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Verständlich oder verwerflich? AVG speichert anonymisierte Suchverläufe, um sie verkaufen zu können.
Verständlich oder verwerflich? AVG speichert anonymisierte Suchverläufe, um sie verkaufen zu können.(Foto: Screenshot)

Neugierige Antivirus-Software: AVG verscherbelt Nutzerdaten

Der Antivirus-Software-Hersteller AVG will künftig Kundendaten an Werbefirmen verkaufen. Zu diesem Zweck zeichnen die Programme des Unternehmens Daten auf, die mit der Schutz-Funktion nichts zu tun haben. Werden Nutzer ausspioniert?

Laut dem Marktanalyse-Unternehmen Opswat ist AVG weltweit der drittbeliebteste Anbieter von Antivirus-Software. Die kostenlose Version seines Programms rangiert hinter Microsofts Windows-Bordmittel Security Essentials, Avast Free Antivirus und Avira Free Antivirus auf Platz 4. Angeblich um weiter in der Lage zu sein, kostenlose Schutz-Software anzubieten, hat AVG jetzt seine Datenschutzrichtlinie angepasst. Darin nimmt sich der Hersteller das Recht heraus, bestimmte Nutzerdaten an Dritt-Unternehmen weiterzugeben, um "Geld zu verdienen". Die Änderung tritt am 15. Oktober in Kraft

Zu den Daten, die AVG sammelt, gehören die mit einem Gerät verbundene Werbe-ID, Browser- und Suchverlauf einschließlich Messdaten, Internetdienstanbieter oder Mobilfunknetz und "Daten zu anderen Anwendungen, die Sie auf Ihrem Gerät haben, und wie sie genutzt werden".

"Höchst unethisch"

Für die Schutz-Funktion der Software dürften diese Informationen irrelevant sein. Think-Privacy-Mitarbeiter Alexander Hanff sagte daher auch dem Magazin "Wired", AVG-Software falle mit der Möglichkeit, Suchhistorien zu sammeln und zu verkaufen, in die Kategorie Spyware. "Antivirus-Software läuft auf unseren Geräten mit erweiterten Rechten, um Malware, Adware oder Spyware zu erkennen und zu blockieren. Es ist höchst unethisch und ein kompletter Missbrauch unseres Vertrauens in die Sicherheits-Software.". Nutzer von AVG Free Antivirus sollten das Programm sofort deinstallieren und eine Alternative suchen, rät der Privatsphäre-Spezialist.

Laut "Wired" wies AVG bereits vor der Änderung in den Datenschutzrichtlinien darauf hin, dass Suchbegriffe ausgewertet werden. Die Möglichkeit, die komplette Browser-Historie zu sammeln und zu verkaufen, sei aus der Formulierung aber nicht abzuleiten gewesen. Ein AVG-Sprecher sagte dem Magazin, man habe die Richtlinien für eine bessere Transparenz aktualisiert. Bisher seien noch keine Daten verkauft worden und Nutzer, die dies auch künftig nicht möchten, könnten die Sammel-Funktion abschalten. Die Funktion der Programme werde dadurch nicht eingeschränkt.

Ein Sprecher der Cloud-Sicherheitsfirma Skyhigh Networks bringt es auf den Punkt: "Wenn etwas gratis ist, musst du davon ausgehen, dass du das Produkt bist", sagte er "Wired". Das Problem sei, dass Nutzer entsprechende Vereinbarungen oder Richtlinien auch wahrnehmen, lesen und verstehen müssten.

Quelle: n-tv.de

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