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Schlacht der Bundesliga-Titanen: Der BVB hat Lösungen für Guardiolas Fallen

Von Constantin Eckner

Mainz elektrisiert die Fußball-Bundesliga: Der FSV-Coup in München eröffnet Borussia Dortmund die Chance, den Über-Bayern doch noch die Schale abzujagen. Die Mittel, Guardiolas Finten- und Ballbesitz-Könige zu schlagen, hat Tuchels BVB.

Der Bundesliga-Gipfel ist angerichtet, und dank des Mainzer Coups in München geht es nicht nur ums Prestige. Lange sah es in dieser Saison so aus, als würden die Bayern souverän die Meisterschaft verteidigen. Der BVB war auf acht Punkte distanziert, der Tabellenführer schwächelte nicht. Bis zum Ausrutscher gegen Mainz 05. Die Dortmunder nahmen dankend an, siegten in Darmstadt und können nun mit einem Sieg im heimischen Westfalenstadion bis auf zwei Punkte heranrücken. Dann hätte die Bundesliga aus dem Nichts wieder ein Meisterrennen.

In dieser Form könnte der BVB den Spielaufbau gestalten, um gleichzeitig defensive Absicherung zu gewährleisten. Nuri Şahin würde sich zurückfallen lassen, um aus der Tiefe die Angriffe zu eröffnen. Dadurch bilde sich eine Dreierreihe mit verengten Schnittstellen und mit Kapitän Mats Hummels in der Mitte. Er könnte folglich seltener seine vorstoßenden Läufe einstreuen, wäre aber als kopfballstärkster Verteidiger der Borussen eine Hilfe gegen hohe Vertikalbälle.
In dieser Form könnte der BVB den Spielaufbau gestalten, um gleichzeitig defensive Absicherung zu gewährleisten. Nuri Şahin würde sich zurückfallen lassen, um aus der Tiefe die Angriffe zu eröffnen. Dadurch bilde sich eine Dreierreihe mit verengten Schnittstellen und mit Kapitän Mats Hummels in der Mitte. Er könnte folglich seltener seine vorstoßenden Läufe einstreuen, wäre aber als kopfballstärkster Verteidiger der Borussen eine Hilfe gegen hohe Vertikalbälle.

 Obwohl BVB-Trainer Thomas Tuchel zuletzt sein Augenmerk verstärkt auf die Europa League legte und einigen Ergänzungsspielern mehr Einsatzminuten gab, fuhren die Schwarzgelben wettbewerbsübergreifend ihre Pflichtsiege ein. Wichtig dabei: Die in der Rückrunde verbesserte Defensive.

Der BVB blieb in sieben seiner zehn Pflichtspiele seit der Winterpause ohne Gegentreffer. Waren die Schwarzgelben in der Hinrunde noch anfällig in der Abwehr, insbesondere auf den Flügeln, hat sich Tuchel dieses Problems anscheinend erfolgreich angenommen. Im Spielaufbau bleibt nun meist ein Außenverteidiger tiefer positioniert. In der Hinrunde sind beide Außenverteidiger umgehend nach vorn gerückt. Verlor der BVB im Mittelfeld allerdings den Ball, konnten die Gegner über die Flügel oftmals kontern.

Eine positionelle Umstrukturierung war ohnehin notwendig. Denn, wie Tuchel bereits jüngst anmerkte, konnte sich Bundesliga-Konkurrenz immer besser auf wiederkehrenden Muster in Dortmunds Offensive einstellen. Eine Überladung der linken Seite und einen anschließenden Diagonalball nach rechts, ein typisches Angriffsszenario in der Hinrunde, gibt es nur noch selten zu sehen. Allerdings hat der BVB auch ein wenig Struktur in der Offensive verloren. Sie sind deshalb noch stärker auf Ilkay Gündoğan als Impulsgeber und auf Henrikh Mkhitaryan als offensiven Antreiber angewiesen.

Die gefestigte Abwehr ist neben den taktischen Änderungen auf verbesserte Individualleistungen zurückzuführen. Insbesondere Mats Hummels zeigte sich seit der Winterpause in den meisten Partien von seiner besten Seite. Er hat das Gespür für die Dynamik des Spiels wiedergefunden und antizipiert die Bewegungen des Balles besser, um angemessen auf gegnerische Offensivaktionen zu reagieren.

Schutz gegen lange Bälle?

Im Hinspiel gegen Bayern, als der BVB mit 1:5 in München unterging, wurden Hummels und Nebenmann Sven Bender mehrfach von langen Bällen über die Abwehr hinweg erwischt. Robert Lewandowski und Thomas Müller starteten mit perfektem Timing ihre Sprints und netzten ein, begünstigt noch durch einen gebrauchten Tag von BVB-Torhüter Roman Bürki.

Das Fehlen von Jérôme Boateng und Holger Badstuber macht es für die Bayern schwerer, diese präzisen Schläge im Aufbau zu spielen. Mit Xabi Alonso steht aber ein Spezialist noch zur Verfügung. Ergo, Dortmund könnte die Gefahr der langen Bälle fürchten. Eine unmittelbare taktische Reaktion darauf würde jedoch die Gesamtstrategie beeinflussen.

So könnten beide Teams auflaufen. Bei den Bayern sind Änderungen in der Abwehr denkbar. Mehdi Benatia zeigte sich gegen Mainz 05 von seiner besten Seite. Womöglich spielt er neben Joshua Kimmich in der Innenverteidigung und David Alaba rückt nach links. Im Mittelfeld stellt sich vor allem die Frage, ob Guardiola auf eine physisch stärkere Doppelsechs mit Xabi Alonso und Arturo Vidal setzt oder ob doch eher Thiago Alcântara den Vorzug erhält.
So könnten beide Teams auflaufen. Bei den Bayern sind Änderungen in der Abwehr denkbar. Mehdi Benatia zeigte sich gegen Mainz 05 von seiner besten Seite. Womöglich spielt er neben Joshua Kimmich in der Innenverteidigung und David Alaba rückt nach links. Im Mittelfeld stellt sich vor allem die Frage, ob Guardiola auf eine physisch stärkere Doppelsechs mit Xabi Alonso und Arturo Vidal setzt oder ob doch eher Thiago Alcântara den Vorzug erhält.

Der BVB müsste die Abwehrkette tiefer positionieren, damit der Raum bis zum Tor und somit der Zielkorridor für diese langen Bälle verkleinert wird. Doch um weiterhin eine kompakte Formation zu haben, sollten ebenso alle weiteren Akteure nach hinten rücken. Die Dortmunder würden sich also stärker verschanzen, was der FC Bayern wiederum für ein dominantes Ballbesitzspiel nutzen könnte.

Der Druck auf die Münchener Aufbauspieler wäre geringer. Und der Weg für Dortmunder Konterangriffe wäre groß. Sie hätten mehrere Gegenpressingwellen zu durchbrechen, um auf Manuel Neuers Tor zusteuern zu können.

Münchener Fallensteller

Insgesamt muss der BVB verhindern, dass Bayern mit viel Ballbesitz den Rhythmus der Partie bestimmt. Denn in diesen Situationen ist der deutsche Rekordmeister gefährlich. Für gewöhnlich attackieren sie auf den Flügeln, wenn sie den Gegner nach hinten drücken und mit Flachpässen den Angriff eröffnen. Auf den Außenbahnen verfügen sie über eine Reihe an dribbel- und tempostarken Akteuren.

Genau wie bei der Option auf lange Bälle im Spielaufbau können sie sich auch die potenzielle Gefahr der eigenen Flügelangriffe zunutze machen. Die Bayern sind Meister darin, Täuschungsmanöver durchzuführen. Kommt beispielsweise Arjen Robben auf der rechten Seite an den Ball, spürt der verteidigende Gegner die Gefährlichkeit der Situation. Der direkte Gegenspieler Robbens soll unterstützt werden. Die komplette Mannschaft verlagert den Fokus auf diese Seite des Spielfeldes und verliert womöglich einen Angreifer wie Thomas Müller, der sich in die freien Räume schleicht, aus den Augen.

Nur weil die Bayern über den Flügel angreifen, heißt das nicht, dass sie etwa einen Durchbruch dort erzeugen müssen oder eine Flanke schlagen wollen. Manchmal möchten sie das andere Team nur in eine Falle locken. Und umso größer die bayerische Ballbesitzdominanz ist, umso häufiger können sie versuchen, Angriffe zu entwickeln.

Dortmunds Vertrauen in Ballbesitzspiel

Doch der BVB ist ein anderes Kaliber als die restlichen 16 Bundesligisten. In der Hochphase unter dem einstigen Cheftrainer Jürgen Klopp hatten die Dortmunder absolutes Vertrauen in ihre Pressingstärke. Sie wussten, dass sie Gegner mit den richtigen Mitteln zum Ballverlust zwingen konnten.

Unter Tuchel haben die Borussen eine neue Form der mentalen Stärke entwickelt. Nun haben sie den festen Glauben an ihr Ballbesitzspiel. Sie wollen folglich nicht der reagierende Part einer Partie sein. Sie wollen die Initiative ergreifen.

Damit dies auch gegen den FC Bayern gelingt, wird Tuchel aller Voraussicht nach seinen drei defensivstärksten und zugleich passstärksten Mittelfeldakteuren – Weigl, Şahin und Gündoğan – den Vorzug im 4-3-3-System geben. Zusammen mit Henrikh Mkhitaryan sollte es im Zentrum des Spielfeldes zum Schlagabtausch mit den Bayern kommen. Die Dortmunder würden versuchen, die Partie ausgeglichen zu gestalten, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten und im besten Fall das Mittelfeldduell für sich zu entscheiden.

Guardiola, der erfahrungsgemäß in schwierigen Auswärtspartien den Fokus verstärkt auf defensive Stabilität legt, könnte natürlich mit einer Doppelsechs bestehend aus Xabi Alonso und Arturo Vidal physisch dagegen halten. Philipp Lahm würde zudem von der Rechtsverteidigerposition oftmals nach innen rücken, um das Zentrum zu verstärken. Ohne Thiago Alcântara ginge den Bayern jedoch auch zu einem gewissen Grad das spielerische Element in Verbindung von Abwehr und Angriff verloren.

Pep Guardiola steht also wie Thomas Tuchel vor schwerwiegenden strategischen Entscheidungen. Die individuellen Leistungen aller Kicker auf dem Rasen sind in jedem Fall ein wichtiger Faktor, den beide Trainer aber nur begrenzt beeinflussen können. Für sie beginnt jedoch das Schachspiel schon vor dem Anpfiff.

Quelle: n-tv.de

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