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Verhasst, verdammt, erfolgreich: Ist Trump noch aufzuhalten?

Von Christian Rothenberg

Erst vier Vorwahlen sind gelaufen, im Juli küren die Republikaner ihren Präsidentschaftskandidaten. Fast alles spricht dafür, dass es Donald Trump sein wird.

Die Hoffnung vieler Republikaner ist Bill Clinton. Als demokratischer Präsidentschaftsbewerber verlor er 1992 die ersten vier Vorwahlen. Ein mieser Start, dennoch wurde Clinton am Ende Präsident. Viele Republikaner, und vermutlich auch viele US-Amerikaner, hoffen zurzeit, dass es wieder so läuft. Dass bei der Nominierung des Kandidaten im Juli doch ein anderer Bewerber den Zuschlag erhält – und nicht Donald Trump.

Der Milliardär startete im Sommer als Außenseiter in den Wahlkampf. Er galt als Clown. Viele rechneten damit, dass er bald aus dem Bewerberrennen ausscheiden würde. Weit gefehlt. Der 69-Jährige wurde unterschätzt. Erst 4 der 50 Bundesstaaten haben gewählt, erst fünf Prozent der Delegierten sind verteilt. Theoretisch kann noch einiges passieren, aber es ist wahrscheinlich, dass Trump die Grand Old Party in den Wahlkampf führen wird. Dass er, den sich viele nicht im Weißen Haus vorstellen können, am Ende unvermeidlich ist.

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Trump führt deutlich, nachdem er drei Vorwahlen in Folge gewann. Trump siegte in demografisch sehr unterschiedlichen Staaten. Das belegt eine breite Unterstützung in verschiedenen Wählergruppen. Dass Trump so stark ist, liegt auch an der Schwäche seiner Konkurrenten. Der erzkonservative texanische Senator Ted Cruz galt bisher als schärfster Konkurrent. Doch nach seinem Sieg in Iowa enttäuschte er. In South Carolina schnitt er sogar bei seinen Stammwählern, Evangelikalen und Christen, schwächer ab als Trump. Am "Super Tuesday" geht es für ihn um alles. Am kommenden Dienstag wird in einem Dutzend Staaten gewählt, es geht um mehr als die Hälfte der Delegiertenstimmen. Vor allem beim Heimspiel in Texas muss Cruz gewinnen. Sonst dürfte Marco Rubio vorbeiziehen. Der 44-jährige Senator von Florida wurde zuletzt zweimal Zweiter. Dass gemäßigte Bewerber wie Jeb Bush und Chris Christie ihre Kampagnen beendeten, könnte ihm noch Zulauf bescheren.

Aber wie Bill Clinton im Jahr 1992 wartet Rubio bisher vergeblich auf einen Sieg. Bis spätestens Mitte März, wenn im heimischen Florida gewählt wird, muss er unbedingt Erfolge vorweisen. "Wir sind überzeugt, dass die Mehrheit der Republikaner Trump nicht als Kandidaten will. Wenn es zu einem direkten Duell kommt, wird Marco Trump schlagen", sagt Rubios Sprecher Alex Conant. Die Aussichten sind bescheiden. Umfragen sehen Trump am "Super Tuesday" in mindestens der Hälfte der zwölf Staaten deutlich vorn.

"Ich bin erschrocken"

Ein weiterer Vorteil von Trump ist seine Strategie. Er kann machen, was er will. Fast täglich polarisiert Trump durch aggressive Äußerungen, aber es schadet ihm nicht. Er will keine Muslime mehr ins Land lassen, fordert eine Mauer zur mexikanischen Grenze, bezeichnet Mexikaner als Vergewaltiger. Dennoch stimmten in Nevada 45 Prozent der lateinamerikanischen Wähler für Trump, nur 28 für Rubio. Trump ist der lauteste und wütendste Präsidentschaftsbewerber. Aber er hat keinen Grund, seine Taktik zu ändern. "Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Wähler verlieren", hat Trump kürzlich erkannt. Die Vorwahlen zeigen: Trump profitiert massiv von zornigen und unzufriedenen Wählern, von dem Unmut über das politische Establishment in Washington. Sein Versprechen, "Amerika wieder groß zu machen", bedient im Land eine Sehnsucht. Trump als Präsident – viele können sich das sogar gut vorstellen. Würde er die landesweiten Umfragen sonst seit Wochen mit 35 bis 40 Prozent anführen? Wohl kaum.

Umso bemerkenswerter ist, dass es bisher keine Anti-Trump-Kampagne gibt. Dabei bringt die Aussicht auf Trump als Kandidat nicht wenige in der Grand Old Party zur Verzweiflung. Viele Abgeordnete können sich nicht vorstellen, im von Republikanern dominierten Kongress mit ihm als Staatsoberhaupt zusammenzuarbeiten. "Ich weiß nicht, wie wir die Agenda von Donald Trump mit der der Republikaner zusammenbringen sollen", sagte Lindsey Graham, der republikanische Senator von South Carolina, kürzlich. Jeff Flake, Senator in Arizona, sagte nach Trumps Sieg in Nevada: "Ich bin erschrocken. Je näher wir kommen und je ernster es wird, desto mehr hoffe ich, dass die Leute da oben den Mund aufmachen." Doch auch von seinen Rivalen erhält Trump wenig Gegenwehr. Für die Vorwahl in New Hampshire steckte Rubio vier Millionen Dollar in Negativkampagnen, aber nur 37.000 gegen Trump. Cruz und Rubio greifen diesen bisher kaum an, viel lieber attackieren sie sich gegenseitig.

Notfalls nach Cape Breton

Auch auf die üblichen Maßstäbe ist kein Verlass mehr: So kommen Rubio (138) und Cruz (34) zwar auf die meisten Wahlempfehlungen von Parteifreunden. Bei den zurückliegenden Wahlen wurde am Ende immer der Kandidat, der die meisten so genannten Endorsements gesammelt hatte. Diesmal spielt dies womöglich keine Rolle. Belegen die Empfehlungen doch vor allem die Nähe zum verhassten Polit-Establishment. Trump selbst kommt inzwischen auf eine einzige Empfehlung. Nach seinem Sieg in Nevada sprach sich der republikanische Abgeordnete Chris Collins für ihn aus. Trump hat bisher 68 Delegiertenstimmen, mindestens 1237 braucht er bis zur letzten Vorwahl im Juni. "Es werden jetzt wunderbare zwei Monate. Vielleicht brauchen wir noch nicht mal zwei Monate", sagte er nach dem Sieg in Nevada. Es sei an der Zeit, "den Finger nach den Vereinigten Staaten auszustrecken".

Und wenn alle Hoffnung nichts nutzt? Abhilfe verspricht die kanadische Insel Cape Breton. Dort bot man kürzlich an, im Falle von Trumps Wahl, allen politischen Flüchtlingen aus den USA Asyl zu gewähren. "Kümmert Euch jetzt schon darum, dann könnt ihr noch am Wahltag in einen Bus steigen und ein neues Leben in Cape Breton beginnen, wo Frauen abtreiben und Muslime frei herumlaufen dürfen und die einzigen Mauern dafür da sind, die Dächer unserer extrem günstigen Häuser zu tragen", wirbt eine Website des hiesigen Fremdenverkehrsamtes.

Quelle: n-tv.de

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