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Wahnsinn in Wimbledon beendetIsner schlägt Mahut 70:68

24.06.2010, 19:28 Uhr
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Beweis für die Nachwelt: John Isner (l.) und Nicolas Mahut posieren nach ihrem Match für die Ewigkeit vor der Anzeigetafel. (Foto: REUTERS)

Das längste Match der Tennisgeschichte findet nach über 11 Stunden Spielzeit doch noch ein Ende. Mit seinem fünften Matchball sichert sich der Amerikaner John Isner nach insgesamt 183 Spielen den Sieg gegen den Franzosen Nicolas Mahut. Bei der Umarmung am Netz haben beide Spieler Tränen in den Augen.

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Seinen fünften Matchball konnte Isner nutzen, um das Rekordmatch zu beenden. (Foto: REUTERS)

Nach elf Stunden und fünf Minuten war es endlich vollbracht: John Isner hat das historische Marathonmatch bei den All England Championships in Wimbledon gewonnen und sich damit wie sein unterlegener Gegner Nicolas Mahut in den Tennis-Annalen verewigt. Der US-Amerikaner verwandelte mit einem Passierschlag seinen fünften Matchball und entschied das Erstrundenmatch mit 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:6 (7:3), 70:68 für sich.

Beide Spieler wurden nach dem Match vom All England Club geehrt und von den Zuschauern mit stehend dargebrachten Ovationen gefeiert. Die Langzeit-Rivalen Isner und Mahut hatte ihre Rekordpartie am Dienstag begonnen, dort aber nur die ersten vier Sätze geschafft. Am Mittwoch sollte die Partie beendet werden, doch der fünfte Satz zog sich über sieben Stunden hin und wurde beim Stand von 59:59 aufgrund der Dunkelheit auf Platz 18 erneut unterbrochen. Als Isner am dritten Tag schließlich seinen ersten Matchball verwandelt hatte, sank er rücklings ins Gras. Es war wie nach einem Triumph in einem Wimbledon-Finale - aber irgendwie war es ja auch so etwas ähnliches.

Bei der Umarmung am Netz konnten die beiden Rekordjäger kaum mehr stehen und Tränen schienen über ihre Wangen zu kullern. "Ich bin ein bisschen müde", sagte Sieger Isner und Mahut freute sich über das "größte Match bei dem bedeutendsten Turnier der Welt". Er sei stolz darauf, ein Teil dieser Geschichte zu sein. 103 Asse hatte Mahut geschlagen und damit die bisherige Bestleistung des Kroaten Ivo Karlovic aus dem Vorjahr um 25 Asse übertroffen, aber dennoch keinen neuen Rekord aufgestellt - weil Isner sogar 112 Asse gelangen.

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Mahut steckten vor seinem Rekordmatch mit dem Amerikaner bereits drei Matches in der Qualifikation in den Knochen, darunter ein anderes Marathon-Match gegen den Briten Alex Bogdanovic. Dieses hatte er im entscheidenden Satz mit 24:22 gewonnen.

Sieger Isner trifft nun in der zweiten Runde auf einen weiteren Marathon-Mann. Der Niederländer Thiemo de Bakker brauchte in seiner Erstrundenpartie auch fünf Sätze, ehe er den Kolumbianer Santiago Giraldo 6:7 (4:7), 6:4, 6:3, 5:7, 16:14 niedergerungen hatte. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her.

Partie ohne Verlierer

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Nicolas Mahut ist nur auf dem Papier ein Verlierer. (Foto: REUTERS)

Die historische Dimension dieses Tennis-Klassikers zwischen Isner und Mahut würdigte der All England Club in Wimbledon mit einem Sonderpreis, den Tim Henman und Wimbledon-Siegerin Ann Jones noch auf dem Platz an die Spieler und den schwedischen Schiedsrichter Mohamed Lahyani übergaben. Die Zuschauer standen da schon längst auf ihren Sitzen und brachten den Hauptdarstellern Ovationen dar.

Übrigens: Das bislang längste Grand-Slam-Match, das der Franzose Fabrice Santoro 2004 bei den French Open gegen seinen Landsmann Arnaud Clement 6:4, 6:3, 6:7 (7:5), 3:6, 16:14 gewann, hatte 6:33 Stunden gedauert. Lächerliche 6:33 Stunden.

Quelle: cwo/dpa