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Felix Baumgartner sprang als erster Mensch aus der Stratosphäre – seitdem sorgt der Österreicher hauptsächlich für Negativ-Schlagzeilen.
Felix Baumgartner sprang als erster Mensch aus der Stratosphäre – seitdem sorgt der Österreicher hauptsächlich für Negativ-Schlagzeilen.(Foto: picture alliance / dpa)

Braune Etappen eines Helden: Baumgartners tiefer Fall mit Rechtsdrall

Der Mann, der durch seinen Stratosphärensprung weltweit zum Held wurde, sorgt immer häufiger mit populistischen Parolen für Aufsehen. Seine vorerst letzte Entgleisung liefert Felix Baumgartner am vergangenen Sonntag.

Als am 14. Oktober 2012 ein Heliumballon die Druckkapsel mit Felix Baumgartner an Bord in die Stratosphäre brachte und er aus 39.045 Metern absprang, war der Österreicher ein Held. Doch vier Jahre und viele verstörende Bemerkungen später, offenbart sich Baumgartner immer mehr als rechter Stammtischbruder.

Bereits zwei Wochen nach seinem spektakulärem Flug erregte er erstmals die Gemüter. Auf die Frage, ob er sich einen Wechsel in die Politik vorstellen könne, antwortete er: "Nein, man hat das am Beispiel Schwarzenegger gesehen: Du kannst in einer Demokratie nichts bewegen. Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, die sich wirklich auskennen."

Nur wenig später, im November 2012, folgten die nächsten Negativ-Schlagzeilen für Baumgartner. Ein Berufungsgericht in Salzburg sprach ihn wegen Körperverletzung schuldig. Er hatte zwei Jahre zuvor einem griechischen Lkw-Fahrer einen Faustschlag versetzt - aus Notwehr, wie er behauptete.

2013 sprach er sich in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" für die "gesunde Ohrfeige" aus. Im selben Gespräch bringt er ein Beispiel, dass in der Schweiz nicht alles zu Tode reglementiert sei: "In meinem Lieblingslokal steht ein glühend heißer Ofen mit offenem Feuer. Wenn ein Kind sich mal die Pratzen verbrennt, hat es für den Rest des Lebens kapiert, dass man nicht mit dem Feuer spielen soll."

Als der 57 Jahre alte Google-Manager Alan Eustace im Oktober 2014 still und leise mit einem Sprung aus 41.424 Metern Höhe aus dem All als Rekordhalter verdrängte, reagierte Baumgartner sportlich und gratulierte dem neuen Weltmeister für seinen Mut. Dann blieb es eine Weile ruhig um den Extremsportler.

Merkel pfui, Orban hui

Anfang 2016 meldete sich Baumgartner schließlich zurück, aber nicht etwa, um sich seinen Weltrekord zurückzuholen, sondern mit populistischen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik. In einem Facebook-Posting machte er seinen 1,5 Millionen Followern unmissverständlich klar, dass er Österreichs Regierende für "Idioten" hält, weil sie Flüchtlinge ins Land lassen. Baumgartner sieht Österreich, Europa und überhaupt die Christenheit in Gefahr. Und schuld sei Merkel "mit ihrer desaströsen Willkommenspolitik". Dagegen solle man dem rechtskonservativen ungarischen Präsidenten Viktor Orbán den Friedensnobelpreis verleihen - denn der habe "das einzig Richtige getan".

Im Mai outete sich Baumgartner als Unterstützer des FP-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und teilte auf Facebook einen verbalen Angriff auf dessen Gegner Alexander Van der Bellen: "Gib Lügnern keine Chance!! Gib Van der Bellen keine Chance!!". Die Rechtfertigung für die zu erwartende Kritik lieferte er dabei gleich mit: "Ich bin weder rechts noch links, aber ein kritisch denkender Mensch, der keine Angst davor hat, seine Meinung zu sagen."

Fan von Identitären

Seine vorerst letzte Entgleisung lieferte Baumgartner am vergangenen Sonntag. Via Facebook sympathisierte er offen mit der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung der "Identitären" und brach eine Lanze für Martin Sellner, dem Chef der Identitären Bewegung" in Österreich. Dieser war als Talkgast in eine Sendung mit dem Thema "Wie gefährlich sind unsere Muslime?" eingeladen. Baumgartner schwärmte von einem historischen Tag. Sellner habe Baumgartner "mehr überzeugt, als die meisten Politiker zusammen in den vergangenen Jahren" und "vom Rechtsradikalen keine Spur". Wer Kritik an dem rechten Auftritt übt, ist für Baumgartner eine "Heulsuse".

Langsam scheinen sich viele seiner Fans vor den Kopf gestoßen zu fühlen. Neben den üblichen Jubel-Postings mehren sich kritische Stimmen. "Ein historischer Tag ist der, an dem Felix Baumgartner seine Steuern zurückzahlt und aufhört aus einem Steuerparadies zu hetzen", bekundet ein User. Ein anderer stellt fest: "War vielleicht doch ein bisschen hoch, Felix. Wer nicht checkt, dass die Identitären eine protofaschistische Ursuppe ist, der sollte echt noch mal die Schulbank drücken." "Wie tief wollen Sie noch sinken Herr Baumgartner", fragt ein weiterer. "Also den Sellner in der Öffentlichkeit verehren hat sich bis jetzt keiner getraut, der ein bissl einen Namen hat. Neuer WELTREKORD!"

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Quelle: n-tv.de

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