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Kacheln statt Symbole: die Standard-Navigationszentrale bei Windows 8.
Kacheln statt Symbole: die Standard-Navigationszentrale bei Windows 8.(Foto: dapd)

Für Desktops, Tablets, Smartphones: Das ist das neue Windows 8

Von Roland Peters

Apps statt Software, klare Kachelformen und nur einseitige Kompatibilität - für Desktop-PCs, Smartphones und Tablets will Microsoft sein Flaggschiff Windows 8 auf Kurs bringen. Mit dem Tablet "Surface" gibt es nun auch hauseigene Hardware. Doch Nutzer sind verwirrt, Experten skeptisch. Manch einer spricht vom "Ende von Windows".

Microsoft will sich mit seinem Betriebssystem Windows 8 von der Konkurrenz Android und Apple abheben und sich ihr zugleich annähern. Gleich für drei Gerätetypen bringt der Software-Konzern sein Flaggschiff auf den Markt. Sowohl das Windows für Desktop-PCs als auch Windows 8 RT für Tablets sind nun im freien Verkauf, Windows 8 Phone für Smartphones kommt am 29. Oktober in den Handel.

Für Desktop-PCs

Bei diversen Tests der Fachpresse zeigt sich: Nicht alle sind glücklich mit der Weiterentwicklung des Fenster-Konzepts - und ein Umstieg ist nur in Einzelfällen sinnvoll. Wen die Ladezeit des bisherigen Windows-Systems stört, der ist mit Windows 8 gut beraten. Der Startvorgang beschleunigt sich Tests zufolge trotz identischer Hardware merklich.

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Ähnlich wie Apples Time Machine gibt es nun eine automatische Speicherung von Dateiänderungen, die abrufbar bleiben. Einstellungen und Erscheinungsbild des Nutzers werden über einen Cloud-Service gar auf andere PCs übertragen, wenn er sich zu Beginn online über ein Microsoft-Konto anmeldet. Neben normaler Software sind auch Apps aus dem Microsoft-Store verwendbar. Von Hause aus kommt Windows 8 mit dem Internet Explorer 10. Auch ein Virenscanner ist nun vorinstalliert. Der Windows Media Player kann keine Film-DVDs mehr wiedergeben.

Größte Neuerung von Windows 8 für Desktop-PCs ist jedoch die veränderte Oberfläche. Das Startmenü ist verschwunden, die kleinen Start-Verknüpfungen sind großen und kleineren Kacheln gewichen. Auf den ersten Blick. Hinter der neuen Optik ist der gewohnte Desktop-Bildschirm versteckt und per Tastenkombination Windows-Taste und D erreichbar. Es gibt jedoch keine eingebaute Möglichkeit, direkt mit der alten Ansicht zu starten - zu Beginn erscheint grundsätzlich die App-Übersicht mit den Kacheln.

Microsoft hat so versucht, die Unterstützung von Touchscreens mit der herkömmlichen Steuerung via Tastatur und Maus zu verheiraten. Doch Experten wie Nutzer sind skeptisch, manche auch verwirrt. Besonders wenn es darum geht, die gewohnte Steuerung beizubehalten. So war etwa die Zeitschrift "c't" bei Tests der Vorabversion wenig begeistert von der Maussteuerung der neuen Oberfläche. Die Bedienung sei unpraktisch und wenig intuitiv. "Hier ist zusammengewachsen, was nicht zusammengehört", klagt ein Redakteur. "Es wirkt verwirrend, wenn man nicht mehr konsequent sieht, wohin man klicken muss", so die Begründung.

"Wenn ich als Windows-8-Einsteiger die erste Erklärung der neuen Bedienung verpasse, komme ich mir auf dem Startbildschirm erstmal ziemlich verloren vor", beschwert sich ein Redakteur der "Computer Bild". Der Wechsel zwischen mehreren offenen Programmen etwa funktioniert ohne Taskleiste ganz anders als vorher. Manch eine Funktion wird erst sichtbar, wenn der Mauszeiger in eine bestimmte Ecke des Bildschirms fährt. So versteckt sich das ehemals per Rechtsklick erreichbare Kontextmenü nun am unteren Bildschirmrand, eine weitere Funktionsleiste vertikal rechts.

Für Marc Benioff, Chef des Cloud-Software-Unternehmens Salesforce.com, ist die neue Version gar "das Ende von Windows", wie ihn golem.de zitiert. Die Online-Upgrade-Version von Windows 7, Vista oder XP ist bis Ende Januar 2013 ab 30 Euro zu haben.

Für Tablets

Während die Nutzer der Desktop-Version sowohl die Apps aus dem Microsoft-Store als auch reguläre Anwendungen verwenden können, sind bei Windows 8 RT für Tablets nur Apps nutzbar. Unterschiedlich sind zunächst die Kosten: Das Betriebssystem ist praktisch gratis, weil es nur vorinstalliert auf Geräten ausgeliefert wird, etwa dem Microsoft eigenen Tablet-Laptop-Zwitter Surface, das zur gleichen Zeit wie Windows 8 auf den Markt kommt.

Die Optik der Desktop- und RT-Version ist dagegen fast identisch. Allerdings sind sie unterschiedlich nutzbar. Auf dem Tablet können nur Apps aus dem Microsoft-Store sowie mitgelieferte Programme verwendet werden. Reguläre Windows-Software bleibt außen vor. Der Store bietet derzeit rund 5000 Apps, etwa 90 Prozent davon sollen mit RT kompatibel sein. Das Betriebssystem läuft zudem nur auf ARM-Chips, also einer speziellen, stromsparenden Struktur, die vor allem in mobilen Geräten verbaut wird.

Auch Microsofts Tablet Surface ist nun im Verkauf.
Auch Microsofts Tablet Surface ist nun im Verkauf.(Foto: AP)

Zwar hat RT auch einen "alten" Desktop-Modus wie Windows 8, aber wie erwähnt - jegliche Software von anderen Anbietern, etwa Googles Browser Chrome oder auch Firefox, sind nicht benutzbar. Bei Büroanwendungen beschränkt Microsoft seine Kunden auf das mitgelieferte Office 2013. Dabei sind Word, Excel und Powerpoint, aber kein E-Mail-Programm. Integriert ist der vor kurzem an den Start gegangene Musikservice Xbox Music.

Im Großen und Ganzen sind Geräte mit Windows RT eine gute Alternative zu iPad & Co., weil sie ähnliche Funktionalität bieten. Windows RT ist nicht gesondert käuflich, sondern wird immer vorinstalliert mit dem jeweiligen Gerät geliefert.

Für Smartphones

Das Betriebssystem für Mobilgeräte soll Googles Android und Apples iOS unter Druck setzen. Das Problem: Die offizielle Präsentation ist erst am 29. Oktober in San Francisco. Bis dahin hat Microsoft eine strenge Sperre verhängt, niemand bekommt das System zu Gesicht. Gerüchte über die Funktionen gibt es jedoch einige.

Demnach wurde etwa das Design im Vergleich zu Windows Phone 7 angepasst, die Größe der Kacheln sollen veränderbar sein, so dass Scrollen unnötig wird. Die Auflösung der unterstützten Touchscreens geht hoch bis 1280x720 Pixel, also die "kleinere" High Definition. MicroSD-Karten sollen nun unterstützt werden.

Was die Software angeht, kommt als Browser der Internet Explorer 10 zum Einsatz. Über eine App kann der Nutzer überwachen, über welche Übertragungsart er wie viele Daten ausgetauscht hat – so kann er etwa ein Limit festlegen, um sich vor Kostenfallen zu schützen. Das könnte etwa dann wichtig werden, wenn Nutzer über Microsofts Cloud-Service "Sky Drive" ihre Einstellungen, Bilder und Videos sichern.

Zusätzliche Apps sollen auch mit individuellen Kriterien wie Bildschirmauflösung und anderen Details gesucht werden können. Darunter könnten auch angepasste Triple-A-Spiele sein, da die Treiber für die Windows-8-Desktop- und Phone-Version sehr ähnlich sind.

Während sich die Konkurrenz beim iOS 6 mit der neuen Karten-App einen faulen Apfel ins Nest gelegt hatte und wieder zurückruderte, kommt Microsoft mit einer - auch offline funktionierenden - Navigationssoftware von Nokia daher. Das Maß aller Dinge heißt hier allerdings immer noch Google Maps.

Wie Windows 8 Phone jedoch im Detail aussehen wird, zeigt sich dann am 29. Oktober, wenn das ehemals wertvollste Unternehmen seine Software für Smartphones offiziell vorstellen wird - und auch Tester endlich Hand anlegen dürfen.

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Quelle: n-tv.de

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