Technik

Wunderwaffe der Verlage?: Berliner WePad gegen iPad

Klaus Wedekind

Kann das stimmen? Die Berliner Firma Neofonie kündigt für April einen Tablet-PC an, der größer, schneller und besser ausgestattet sein soll als Apples iPad. Angepriesen wird das Gerät als "Das Tablet für Verlage". Steckt Axel Springer dahinter?

Das WePad sieht vielversprechend aus.
Das WePad sieht vielversprechend aus.

Irgendwie liest es sich wie ein Aprilscherz, was Neofonie da ankündigt. Ist es aber nicht. Pressesprecherin Valerie Grund bestätigte n-tv.de, dass die Kampfansage an Apple durchaus ernst gemeint ist.

Was sind die Fakten? Mit breiter Brust hat das Unternehmen im PR-Text einen Kasten plaziert, der die Werte des WePad mit denen des iPad vergleicht. Und da sieht der Berliner nicht schlecht aus: Das Display des WePad misst 11,6 Zoll und bietet eine Auflösung von 1366 x 768 Pixeln. Das iPad-Display ist mit 9,7 Zoll und 1024 x 768 Pixeln etwas kleiner. Ob der WePad-Bildschirm wie Apples Display multitouchfähig ist, also mit mehr als einem Finger bedient werden kann, steht nicht in der Ankündigung.

Im WePad arbeitet ein Intel-Prozessor, der 1,66 GHz Pineview-M. Apple lässt seinen hauseigenen 1-GHz-Chip A4 rechnen. Während der Berliner Herausforderer einen 3-in-1-Kartenleser und drei USB-Buchsen hat, bietet das iPad einen Adapter für den Anschluss von Kameras und einen Kartenleser als Zubehör.

Kamera und Flash

Wollen deutsche Verlage ihre Print-Inhalte über das WePad verkaufen?
Wollen deutsche Verlage ihre Print-Inhalte über das WePad verkaufen?

Der Neofonie-Computer ist offensichtlich mit Googles Betriebssystem Android ausgestattet, denn Software können Nutzer nicht nur vom WePad AppStore herunterladen, sondern auch vom Android Marketplace. By Apple ist natürlich der iTunes App Store Pflicht. Frustrierend für iPad-Käufer: Der Konkurrent hat eine Webkamera und unterstützt Flash. Apple verweigert seinen Kunden diese nützlichen Features. Dafür hat das iPad den längeren Atem: Mit rund zehn Stunden hält sein Akku deutlich länger durch als die Batterie des WePad, die nach sechs Stunden schlapp macht.

4tiitoo übernimmt

Welche Firma das WePad für Neofonie zusammenbaut, ist nicht bekannt. Angeblich wurden in China bereits mehrere Tausend Geräte fertiggestellt und befinden sich auf dem Weg nach Deutschland.

Sehen wir hier bereits einige WeMagazine-Kunden?
Sehen wir hier bereits einige WeMagazine-Kunden?

Feststeht aber, dass sich Neofonie nur vorübergehend mit den Hardware-Federn schmücken darf. In Kürze wird die Münchner Firma 4tiitoo übernehmen. Telefonisch ist dort derzeit niemand zu erreichen. Auf der Homepage ist zu lesen, dass das offenbar neu gegründete Unternehmen zusammen mit Neofonie das WePad bereits seit drei Jahren in der Mache hat. 150 Nutzer sollen das Tablet zu Hause getestet haben und so kommt im April ganz offensichtlich ein ausgereifter iPad-Konkurrent auf den Markt. Der Preis des WePad ist noch unbekannt, soll aber angeblich unter dem des iPad liegen.

Interessant ist der letzte Posten im Vergleichskasten: die unterstützten eBook-Formate. Der deutsche Computer ist offen für alles und bietet mit WeBook auch ein eigenes Format an. Apple besteht beim iPad auf sein eigenes Format im iBooks Store.

Lösung für Verlage

Warum diese Eigenschaft so interessant ist, erklärt sich, wenn man den Neofonie-PR-Text liest. Dort wird das Tablet nämlich als "WePad - Das Tablet für Verlage" angepriesen. Das WePad soll "auch der älteren Kernzielgruppe von Zeitungs- und Magazin-Verlagen, die keine PC-Erfahrung besitzt" einen "sicheren Einstieg in die digitale Welt ihrer Kinder und Enkel" bieten.

Kundenbindung durch das WePad im Wohnzimmer?
Kundenbindung durch das WePad im Wohnzimmer?

Print-Medien bietet Neofonie mit seinem WeMagazine ePublishing Eco System die Möglichkeit, "einen intelligenten, interaktiven und sozial vernetzten Titel in digitaler Form" auf das WePad zu bringen. Solche Software-Lösungen sind die Stärke von Neofonie und so erklärt sich auch, warum die Berliner Firma einer der WePad-Partner ist.

Den Verlagen wird also das Problem abgenommen, ihre gedruckten Inhalte in eine für den Leser interessante digitale Form zu bringen. Neofonie verspricht ihnen auch spezielle Werbeformate, die auffällig sind und oft angeklickt werden. Offenbar können sich die Print-Medien ihre digitalen Inhalte auch durch ein Rechte-Management (DRM) kopierschützen lassen. Und auch das wird den Verlagen gefallen: "Das WePad auf dem Wohnzimmertisch ist ein hervorragendes Mittel zur Kundenbindung ... Print-Marken werden zu Online-Marken, der Kontakt mit ... Google, Amazon und Apple wird minimiert."

Kunden oder Auftraggeber?

Bilderserie

Wer könnten denn diese Verlage sein? Die Neofonie-Sprecherin verweigert dazu jede Aussage. Zu gegebener Zeit würde Geschäftsführer Helmut Hoffer persönlich informieren. Fest steht allerdings, dass in jüngster Zeit große deutsche Verlage wie Axel Springer, Spiegel, Süddeutscher Verlag (Süddeutsche Zeitung) oder M. DuMont Schauberg darauf drängen die "Kostenlos-Kultur im Internet" zu beenden. Einige von ihnen bieten bereits bezahlte Inhalte - beispielsweise für Apples iPhone - an. Verleger Konstantin Neven DuMont schrieb in einem Editorial für die "Berliner Zeitung" von "Überlegungen" über "eine Vermarktungsplattform für Bezahltinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren". Ähnlich äußerte sich Springers Konzerngeschäftsführer Christoph Kneese gegenüber der "New York Times".

Quelle: n-tv.de

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