Politik
Pressekonferenz mit wenig präsidialer Wortwahl: Trump im Trump Tower.
Pressekonferenz mit wenig präsidialer Wortwahl: Trump im Trump Tower.(Foto: imago/UPI Photo)
Mittwoch, 11. Januar 2017

"Sie werden sehr, sehr stolz sein": Das haben wir bei Trumps Auftritt gelernt

Von Hubertus Volmer

Donald Trump hasst kritische Medien, er hasst die US-Geheimdienste und will eigentlich nur bejubelt werden. Beiläufig räumt er ein, dass wohl doch Russland die Demokraten gehackt hat. Und Kohärenz ist seine Sache nicht.

Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat eine Pressekonferenz gegeben. Viele Fragen wurden gestellt, nicht alle wurden beantwortet. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Dinge, die wir von der Veranstaltung gelernt haben.

Wie Donald Trump damit umgehen will, dass ihm ein milliardenschweres Unternehmen gehört und dadurch Interessenskonflikte mit seinem Job als Präsident entstehen könnten, lesen Sie hier.

Kohärenz? Nicht mit Trump!

Trump habe "die Aufmerksamkeitsspanne eines Neunjährigen mit ADHS", sagt sein Ghostwriter.
Trump habe "die Aufmerksamkeitsspanne eines Neunjährigen mit ADHS", sagt sein Ghostwriter.(Foto: imago/UPI Photo)

Leser müssen sich nicht für die Befindlichkeiten von Journalisten interessieren. Dieser Hinweis sei jedoch gestattet: Schon im Wahlkampf war es mitunter schwierig, Trumps Reden zu folgen, weil er dabei nicht selten kreuz und quer durch die Themen sprang. In der Pressekonferenz im New Yorker Trump Tower setzte er jedoch neue Standards für verwirrendes, unzusammenhängendes Sprechen.

Der "Guardian" hat mitgezählt: Zu Beginn der Pressekonferenz sprach er sechs Themen in drei Minuten an. Er sagte, Autohersteller ließen Pläne fallen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, die Pharmaindustrie habe viele Lobbyisten und viel Macht, er sprach über den US-Kampfjet F-35, den er schon im Dezember kritisiert hatte, er sagte, er habe "die Generäle" kennengelernt und werde mit ihnen "große Dinge" tun, und überhaupt, er werde "der größte Job-Produzent sein, den Gott je geschaffen hat".

Tony Schwartz, der Ghostwriter, der das Buch "The Art of the Deal" für den Milliardär geschrieben hat, sagte während des Wahlkampfes, Trump habe "die Aufmerksamkeitsspanne eines Neunjährigen mit ADHS". Amerikanische Zeitungen und TV-Sender zitierten gelegentlich Trump-Berater mit den Worten, dem Kandidaten falle es schwer, sich auf eine vorher abgestimmte Botschaft zu konzentrieren. "He can't stay on message", hieß es. In dieser Pressekonferenz hatte Trump zweifellos ein paar Botschaften, die er rüberbringen wollte. Am liebsten alle sofort, gleichzeitig, ohne Pause.

Trump hasst kritische Medien

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Die "Mainstream-Medien", zu denen in Trumps Wahrnehmung nur Sender, Portale und Zeitungen gehören, die ihn kritisieren, waren bereits im Wahlkampf seine Lieblingsfeinde. Sie seien "unehrlich", sagte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Bei seiner Pressekonferenz im Trump Tower fiel der Job der Medienkritik dem künftigen Vizepräsidenten Mike Pence und dem künftigen Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, zu.

Spicer eröffnete die Veranstaltung mit heftigen Vorwürfen. Dass die Nachrichtenseite Buzzfeed das angeblich von einem britischen Ex-Spion zusammengestellte Dossier über Trump veröffentlicht habe, nannte er "abscheulich und hochgradig verantwortungslos". Schließlich habe Buzzfeed selbst darauf hingewiesen, dass es gute Gründe gebe, die Inhalte dieses Dossiers anzuzweifeln. "Die Tatsache, dass Buzzfeed und CNN entschieden, diese unbewiesenen Behauptungen zu veröffentlichen, war ein trauriger Versuch, Clicks zu bekommen." Pence wurde noch deutlicher. Die Medien hätten versucht, die Präsidentschaftswahl zu "delegitimieren", sagte er.

Zu der Pressekonferenz brachte Trump seine Söhne Don und Eric, seine Tochter Ivanka und seinen Schwiegersohn Jared Kushner (nicht im Bild) mit.
Zu der Pressekonferenz brachte Trump seine Söhne Don und Eric, seine Tochter Ivanka und seinen Schwiegersohn Jared Kushner (nicht im Bild) mit.(Foto: REUTERS)

Nach diesen Auftritten schien Trump zunächst den guten Cop geben zu wollen. Statt Buzzfeed oder CNN zu attackieren, lobte er "die vielen Medien", die sich das Dossier genau angesehen und deutlich gemacht hätten, dass seine Inhalte falsch seien.

Später nannte Trump Buzzfeed allerdings in wenig präsidialer Wortwahl "a failing pile of garbage", also einen scheiternden Haufen Müll. Unmittelbar danach wollte der CNN-Journalist Jim Acosta eine Frage stellen. "Sie nicht", sagte Trump. "Ihre Organisation ist furchtbar." Da Acosta nicht locker ließ, entspann sich ein kurzer, heftiger Wortwechsel, an dessen Ende Trump sagte: "Sie sind Fake News." Acosta berichtete später, Trumps Sprecher Spicer habe ihm gedroht, ihn rauswerfen zu lassen.

Warum Trump CNN so scharf attackierte, blieb unklar. Schließlich hatte der Sender nur über die Existenz des Dossiers berichtet, nicht über die Inhalte. Moderator Jake Tapper verlas nach der Pressekonferenz denn auch eine Erklärung des Senders, in der CNN sich scharf von Buzzfeeds Vorgehen abgrenzte. Tapper selbst sagte: "Wir haben über kein Detail aus diesem Dokument berichtet, und jeder, der das Gegenteil behauptet, sagt nicht die Wahrheit."

Was Trump will, ist Jubel

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Worum es Trump geht, auch im Umgang mit den Medien, wurde an einer anderen Stelle deutlich. Auf eine Frage nach seinem Vorhaben, Obamas Gesundheitsreform abzuschaffen, sagte er: "Sie werden sehr, sehr stolz sein, nicht nur als Medien und Reporter. Sie werden sehr stolz darauf sein, was wir vorlegen werden in der Gesundheitspolitik."

Was genau er plant und was mit den Millionen Menschen passieren wird, die eine Krankenversicherung auf der Grundlage von Obamacare abgeschlossen haben – darauf ging Trump nicht ein. Stattdessen sagte er, seine Regierung werde einen Plan vorlegen, sobald der Gesundheitsminister im Amt sei. Obamacare werde "abgeschafft und ersetzt"; das hatte Trump auch im Wahlkampf versprochen. Zuletzt gab es Berichte, dass die Krankenversicherung erst abgeschafft und später ersetzt würde. Trump stellte nun klar: "Das wird im Wesentlichen gleichzeitig sein. Es werden unterschiedliche Bereiche sein, verstehen Sie, aber sehr wahrscheinlich am selben Tag oder in derselben Woche, aber wahrscheinlich am selben Tag, es könnte dieselbe Stunde sein." Dies sei "sehr kompliziertes Zeug".

Langer Rede kurzer Sinn: Trumps gesundheitspolitische Pläne liegen weiter völlig im Dunkeln. Klar ist nur, dass Trump geliebt werden will. Selbst die Journalisten sollen "stolz" auf ihn sein. Nur zur Erinnerung: In Demokratien gehört das nicht zum Aufgabenbereich der Medien.

Ach ja: Wahrscheinlich war es Russland

Bei seiner letzten Pressekonferenz vor 168 Tagen hatte Trump Russland aufgerufen, die E-Mails seiner Konkurrentin Hillary Clinton zu hacken, um ihre E-Mail-Affäre aufzuklären. Nachdem später tatsächlich E-Mails aus dem Umfeld der Demokratin gehackt wurden, bestritt Trump, dass Russland dahinter stecken könne. Er ging so weit, den amerikanischen Geheimdiensten zu unterstellen, sie fälschten Berichte, um Russland zu belasten.

In der Pressekonferenz sagte Trump zum ersten Mal, dass er doch davon ausgeht, dass Russland hinter den Hacker-Angriffen gegen Clinton steckt. "Ich glaube, das war Russland, aber ich glaube, wir werden auch von anderen Ländern, anderen Leuten gehackt", sagte er beiläufig.

Später stellte ein Journalist die naheliegende Frage, warum Trump die Schlussfolgerungen der US-Geheimdienste wochenlang angezweifelt habe. Die Antwort blieb Trump schuldig. Auf die Frage, was seine Botschaft an Putin sei, antwortete er: "Er sollte das (gemeint waren Hacker-Angriffe) nicht machen, er wird das nicht (mehr) machen. Russland wird viel mehr Respekt für unser Land haben, wenn ich es führe". Und es sei ja auch nicht nur Russland. China habe 22 Millionen Accounts in den USA gehackt – darüber werde jedoch nicht berichtet.

Trump hasst die Geheimdienste

Genauer: Trump hasst die aktuelle Führung der Geheimdienste. Das Dossier mit den pikanten (und mutmaßlich tatsächlich falschen) Einzelheiten sei "vielleicht von den Geheimdiensten" veröffentlicht worden, "wer weiß". Wenn dies so gewesen sein sollte, wäre dies ein "gewaltiger Schandfleck" auf ihrem Vermächtnis.

In mehreren Tweets hatte Trump die Geheimdienste am Morgen sehr viel deutlicher und ohne Konjunktiv attackiert. Erst auf Nachfrage machte er das auch bei dieser Pressekonferenz. Es sei eine "Schande", dass die Geheimdienste es zugelassen hätten, dass diese Informationen an die Öffentlichkeit gerieten. Dies sei "wie in Nazi-Deutschland".

Künftig würden "ein paar herausragende Leute" die Geheimdienste führen. Binnen 90 Tagen werde er von ihnen einen Bericht über Hacker-Angriffe gegen die USA erhalten.

Und dann werden vermutlich alle stolz auf ihn sein.

Quelle: n-tv.de

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