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Vom umjubelten Matchwinner zum Problemkind: Deutschlands Eishockey-Nationaltorwart Thomas Greiss.
Vom umjubelten Matchwinner zum Problemkind: Deutschlands Eishockey-Nationaltorwart Thomas Greiss.(Foto: imago/Jan Huebner)
Freitag, 12. Mai 2017

Eklat von Eishockey-Goalie: Hitler-Vergleich empört DOSB, Verband rügt

Daumen hoch für einen Post, der Clinton mit Hitler vergleicht: Das ist fragwürdig - besonders dann, wenn man das Trikot der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft trägt. Der Verband rügt Nationaltorwart Greiss - für Olympia drohen ernstere Konsequenzen.

Nach dem Instagram-Like zu einem Hitler-Vergleich droht Eishockey-Nationaltorwart Thomas Greiss der Ausschluss aus dem deutschen Olympia-Team, doch bei der Heim-WM gibt es keine Konsequenzen für den NHL-Profi.

"Wer so agiert oder kommuniziert, kann nicht Teammitglied in Pyeongchang sein", teilte Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dem Sport-Informationsdienst mit. Greiss hatte bei Instagram einem Post ein "Like" gegeben, der die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit Adolf Hitler vergleicht. "Nie verhaftet, nie verurteilt, genauso unschuldig wie Hillary", heißt es neben einem Bild Hitlers.

"Alle Sportler haben eine wichtige Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit. Politischer Extremismus hat im Sport schlichtweg nichts zu suchen", erklärte Hörmann weiter: "Gerade die besondere Bedeutung der Werte des Sports für die Olympiamannschaft - unser Team Deutschland - werden wir weiterhin im Sinne von "Null Toleranz" verteidigen. Deshalb wäre ein Beibehalten dieser Kommunikation ein klares Ausschlusskriterium für diesen oder andere Spieler."

DEB zieht keine Konsequenzen

Greiss hat sein "Like" mittlerweile wieder zurückgezogen, nachdem er vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) darauf angesprochen worden war. "Wir haben das Gespräch mit Thomas Greiss bezüglich seiner Instagram-Likes gesucht. Thomas Greiss hat die Bilder wieder entliked", teilte der DEB mit. Der 31-Jährige hatte unter anderem auch unter eine Fotomontage des jetzigen US-Präsidenten Donald Trump mit einem Schwert in der einen und dem abgeschlagenen Kopf von Hillary Clinton in der anderen Hand ein "Gefällt mir" gesetzt.

Bundestrainer Marco Sturm erklärte nach dem Training am Freitagmorgen, er habe erst "vor vier Minuten" davon erfahren, kenne aber die genauen Inhalte nicht. "Ich stelle keine Fragen, das interessiert mich nicht", sagte Sturm: "Alles, was außerhalb des Eishockeys ist, ist jedem Spieler selbst überlassen. Das kann ich nicht kontrollieren." Greiss' Verhalten habe "für seine Position als Spieler der deutschen Nationalmannschaft keine Konsequenzen", erklärte der Verband.

"Abscheulich" nannte Öczan Mutlu, der sportpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, die Bilder, die Greiss "gefallen" hatten. "Ob sie tatsächlich noch vom Recht auf freie Meinungsäußerung erfasst werden, müssen Polizei und Justizbehörden prüfen", sagte Mutlu. Über sportliche Konsequenzen hätten die Sportverbände zu entscheiden, dabei sei "die besondere Vorbildfunktion von Spitzensportlerinnen und -sportlern" zu berücksichtigen.

Goalie sitzt vorerst auf der Bank

Derzeit ist ein Einsatz von Greiss bei den Olympischen Spielen 2018 eher unwahrscheinlich, weil die NHL ihre Saison nicht unterbrechen will. Allerdings hat Präsident Rene Fasel vom Weltverband IIHF die Hoffnung auf eine Einigung noch nicht aufgegeben.

Der DEB hatte erklärt, das Social-Media-Verhalten seines Torhüters sei ihm "mit Einschränkungen bewusst". Er sei "als Verband politisch neutral und maßt sich daher als öffentliche Institution nicht an, die Meinungsfreiheit der Spieler zu beeinflussen".

Im Spiel am Abend gegen Dänemark sitzt Greiss nur auf der Bank - allerdings aus gesundheitlichen Gründen. Wegen einer Oberkörperverletzung könne er noch nicht wieder spielen, erklärte Sturm: "Er ist noch nicht bei 100 Prozent."

Quelle: n-tv.de

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