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Die Benutzeroberfläche des Aquaris M10 ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber einfach strukturiert: Sie basiert auf vier Wischbewegungen und Mehrfingergesten.
Die Benutzeroberfläche des Aquaris M10 ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber einfach strukturiert: Sie basiert auf vier Wischbewegungen und Mehrfingergesten.

Ubuntu-Premiere auf dem MWC: Aquaris M10 ist Tablet und PC in Einem

Von Johannes Wallat, Barcelona

BQ zeigt in Barcelona sein erstes Ubuntu-Tablet, das sich im Nu zum Desktop-PC verwandelt. Das Bedienkonzept ist ungewöhnlich und clever, der Konvergenz-Ansatz theoretisch besser als Microsofts Continuum.

Der Smartphone-Hersteller BQ baut Geräte mit Googles Android-Betriebssystem, doch die Köpfe hinter dem spanischen Unternehmen halten nichts von Scheuklappen und setzen deshalb immer wieder auch auf andere Betriebssysteme. Nachdem BQ vor wenigen Wochen ein Smartphone mit dem alternativen Betriebssystem Cyanogen vorgestellt hat, präsentiert der Hersteller jetzt auf dem Mobile World Congress das erste konvergente Ubuntu-Tablet, das im Handumdrehen zwischen Tablet- und Desktop-Modus hin- und herwechselt.

Anders als Android und iOS

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Wie schon beim Cyanogen-Smartphone Aquaris X5 gibt es auch vom Tablet Aquaris M10 eine Android-Version. Die Ubuntu-Edition setzt auf die gleiche Hardware, kommt aber mit einer Oberfläche, die einiges anders macht als Android oder iOS. Die Navigation durch die Benutzeroberfläche ist gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich ganz einfach, sie basiert auf vier Wischbewegungen und Mehrfingergesten.

Ein kurzer Wisch von links öffnet eine Art vertikale Taskleiste mit zuletzt verwendeten und favorisierten Apps. Ein längerer Wisch übers Display führt zu den sogenannten "Scopes", selbst konfigurierbaren, themenbasierten Seiten. Die zeigen zum Beispiel eine Nachrichten-Übersicht mit News aus verschiedenen Quellen, eine Liste mit installierten Apps oder persönliche Informationen wie Terminkalender, Daten aus dem Fitness-Tracker, Messenger und Mailprogramm.

Mit Wischgesten vom rechten Rand können Nutzer entweder zwischen den letzten beiden Apps wechseln oder ein App-Karussell mit allen laufenden Programmen anzeigen, ähnlich wie man es auch von Windows kennt. Gelungenes Extra ist "Side Stage", ein Anzeigemodus, in dem zwei Apps gleichzeitig angezeigt werden können, eine davon in einem schmalen Streifen am rechten Bildrand. Mit einem Dreifingerwisch verschiebt man Apps ins Side-Stage-Fenster.

Wechsel im Handumdrehen

Wenn beispielsweise eine Bluetooth-Tastatur verbunden wird, wechselt das Aquaris M10 automatisch vom Tablet- in den Desktop-Modus, alternativ kann in der Benutzeroberfläche ein virtueller Schalter umgelegt werden. Alle geöffneten Apps laufen weiter, werden aber automatisch neu skaliert und an den veränderten Betriebsmodus angepasst. Statt wie vorher im Vollbild, erscheinen sie nun in einander überlagernden Fenstern, die in Größe und Position angepasst werden können, wie man es auch von anderen Desktop-Systemen kennt.

Wechselt man von der Tablet-Ansicht in den Desktop-Modus, bekommt man ein vollwertiges Desktop-Ubuntu, wie man es auch vom PC kennt. Das ist der vielleicht entscheidende Vorteil von Ubuntus "Convergence" im Vergleich zu Microsofts Continuum, bei dem noch ein Display-Dock benötigt wird und nicht alle Apps auch im Desktop-Modus laufen. Doch diesem theoretischen Vorsprung steht die deutlich kleinere Auswahl an Software für die Ubuntu-Plattform gegenüber. Viele vertraute und beliebte Programme, die Nutzer von Windows oder Mac OS X kennen, gibt es für Ubuntu nicht, stattdessen müssen sich Nutzer mit Alternativen zufrieden geben. 

Auf dem MWC zeigt BQ noch eine Vorabversion des M10-Tablets, auf den Markt kommen soll das fertige Gerät im zweiten Quartal 2016. Einen Preis nannte BQ nicht, die Android-Version wird aber für 269 Euro verkauft, wahrscheinlich wird das Ubuntu-Tablet ähnlich viel kosten.  

Quelle: n-tv.de

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