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Die breitere Spur des Amaroks kommt dem Fahrkomfort zugute.
Die breitere Spur des Amaroks kommt dem Fahrkomfort zugute.(Foto: Axel F. Busse)

Zwei Lastesel im Wettschleppen: Was ist dran am Pick-Up-Kult?

von Axel F. Busse

Der eine ist ein wahres Urgestein, wird seit 45 Jahren gebaut, der andere ein Newcomer, der sich anschickt, den Markt umzukrempeln. Der Toyota Hilux und der VW Amarok sind Nutzfahrzeuge, doch ihr Charme erreicht auch Lifestyle-Publikum. Vergleich zweier unterschiedlicher Brüder.

Dank Untersetzungs-Getriebe ist der Hilux auch im Gelände nicht in Verlegenheit zu bringen.
Dank Untersetzungs-Getriebe ist der Hilux auch im Gelände nicht in Verlegenheit zu bringen.(Foto: Axel F. Busse)

Nicht nur in Deutschland ist der Pickup-Markt ebenso überschaubar wie zweigeteilt. Obwohl viele Kunden ihre Kleinlaster als Pkw zulassen, führt das Kraftfahrtbundesamt sie nicht in einer entsprechenden Segment-Statistik. So bleiben denn Herstellerangaben die einzige Quelle, aus der Informationen über die Akzeptanz der Modelle zu ziehen wären. Demnach wurden von dem japanischen Fahrzeug rund 1600 Einheiten neue zugelassen, beim Amarok waren es 4200. Für das Modelljahr 2012 hat Toyota sein Auto energisch aufgefrischt, nicht zuletzt, um dem deutschen Konkurrenten Paroli zu bieten.

Schein und Sein

Zu den Änderungen am Hilux gehören neben Design-Veränderungen für eine bulligere Front vor allem eine Aufwertung des Innenraums und der Serienausstattung. Aber auch der beste Innenarchitekt macht aus dem, was als Almhütte konzipiert war, keine Strandvilla. Das Interieur atmet den Geruch eines burschikosen Nutzfahrzeugs. Die spielerische und manchmal ungeordnet erscheinende Verteilung der Bedienelemente gehört ebenso dazu wie die zwei Schalthebel in der Mittelkonsole. Sie sind für die Zuschaltung des Untersetzungsgetriebes an die 5-Gang-Handschaltung nötig.

Die nüchterne Sachlichkeit eines Lastwagens herrscht im Cockpit des Hilux.
Die nüchterne Sachlichkeit eines Lastwagens herrscht im Cockpit des Hilux.(Foto: Axel F. Busse)

Die manuelle Klimaanlage gehört zur Ausstattungslinie "Life" ebenso wie Nebelscheinwerfer und Trittbretter, die Türgriffe und Außenspiegel sind im Chromdesign ausgeführt. Das Bordcomputer-Display über dem serienmäßigen CD-Radio (mit USB-Anschluss) ist deshalb gewöhnungsbedürftig, weil es den Verbrauch in Kilometer je Liter anzeigt. Leider verfügte der Testwagen nur über die "Extra-Cab" mit zwei Behelfssitzen im Fond, so dass ein echter Vergleich des Raumangebots hinter den Vordersitzen nicht möglich war.

Innen im Amarok geht es eindeutig wohnlicher zu. Zwar sind die Oberflächen ebenfalls in robustem Plastik ausgearbeitet, doch die aktuellere Konzeption mit allen wichtigen Bedienelementen im Blickwinkel des Fahrers, einer praktischen Ablagenstruktur und Tastenwahl für Offroad-Betrieb bzw. mechanischer Differenzialsperre. Im Gegensatz zum Hilux ist das Lenkrad nicht mit Tasten für die Steuerung vom Radio und Telefon ausgestattet.

Zuhause bei Volkswagen: So kommod geht es im Cockpit eines modernen Lasters zu.
Zuhause bei Volkswagen: So kommod geht es im Cockpit eines modernen Lasters zu.(Foto: Axel F. Busse)

In der Doppelkabine des Amarok haben auch Erwachsene hinten genug Platz. Das Zwitter-Dasein der beiden Lastesel mit Lifestyle-Ambitionen war an der beiden Testwagen gut abzulesen: Während der Amarok seine Nutzfahrzeug-Qualitäten durch Gummimatten zu untermauern versucht, soll im Hilux durch zusätzlicher Einleger aus Teppichboden ein bisschen mehr Wohlfühl-Atmosphäre aufkommen.

Saft und Kraft

Mit der Modellauffrischung erfuhr der Toyota eine Leistungssteigerung des 2,5-Liter-Motors um 24 PS. Damit ist er dem Doppelturbo des Volkswagens immer noch um 19 PS unterlegen, doch im Fahrbetrieb wirkt sich der Unterschied kaum aus. Subjektiv tritt der Hilux sogar ein wenig beherzter an, was mit dem um etwa 100 Kilo geringeren Eigengewicht zu tun haben dürfte. Drehmoment ist bei beiden ebenso reichlich spürbar wie die unverblümte Lkw-Akustik des nagelnden Vierzylinders auf der Vorderachse.

Mit der Doppelkabine bietet der VW-Lastesel nahezu Pkw-gemäßen Reisekomfort.
Mit der Doppelkabine bietet der VW-Lastesel nahezu Pkw-gemäßen Reisekomfort.(Foto: Axel F. Busse)

Während der japanische Altmeister mit GPS-gemessenen 173 km/h den Wert das Datenblatts auf der Autobahn sogar übertraf, hatte der Amarok Schwierigkeiten, die Tacho-Nadel in die Nähe der versprochenen 180 km/h zu bringen. Im Testverbrauch (zuladungsfrei) lagen beide 0,7 bzw. 0,9 Liter über dem offiziellen EU-Messwert, was in jeder Hinsicht tolerabel ist.

Lust und Laune

Von der hohen Kanzel aus erscheinen die Herausforderungen des Verkehrsalltags gering. Selbstbewusst dirigiert man(n) die große Karosse durch den Stadtdschungel, wobei die (kostenpflichtige) Rückfahrkamera des Hilux es erleichtert, das Fünf-Meter-Schiff in Parklücken zu zirkeln. Leider wurde beim Monitorbild darauf verzichtet, Hilfslinien einzublenden. In der Trendline-Ausstattung, wie der VW-Testwagen, ist eine Klimaelektronik mit an Bord, wohingegen ein USB-Anschluss fehlt.

Der Toyota Hilux ist ein Klassiker: Seit mehr als 40 Jahren schätzen ihn die Nutzer.
Der Toyota Hilux ist ein Klassiker: Seit mehr als 40 Jahren schätzen ihn die Nutzer.(Foto: Axel F. Busse)

Auf Kopfsteinpflaster ließ der VW mehr Souveränität und Abgeklärtheit erkennen. Eine breitere Spur an der Vorderachse hilft ihm dabei, dass die Schläge in der Lenkung nicht so spürbar sind wie beim Japaner. Der zuckelt bei 30 km/h auf der Rüttelstrecke aber mit nur 1800 U/min entlang, während der VW-Motor 2000 Touren braucht, um auf dieses Tempo zu kommen. Eine Schaltpunktanzeige weist ihn als zeitgmäßes und der Ökonomie verpflichtetes Fahrzeug aus, der Toyota verfügt darüber nicht. Geht es querfeldein, macht den beiden so leicht keiner was vor. Robustheit, Geländegängigkeit und solide Beherrschung auch kniffeliger Traktions-Bedingungen darf man bei beiden voraussetzen.

Geld und gute Worte

Newcomer auf der Überhol-Spur: Der Amarok hat die Pickup-Zulassungen in Deutschland dramatisch erhöht.
Newcomer auf der Überhol-Spur: Der Amarok hat die Pickup-Zulassungen in Deutschland dramatisch erhöht.(Foto: Axel F. Busse)

In der einfachsten Ausführung ist der Toyota für 20.825 Euro zu haben, der Volkswagen kostet 23.205 Euro. Für diese Preise bekommt man jeweils eine einfache Kabine ("Single-Cab") und 120 bzw. 123 PS (Amarok). Wie ernst die beiden Kontrahenten um die Publikumsgunst buhlen, war daran zu erkennen, dass Toyota beim Markteintritt des Volkswagens umgehend die Preise senkte. Das individuelle Anforderungsprofil wird aus Sicht der Kunden schließlich das Pendel zur einen oder anderen Seite ausschlagen lassen. Zahlreiche zusätzliche Komfortausstattungen können den Preis des VW im Nu in die Region einer gut ausgestatteten Limousine der oberen Mittelklasse schnellen lassen.

Wer Firmen- und Familienfahrzeug unter einer Karosse vereinigen will, wird sich langfristig wohl im Amarok wohler fühlen. In ihm steckt mehr Pkw, auch wenn das seinen Preis hat. Der kühle Rechner wird zum Toyota greifen, er repräsentiert das Echte und Urwüchsige. Auf der Baustelle wird man ihn weiterhin häufiger antreffen als vor dem Eingang vom Szene-Lokal.

 

DATENBLATTToyota Hilux 2.5 D-4D 4x4 LifeAmarok 2.0 TDI 4 Motion
Abmessungen5,26 / 1,83 / 1,80 m5,25 / 1,94 / 1,83  m
Radstand3,09 m3,10 m
Leergewicht (DIN)1875 - 1965 kg1961 - 2184 kg
Sitzplätze2+25
Ladehöhe84 cm81 cm
Ladebreite130 cm132 cm
Ladebreite zw. Radhäusern105 cm120 cm
Zulässiges Gesamtgewicht2620 kg2805 kg
EmissionsklasseEU 5EU 5
Motor/Hubraum4-Zylinder-Turbodieselmotor mit 2494 ccm Hubraum4-Zylinder-BiTurbo-Dieselmotor mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang manuell6-Gang manuell
Leistung144 PS (106 kW) bei 3400 U/min163 PS (120 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDieselDiesel
Tankinhalt80 Liter80 Liter
Höchstgeschwindigkeit170 km/h181 km/h
max. Drehmoment343 Nm von 1600 - 2800 U/min400 Nm von 1500 - 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h12,5 s11,5 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)10,1 / 7,2 / 8,3 Liter9,7 / 7,0 / 7,9 Liter
Testverbrauch9,0 Liter8,8 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
219 g/km209 g/km
Grundpreis27.548 Euro (Double-Cab)34.980,05 Euro
Preis des Testwagens30.226 Euro (Extra Cab)40.400,50 Euro

Quelle: n-tv.de

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