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Gary McKinnon bleibt in Großbritannien.
Gary McKinnon bleibt in Großbritannien.(Foto: REUTERS)

"Größter Hack aller Zeiten": Autist suchte nach Außerirdischen

Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 streiken sämtliche Computer eines US-Luftwaffenstützpunktes - aber nicht wegen einer Terrorattacke. Ein britischer Hacker suchte nach Beweisen für die Existenz von Außerirdischen. Jetzt beschließt ein Gericht: Der Mann mit Asperger-Syndrom wird nicht nach Übersee ausgeliefert.

Der unter dem Asperger-Syndrom leidende Hacker Gary McKinnon wird nicht von Großbritannien an die USA ausgeliefert. Die britische Innenministerin Theresa May zog den bereits ausgestellten Auslieferungsbefehl zurück. Der 46-Jährige, der in US-Militärcomputer eingedrungen war, würde mit einer Auslieferung in seinen Menschenrechten verletzt, sagte May vor dem Parlament. Es sei zu befürchten, dass er sich das Leben nehme, falls er in die USA geschickt werde.

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"Herr McKinnon wird schwerer Verbrechen beschuldigt, aber es ist unzweifelhaft, dass er ernsthaft krank ist", sagte May. Die britische Justiz würde nun selbst eine Anklage gegen McKinnon prüfen, dem in den USA eine Haftstrafe von bis zu 60 Jahren droht. McKinnon war 2002 in London festgenommen worden, weil er sich in dutzende Computer des US-Verteidigungsministeriums und der Raumfahrtbehörde Nasa gehackt hatte. Dabei legte er kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 300 Computer eines US-Luftwaffenstützpunkts lahm.

Nach US-Angaben verursachte er bei den Cyber-Einbrüchen einen Schaden von 800.000 Dollar (615.000 Euro). Strafverfolger nannten die Taten "den größten Hack von Militärcomputern aller Zeiten". McKinnon stritt die Vorwürfe nie ab, behauptete jedoch, er habe nur nach geheimen Beweisen über die Existenz von Außerirdischen gesucht. In einem Fernsehinterview sagte er 2009, er habe einen "moralischen Feldzug" geführt. Tatsächlich habe er den Behörden sogar Hinweise auf die mangelnde Sicherung ihrer Computer hinterlassen.

Treffen auf höchster Ebene

McKinnon wurde mit seinem jahrelangen Kampf gegen seine Auslieferung zu einer Ikone von Kritikern des Auslieferungsabkommens zwischen den USA und Großbritannien. Sein Fall wurde sogar zweimal bei Treffen des britischen Regierungschefs David Cameron mit US-Präsident Barack Obama erörtert. Bei McKinnon wurde 2007 das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Betroffene dieser Form des Autismus sind oft von bestimmten Themen oder Handlungen besessen und haben Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen.

McKinnons Mutter Janis Sharp nahm die Entscheidung erleichtert auf. "Ich wusste immer, dass Sie die Kraft und den Mut haben, das Richtige zu tun", wandte sie sich an May. Sie danke ihr "von tiefstem Herzen". Der frühere Rechtsberater des Weißen Hauses, David Rivkin, sagte dagegen, die "Rechtfertigung der Innenministerin ist lächerlich", denn US-Strafanstalten könnten Selbsttötungen wirksam verhindern. Nach der Logik der Ministerin müsse jemand nur seinen Suizid ankündigen, um nicht ausgeliefert zu werden, kritisierte er.

Quelle: n-tv.de

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