Politik
Ein besonders enges Verhältnis wird den Bush-Brüdern nicht nachgesagt. Hier bei einem Auftritt 2006, als der ältere Bush noch Präsident und der jüngere Gouverneur von Florida war.
Ein besonders enges Verhältnis wird den Bush-Brüdern nicht nachgesagt. Hier bei einem Auftritt 2006, als der ältere Bush noch Präsident und der jüngere Gouverneur von Florida war.(Foto: Reuters)

Viel Geld, kein Erfolg: Jeb Bush lässt sich von seinem Bruder helfen

Von Hubertus Volmer

Man wird diese Veranstaltung wohl als Verzweiflungstat verstehen müssen: George W. Bush macht Wahlkampf für seinen kleinen Bruder Jeb. Konkurrent Donald Trump bereitet vermutlich schon höhnische Kommentare vor.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush will seinen desaströsen Vorwahlkampf beleben, indem er mit seinem Bruder, Ex-Präsident George W. Bush, auftritt. Am Montag soll es soweit sein, in der Stadt North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina.

Dort, in South Carolina, finden in einer Woche die nächsten Vorwahlen der Republikaner statt. Der Auftritt der Brüder wird in den US-Medien bereits vorbereitet: Der "Washington Post" wurde gesteckt, dass George W. Bush zuhause in Dallas vor Sonnenaufgang aufsteht, um im Internet Politik-Nachrichten zu lesen. Sogar die Debatten der republikanischen Präsidentschaftskandidaten schalte er ein, "obwohl sie bis nach seiner Schlafenszeit dauern".

Vor einem Jahr noch galt Jeb Bush als Favorit. Das ist vorbei.
Vor einem Jahr noch galt Jeb Bush als Favorit. Das ist vorbei.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn Bush lange wach bleibt, muss es schlimm um die USA stehen – schon als Präsident war er bekannt dafür, sich früh ins Bett zu verabschieden. Selbst nachdem er dem Irak am Abend des 19. März 2003 in einer kurzen Fernsehansprache den Krieg erklärt hatte, legte er sich schlafen.

Die Veranstaltung in North Charleston ist der erste öffentliche Auftritt von George W. in diesem Wahlkampf. Nicht ohne Grund: Am Ende seiner Amtszeit als Präsident hatte George W. katastrophale Umfragewerte, die sich allerdings in den letzten Jahren wieder verbessert haben. Unter den Republikanern in South Carolina gehört er sogar zu den beliebtesten Politikern.

Tabu-Themen

Allerdings unterstreicht die Kundgebung der Bush-Brüder, dass mit Jeb nicht nur ein Kandidat, sondern eine Dynastie zur Wahl steht. Bush-Mutter Barbara wusste es bereits vor drei Jahren: "Wir hatten genug Bushes", sagte sie im April 2013, als Jeb noch überlegte, ob er wirklich antreten soll. Genau dieses Gefühl wird von vielen Wählern in den USA geteilt. Den Erfolg von radikalen Kandidaten in diesem Vorwahlkampf erklärt Sudha David-Wilp von der Denkfabrik German Marshall Fund of the United States so: "Es liegt wohl vor allem daran, dass die Wähler eine dynastische Präsidentschaftswahl haben kommen sehen, Bush gegen Clinton. Davon haben Außenseiter profitiert – bei den Republikanern, bei den Demokraten Bernie Sanders."

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Wie gefährlich die Nähe zu seinem sechs Jahre älteren Bruder ist, müsste Jeb eigentlich wissen. Im Mai 2015 blamierte er sich, als er auf die Frage, ob auch er den Irak angegriffen hätte, innerhalb einer Woche fünf verschiedene Antworten gab. Damals wollte er sich noch als Gegenentwurf zum leutseligen George W. inszenieren. "Ich bin introvertiert", verkündete er in einem Interview. Zu seinem Bruder hielt er so viel Distanz wie möglich. Auf seinem Wahlkampflogo steht nicht "Jeb Bush", sondern "Jeb 2016".

Ein Problem kann George W. für Jeb auch sein, weil er für eine ganz andere Partei steht. Die Republikaner von heute haben mit denen aus Bushs Präsidentschaft nicht mehr viel gemein – die radikale Tea Party formierte sich zwar erst nach dem Amtsantritt von Barack Obama, stand aber immer auch in Opposition zu der Bankenrettung, die schon unter George W. Bush begonnen hatte. Beim amerikanischen Wahlvolk insgesamt dürfte Jeb eine zu große Nähe zu seinem Bruder aus anderen Gründen schaden: Der mit Lügen begründete Irak-Krieg war immerhin ein entscheidender Impuls für den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat, für den Krieg in Syrien und den Zusammenbruch des Mittleren Ostens. Zwei Themen müssten am Montag deshalb eigentlich tabu ein: die Bankenrettung und der Krieg in Syrien.

"Wow, Jeb bringt Mami mit"

In South Carolina will Jeb Bush zeigen, dass er Wähler von sich überzeugen kann. Bisher blieb er diesen Nachweis schuldig: In den landesweiten Umfragen liegt er seit Monaten im niedrigen einstelligen Bereich. Bei der Vorwahl in Iowa erhielt Bush nur drei Prozent, in New Hampshire waren es elf Prozent – geradezu lächerliche Ergebnisse für einen Kandidaten, der im vergangenen Sommer als Favorit gehandelt wurde.

Und selbst sein höchst bescheidener Erfolg ist teuer erkauft. In Iowa gab Bush pro Stimme 5200 Dollar aus, mehr als jeder andere Kandidat, wie die "Washington Post" ausgerechnet hat. In dieser Summe sind die Ausgaben der Lobby-Gruppen noch gar nicht enthalten, die für einen Kandidaten Werbung machen, offiziell aber nichts mit ihm zu tun haben. Super-Pacs heißen diese Organisationen, die sich meist darauf spezialisieren, die anderen Kandidaten schlechtzumachen. 64,8 Millionen Dollar hat Bushs Super-Pacs bislang ausgegeben – auch das ein Rekord in diesem Wahlkampf.

George W. Bush ist nicht der erste aus der Familie, der Wahlkampf für Jeb macht. In New Hampshire gab es mehrere Auftritte mit seiner 90 Jahre alten Mutter, der früheren First Lady Barbara Bush. Schon da fragten sich manche, ob die Auftritte mit seiner "Mom" wirklich vorteilhaft waren. Barbara Bush ist in den USA hoch angesehen, aber im CNN-Interview wirkte Jeb neben ihr wie ein kleiner Junge – vor allem als er sagte: "Jedes Mal, wenn ich meine Mutter sehe, denke ich an meinen Vater", und dabei wirkte, als kämen ihm gleich die Tränen.

Von Donald Trump gab es für den Wahlkampf mit der Mutter Hohn und Spott: "Wow, Jeb Bush, dessen Wahlkampf ein totales Desaster ist, musste Mami mitbringen, um mir eins zu verpassen."

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Quelle: n-tv.de

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