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Blick aus dem All: Ein europäischer Überwachungssatellit schoss vor wenigen Tagen diese Aufnahme eines nordkoreanischen Raketenstartplatzes.
Blick aus dem All: Ein europäischer Überwachungssatellit schoss vor wenigen Tagen diese Aufnahme eines nordkoreanischen Raketenstartplatzes.(Foto: Airbus Defense & Space and 38 No)

Satellit enthüllt neue Hinweise: Seoul und Tokio fürchten Nordkoreas Rakete

Was hat das Regime in Pjöngjang vor? Die Aussicht auf den Start einer Trägerrakete im Norden der koreanischen Halbinsel versetzt die gesamte Region in Aufruhr. Südkorea droht mit "ernsten Konsequenzen". Japan bereitet sich auf einen Abschuss vor.

Nach den USA und Südkorea hat auch Japan Nordkora vor dem für Mitte Februar angekündigten Start einer Langstreckenrakete gewarnt. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer "ernsthaften Provokation". Sein Verteidigungsminister erteilte den Streitkräften den Befehl, die Rakete zu "zerstören", sollte sie auf japanischen Boden zu fallen drohen.

Teil des Straßenbilds in Tokio: Im Stadtgebiet haben die japanischen Streitkräfte Abwehrraketen vom Typ "Patriot" aufgestellt.
Teil des Straßenbilds in Tokio: Im Stadtgebiet haben die japanischen Streitkräfte Abwehrraketen vom Typ "Patriot" aufgestellt.(Foto: dpa)

Südkorea warnte den verfeindeten Nachbarstaat im Norden mit scharfen Worten. "Wenn Nordkorea wie geplant eine Langstreckenrakete startet, wird das ernste Konsequenzen für das Land haben", sagte der stellvertretende Leiter des Büros für nationale Sicherheit, Cho Tae Yong, nach einer Dringlichkeitssitzung der Regierung in Seoul. Details zu Art und Ausmaß der angedrohten Konsequenzen nannte er nicht.

Der Test einer leistungsfähigen Trägerrakete wäre ein "ernsthafter Bruch" von UN-Resolutionen und eine "direkte Herausforderung" der internationalen Gemeinschaft, erklärte die südkoreanische Regierung. Pjöngjang ist es durch verschiedene Entscheidungen der Vereinten Nationen untersagt, ballistische Raketentechnik zu nutzen.

Im Besitz der Bombe?

Die Warnungen aus Washington, Tokio und Südkorea erfolgten knapp einen Monat nach dem weltweit verurteilten jüngsten nordkoreanischen Kernwaffentest. Dabei war allerdings unklar geblieben, ob das Regime in Pjöngjang tatsächlich, wie behauptet, eine Wasserstoffbombe zünden konnte. Fest steht bislang nur, dass es bei dem unterirdischen Test zu einer starken Explosion kam. Die Erschütterungen in der Erdkruste konnten Wissenschaftler selbst noch in Deutschland aufzeichnen.

Für Südkorea stellen die rüstungstechnischen Muskelspiele im Norden eine erhebliche Bedrohung dar: Die beiden koreanischen Staaten befinden sich formell noch immer im Kriegszustand. Das politische Klima ist eisig. Die Millionenstadt Seoul ist weniger als 100 Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt.

"VIP Housing Area": Wird Kim Jong Un von hier aus den Raketentest beobachten?
"VIP Housing Area": Wird Kim Jong Un von hier aus den Raketentest beobachten?(Foto: Airbus Defense & Space and 38 No)

Aufnahmen eines europäischen Aufklärungssatelliten zeigen den mutmaßlichen Ort des geplanten Raketentests im Nordwesten der koreanischen Halbinsel: Experten zufolge sind darauf deutliche Hinweise zu erkennen, dass vor Ort Vorbereitungen auf einen möglichen Start laufen. Der Standort Sohae ist von Seoul in der Luftlinie lediglich 300 Kilometer entfernt. Von Sohae nach Peking sind es rund 700 Kilometer.

Wie weit fliegt Kims Rakete?

Cho forderte das kommunistische Regime in Pjöngjang vor diesem Hintergrund auf, den geplanten Raketenstart abzusagen. Nordkorea hatte am Vortag die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und zwei weitere UN-Organisation davon informiert, einen "Erdbeobachtungssatelliten" ins All schießen zu wollen. Der Start soll zwischen dem 8. und 25. Februar erfolgen. Für diesen Zeitraum muss ein großzügig bemessener Sicherheitskorridor für Schifffahrt und Flugverkehr eingerichtet werden.

Der bisher letzte Start einer Weltraumrakete in Nordkorea Ende 2012 hatte scharfe Kritik ausgelöst. Aus Sicht der USA sowie Südkoreas wollte Nordkorea unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts die Technologie für eine militärische Langstreckenrakete erproben. Wäre ein solcher Test erfolgreich, rückten auf einen Schlag auch weit entfernte Bevölkerungszentren in die Schlagdistanz der nordkoreanischen Militärs.

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un hatte erst im Dezember erstmals angedeutet, dass sein Land eine Wasserstoffbombe besitzt. Er sagte laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkorea sei "ein mächtiger Atomstaat, der bereit ist, eine selbstständige Atombombe und eine Wasserstoffbombe zu zünden, um seine Souveränität zu verteidigen". Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Januar wird derzeit im UN-Sicherheitsrat über neue Sanktionen gegen das seit Jahrzehnten weitgehend isolierte Nordkorea diskutiert.

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Quelle: n-tv.de

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