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Das Lumia 1020 hat auf der Rückseite eine riesige 41-Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz.
Das Lumia 1020 hat auf der Rückseite eine riesige 41-Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz.(Foto: kwe)

Liebe auf den ersten Klick: Lumia 1020 verführt mit toller Optik

Von Klaus Wedekind

Auf der Rückseite des Nokia Lumia 1020 prangt eine mächtige Kamera, die Fotos mit bis zu 41 Megapixeln macht. Die Zahl beeindruckt, sagt aber über die Qualität der Bilder noch nicht viel aus. Im Test musste das neue Windows Phone zeigen, ob es nicht nur große, sondern auch besonders gute Bilder macht.

Weil die Kamera für sehr viele Nutzer ein wichtiges Kaufkriterium ist, rüsten die Smartphone-Hersteller vor allem ihre Top-Modelle mit immer besseren Optiken aus, bauen Sensoren mit größeren Pixeln ein und statten die Kameras mit immer raffinierteren Funktionen aus. Eine 41-Megapixel-Kamera mit mechanischem Blendenverschluss, optischer Bildstabilisierung und Xenon-Blitz kann aber nur Nokia mit seinem neuen Lumia 1020 bieten. n-tv.de ist mit dem Gerät auf Fotosafari gegangen und hat ausprobiert, ob das Kamera-Monster auch alltagstauglich ist.

Das Smartphone liegt zwar auf der hervorstehenden Kamera auf, das Objektiv ist aber gut geschützt.
Das Smartphone liegt zwar auf der hervorstehenden Kamera auf, das Objektiv ist aber gut geschützt.(Foto: kwe)

Optisch ist das Lumia 1020 von vorne fast ein Zwillingsbruder des Lumia 920, allerdings schlanker und leichter als Nokias ehemaliges Flaggschiff. Ein dünnes Leichtgewicht wie das Lumia 925 ist das Gerät aber bei Weitem nicht, eine so große Kamera benötigt eben Platz und schwerere Bauteile.

Das Gehäuse des Kamera-Primus ist ein Unibody aus Polycarbonat, das angenehm mattiert und Nokia-typisch sehr gut verarbeitet ist. Möchte man das Gerät kabellos aufladen, muss man wie beim Lumia 925 eine zusätzliche Rückschale aufstecken.

Kleiner, aber ausdauernder Akku

Das Lumia 1020 hat einen sehr guten 4,5 Zoll großen Bildschirm und einen Snapdragon-S4-Prozessor, dessen zwei Kerne mit 1,5 Gigahertz getaktet sind. Der Akku scheint mit 2000 Milliamperestunden für ein Kamera-Smartphone knapp bemessen zu sein, konnte aber im Test durch Langlebigkeit überraschen. Nach einem Tagesausflug inklusive zwei Stunden Navigation, Video- und Fotoaufnahmen war die Batterie noch fast halb voll, obwohl sie erst wenige Ladezyklen hinter sich hatte.

Das AMOLEAD-Display bietet knackige Kontraste und Farben. Außerdem ist es auch bei Sonnenlicht noch gut lesbar.
Das AMOLEAD-Display bietet knackige Kontraste und Farben. Außerdem ist es auch bei Sonnenlicht noch gut lesbar.(Foto: kwe)

Nokia hat im Lumia 1020 den Arbeitsspeicher auf zwei Gigabyte verdoppelt, was ein Grund dafür sein dürfte, dass man mit dem Gerät auch bei rechenintensiven Fotoarbeiten nie ungeduldig wird. Schön ist auch, dass das Smartphone für die Bilder, die je nach Kamera-Modus bis zu zwölf Megabyte groß werden können, 32 Gigabyte internen Speicher bietet. Trotzdem wäre ein Steckplatz für microSD-Karten wünschenswert.

Lautsprecher scheppert, Kamera begeistert

Insgesamt macht das Lumia 1020 im Alltag eine sehr gute Figur. Nur der Lautsprecher ist etwas enttäuschend. Die Ansagen der Navigation scheppern und klingen leicht verzerrt, Videos machen eigentlich nur mit Kopfhörern Spaß.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon S4, zwei Kerne, 1,5 Gigahertz
  • Display: 4,5 Zoll, AMOLED, 1280 x 768 Pixel (334 dpi)
  • Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte
  • Kameras: 41 Megapixel hinten, 1,3 Megapixel vorne (Weitwinkel)
  • Optischer Bildstabilisator
  • Xenon-Blitz
  • Akku: 2000 Milliamperestunden
  • Sensoren: Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor, Barometer, 3D-Lagesensor, Näherungssensor, Kompass
  • LTE, NFC
  • Betriebssystem: Windows Phone 8
  • Maße: 130,4 x 71,4 x 10,4 Millimeter
  • Gewicht: 158 Gramm

Solche kleinen Problemchen macht die Kamera aber schnell vergessen - sie hält absolut, was sie verspricht. Schon im Automatik-Modus der Standard-Kamera-App macht die Lumia 1020 exzellente Schnappschüsse. Dabei packt die PureView-Kamera die Speicherkarte aber nicht mit Fotos in voller Pixelmacht voll, sondern begnügt sich mit 5-Megapixel-Bildern, die zwei bis drei Megabyte groß sind. Trotzdem sehen die Aufnahmen toll aus, bieten sehr Details, wirken sehr dynamisch und rauschen auch bei schwächerem Licht ohne Blitzeinsatz kaum. Möglich ist dies, weil die Kamera mit Sechs-Linsen-Optik Bilder in voller Auflösung aufnimmt, die die Software dann herunterrechnet.

Möchte man etwas mehr als Schnappschüsse machen, nutzt man die Smart Cam, die eine Fotoserie mit zehn Bildern schießt, aus der man das beste Foto aussuchen und bewegte Objekte entfernen oder gezielt durch Bewegungsunschärfe hervorheben kann. Bei Gruppenfotos kann man die Gesichter aus den Einzelbildern zum perfekten Bild zusammensetzen.

Könner nutzen die Pro Cam

Richtig auftrumpfen kann die PureView-Kamera aber erst mit der Pro Cam. Sie schießt Fotos im 16:9-Format mit 34 Megapixeln, im 4:3-Format mit 38 Megapixeln und fügt den großen Bildern eine 5-Megapixel-Version zum schnellen Teilen hinzu. Außerdem bietet die Pro Cam ambitionierten Fotografen viele Einstell-Möglichkeiten. Oben im Bildschirm hat man einen schnellen Zugriff auf Blitz, Weißabgleich, Fokus, Lichtempfindlichkeit, Belichtung und Verschlusszeit. Zieht man das Kamera-Icon nach links, hat man alle Funktionen vor sich und kann sie kombiniert einstellen.

Möchte man das Lumia 1020 drahtlos laden, muss man ein 25 Euro teures Cover aufsetzen. Links sind die beiden Kontakt-Pins zu erkennen.
Möchte man das Lumia 1020 drahtlos laden, muss man ein 25 Euro teures Cover aufsetzen. Links sind die beiden Kontakt-Pins zu erkennen.(Foto: kwe)

Macht man gerne Nahaufnahmen, sollte man den manuellen Fokus nutzen, da sich die Kamera-Automatik hier bei unruhigen Hintergründen etwas schwer tut. Sonst fokussiert sie sehr schnell und exakt. Die Blende f2.2 und die Art der Belichtungsmessung kann man leider nicht ändern. Das fehlt der Kamera zur manuellen Perfektion.

Fotografiert man mit der Pro-Cam-App, kann man auch getrost den dreifachen digitalen Zoom einsetzen. Im Gegensatz zu Pixel-ärmeren Kameras sind auch hier die Aufnahmen fein und ohne Klötzchen. Wählt man erst nach einer Aufnahme einen Ausschnitt, kann man noch näher ans Objekt gehen.

Starker Blitz mit gutem Weißabgleich

Der Xenon-Blitz ist die perfekte Ergänzung für die PureView-Kamera. Er hat eine Reichweite von vier bis fünf Metern und leuchtet dabei Räume relativ gleichmäßig aus. Objekte im Vordergrund werden nicht überblitzt, Farben und Hauttöne wirken sehr natürlich. In der Sonne ist die Xenon-Leuchte ein idealer Aufhell-Blitz.

Für längere Fotosafaris kann man für rund 50 Euro den Nokia Camera Grip kaufen. Auf das Lumia 1020 gesteckt, bietet er einen festen Griff und erhöht die Akku-Kapazität um 1020 Milliamperestunden.
Für längere Fotosafaris kann man für rund 50 Euro den Nokia Camera Grip kaufen. Auf das Lumia 1020 gesteckt, bietet er einen festen Griff und erhöht die Akku-Kapazität um 1020 Milliamperestunden.(Foto: kwe)

Nur eine kleine Schwäche leistet sich die 41-Megapixel-Kamera: Schnelle Serienbilder liegen ihr gar nicht, sie braucht nach jeder Aufnahme ein Päuschen. Da die Smart-Cam-App aber den Action-Modus bietet, ist dieses Manko nicht wirklich schlimm.

Vor allem bei Videos kommt der sehr gute optische Bildstabilisator zur Geltung, Aufnahmen aus der freien Hand sind für das Lumia 1020 kein Problem. Die Kamera hat eine aufgehängte Optik, die auf Kugellagern rollt. Das hört man auch an einem leisen Klackern, wenn man das Smartphone schüttelt. Die Full-HD-Aufnahmen mit 30 Bildern pro Sekunde sehen so gut aus wie die Fotos der PureView-Kamera, der Autofokus erledigt seine Aufgabe einwandfrei.

Nicht nur für Windows-Phone-Fans verführerisch

Unterm Strich ist Nokia mit dem Lumia 1020 ein starkes Stück gelungen. Die PureView-Kamera stellt alles in den Schatten, was die Konkurrenz zu bieten hat, und auch als Smartphone macht das leistungsstarke Gerät mit LTE und NFC-Chip eine gute Figur. Windows Phone 8 bietet zwar immer noch deutlich weniger Apps als Android und iOS. Die wichtigsten Anwendungen sind aber an Bord und Nokias Navigations-Apps sind große Klasse. Außerdem läuft auf dem Gerät die neueste Version des Betriebssystems, die einige praktische neue Funktionen gebracht hat.

Hobby-Fotografen, die Windows Phone mögen, werden vom Lumia 1020 begeistert sein. Das Gerät ist aber sicher auch spannend genug, um den einen oder anderen iOS- oder Android-Nutzer zu verführen. Allerdings müssen sie mit mindestens 650 Euro einen hohen Preis für das Prachtstück bezahlen.

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Quelle: n-tv.de

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