Eigenheit der hohen Kabine: Über den Sonnenblenden ist eine über die gesamte Wagenbreite reichende Ablage. Die Fächer in den Türverkleidungen nehmen auch Literflaschen auf.

Da muss einer mit anfassen

Dank des Umstiegs auf die Common-Rail-Technik ist jetzt auch ein Caddy ein zurückhaltender Bursche. Der Vierzylinder schnurrt meist unauffällig, gibt aber an kalten Tagen deutlich spürbar bekannt, dass er streng auf Effizienz getrimmt ist: Es wird nur wenig Abwärme produziert, was sich in einer verlängerten Aufwärmphase für den Innenraum niederschlägt.

Wer die Rücksitze ausbaut, kann mehr als drei Kubikmeter Ladevolumen nutzen.
Wer die Rücksitze ausbaut, kann mehr als drei Kubikmeter Ladevolumen nutzen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Soll der Caddy nicht Familienmobil sondern Kleinlaster sein, hat man die Wahl, die Rückbank umzulegen oder auszubauen. Für beides sind nur wenige Handgriffe nötig, lediglich das Einlagern der Sitzmöbel ist mit einer gewissen Anstrengung verbunden. Der rund 20 Kilo wiegende Einzelsitz ist noch einigermaßen handlich, die 38 Kilo wiegende Doppelbank schon wegen ihrer Sperrigkeit nicht allein zu bewegen. Der Gewinn der schweißtreibenden Maßnahme ist eine auf 1,75 Meter verlängerte ebene Ladefläche, die bis auf eine Innenhöhe von 1,23 Meter vollgestapelt werden kann.

Zugang zum Laderaum gib es über die nach oben schwingende Klappe. Die ist so gelagert, dass es keinen allzu großen Kraftaufwand erfordert, doch Obacht: Sie vollständig zu öffnen, braucht einen Mindestabstand zum Hintermann von einem Meter. Gewerbler oder Handwerker werden da wohl eher zu einer zweiflügeligen Portaltür greifen, die für einen Aufpreis von 208 Euro im Angebot ist. Fast 600 kostet der ausziehbare Ladeboden, der das Überwinden der 56 cm hohen Ladekante noch einfacher macht.

Ein Kabel für 220 Euro

Wer das bis zu drei Kubikmeter große Transportvolumen oft nutzt, ist mit einem der Dieselmotoren gut beraten. 250 Newtonmeter Drehmoment (bis 320 Nm beim Zweiliter-Aggregat) schieben die Fuhre ganz ordentlich an, zumal der Laster mit mehr als 1600 Kilogramm auch nicht gerade ein Leichtgewicht ist. Nur für den Zweiliter-Diesel gibt es (alternativ zum DSG-Getriebe) eine Sechsgang-Schaltung. Doch die fünfgängige Schaltbox ist komfortabel für Last- und Lust-Touren, denn der fünfte Gang ist so lang übersetzt, dass die Kurbelwelle selbst bei Vollgas nur 3.300 Umdrehungen pro Minute quirlt. Zum Erstaunen des Testers gab sich dieser Caddy nicht mit den werksseitig genannten 170 km/h als Höchstgeschwindigkeit zufrieden. Mit handgestoppten 178 km/h lag er komfortabel über diesem Wert.

Gewappnet für eine große Party: In den Caddy gehen mindestens 35 Getränkekisten.
Gewappnet für eine große Party: In den Caddy gehen mindestens 35 Getränkekisten.(Foto: n-tv.de/Busse)

Eine andere Ziffer aus dem Datenblatt blieb bei dieser Testfahrt unerreicht, obwohl die bei der Blue-Motion-Variante serienmäßige Start-Stopp-Automatik zuverlässig jede Spritverschwendung an der Ampel unterband: Laut EU-Norm sollte sich der 1,6-Liter-Motor mit 5,2 Litern Diesel je 100 Kilometer zufrieden geben, in der Endabrechnung waren es diesmal 6,5. Ein hoher Kurzstreckenanteil und eilige Autobahn-Passagen forderten ihren Tribut. Der Fahrkomfort ist durchschnittlich, die hintere Starrachse mit Blattfedern lässt nicht mehr zu. Dafür ist die Übersicht beim Rangieren gut, die großen Glasflächen sorgen für viel Helligkeit im Innenraum.

In der Ausstattungslinie Comfortline bringt der Caddy Annehmlichkeiten wie Schubkästen unter den höhenverstellbaren Vordersitzen, Nebelscheinwerfer, automatisch abblendenden Innenspiegel, Bordcomputer, Regensensor und eine Multimediabuchse (AUX) mit. Das USB-Adapterkabel – zum Beispiel für iPhone-Nutzer – wird aber gleich mit 202,30 Euro extra berechnet. Will man Seiten- und Kopfairbags für Fahrer und Beifahrer haben, erscheinen weitere 166,60 Euro auf der Rechnung.

Fazit: Die Freunde von Design und Dynamik, von Schnelligkeit und Schick wird man unter den Caddy-Kunden wohl vergebens suchen. Die Stärken des Kleinlasters liegen woanders, weshalb er auch die Einstufung als "Nutzfahrzeug" zu Recht trägt. Er ist ein Fahrzeug, das vor allem eines bringen soll – Nutzen. Ob der dann einer Familie, einem Service-Dienstleister, einem Handwerker oder einem Gemüsehändler zugutekommt, ist zweitrangig. Viel Volumen von A nach B bringen und dabei noch einigermaßen wirtschaftlich sein – so ist er eben, der Caddy.

 

DATENBLATTVW Caddy 1.6 TDI BlueMotion
Abmessungen L / B / H4,44 / 1,79 / 1,85 m
Leergewicht (DIN)1620 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen normal /
Rückbank ausgebaut
750 / 3030 l
max. Zuladung630 kg
Motor4-Zylinder Diesel-Motor mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
Leistung102 PS (75 kW) bei 4400 U/min
KraftstoffartDiesel 
AntriebVoderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
max. Drehmoment250 Nm von 1500 – 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h12,9 s
Normverbrauch (außerorts / innerorts / kombiniert)
Testverbrauch
4,8 / 6,0 / 5,2 l
6,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
136 g/km
Grundpreis
Preis des Testwagens
25.537,40 Euro
30.367,61 Euro

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen