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Maxis und EA kämpfen derzeit an mehreren Orten.
Maxis und EA kämpfen derzeit an mehreren Orten.

Entwickler zerknirscht, Publisher verteilt Geschenke: EA umwirbt frustrierte Simcity-Spieler

Von Roland Peters

EA versucht mit Simcity, ein altes Franchise zum großen Wurf zu machen. Doch die Server sind vollkommen überlastet, das Spielen ist nahezu unmöglich. Zum Start herrscht das Chaos, es hagelt Kritik. "Wir haben Mist gebaut", heißt es vom Entwickler Maxis.

Das Entwicklerstudio hinter dem neuen Simcity war stolz auf sich, beglückwünschte sich selbst zum fertiggestellten Spiel und dem guten Ergebnis. "Then we launched it", so Maxis-Chefin Lucy Bradshaw nüchtern in einem internen Memo. Aber der Start der Städtebausimulation am 7. März war eine Katastrophe. Weil viel zu wenige Server vorhanden waren, konnten Spieler teilweise gar nicht spielen. Sie gingen auf die virtuellen Barrikaden.

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Das Problem: Simcity erfordert, dass der Spieler online ist, permanent. Denn der lokale PC, die einzige Plattform, für die das neue Simcity verfügbar ist, kümmere sich lediglich um die Grafik, so Bradshaw. Der Rest werde von den Servern berechnet und synchronisiert. Dem widerspricht ein Programmierer von Maxis, der anonym bleiben will. "Die Server kümmern sich um keine Berechnungen für die Simulation der Städte. Sie vermitteln Nachrichten zwischen Städten und Spieler, speichern die Spielstände und solche Dinge. Mehr nicht", sagte er dem US-Blog "Rock, Paper, Shotgun".

Gratis-Spiel für miserablen Start

Welche Aufgaben die Server auch immer im Detail übernehmen - es funktionierte in den ersten Tagen so miserabel, dass Publisher Electronic Arts seine Kunden nun mit Geschenken besänftigen will. Jeder, der Simcity vor dem 25. März aktiviert, kann sich zwischen dem 21. und 30. März einen anderen Titel aussuchen. Wer also bis Ende der Woche Simcity kauft, bekommt ein weiteres Spiel gratis. Die entsprechende Benachrichtigung bekamen die Spieler jetzt, zwölf Tage nach dem Verkaufsstart, persönlich per E-Mail. Darin entschuldigt sich das "Maxis Team" für das Chaos der ersten Tage: "Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben."

Gratis-Titel von Electronic Arts
  • Battlefield 3
  • Bejeweled 3
  • Dead Space 3
  • Mass Effect 3
  • Medal of Honor Warfighter
  • Pflanzen gegen Zombies
  • Simcity 4 Deluxe Edition

Die Bewertungen für Simcity reichen von der höchstmöglichen, wie etwa bei Eurogamer, das die Städtebausimulation flugs zum Anwärter auf "Spiel des Jahres" erhob, bis zu vernichtenden, unter 50 Prozent der möglichen Punkte. Auf Amazon kommt das Spiel bei Kunden im Durchschnitt auf nicht mehr als eineinhalb von fünf Sternen. Auf Metacritic, einer Seite, die Bewertungen von Fachpresse im Überblick darstellt, ist der Schnitt derzeit 64 von 100. Von über 1700 Nutzerbewertungen sind fast 1500 negativ. Maxis kommuniziert intern zerknirscht: Die schlechten Wertungen sind berechtigt, trotz der Qualität des Spiels.

Inzwischen ist die Serverkapazität erhöht, einige Bugs, die das Leben der Hobby-Städteplaner erschwerten, behoben. Doch noch immer bricht die Verbindung zum Server manchmal ab und Spielstände werden nicht gespeichert. Dann verliert eine Stadt schnell mal 10.000 Einwohner, weil der zuletzt gesicherte Spielstand wiederhergestellt werden muss.

Süchtigmachend damals, süchtigmachend heute

Viel Industrie bedeutet viel Luftverschmutzung - ein Problem, das gelöst werden muss.
Viel Industrie bedeutet viel Luftverschmutzung - ein Problem, das gelöst werden muss.

Trotz aller Probleme ist Simcity ein Phänomen. Das Original erschien 1989 für Amiga, Mac, PC und C64. Die Echtzeitsimulation, in der sich Spieler um den Bau von Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete kümmern mussten, das Straßennetz, die Bildung und Unterhaltung der Bürger, und dabei immer das Budget im Blick haben musste, machte süchtig. Das habe sich nicht geändert, schreiben manche.

Dazu passt, dass sich das neue Simcity nicht als Nachfolger der späteren Versionen wie Simcity 2000 oder Simcity 4 versteht, sondern als Neuinterpretation des Klassikers. Offenbar sehen das potenzielle Kunden genauso. Obwohl nur zwei Tage nach dem überaus populären und wesentlich besser bewerteten Tomb Raider erschienen, schoss Simcity in Deutschland in der ersten Woche auf Platz 1 und 3 der Media Control Verkaufscharts.

Der Hauptunterschied zum Original ist der Mehrspielergedanke. Mehrere menschliche Planer sind in derselben Region unterwegs und entwickeln ihre jeweiligen Städte. Sie können miteinander handeln, regionale Großprojekte wie einen Flughafen bauen oder sich mit Arbeitskräften unter die Arme greifen. Das ist der Vorteil der Online-Orientierung. Die Macher von Maxis sagen, sie hätten bewusst auf einen Offline-Modus verzichtet. "Wir haben Simcity entworfen, damit es die Dynamik unserer Welt einfängt; eine globale, sich verändernde, soziale Welt", erklärt Chefin Lucy Bradshaw im firmeneigenen Blog.

Spieler haben bereits einen Weg gefunden, um den Serverproblemen aus dem Weg zu gehen: Sie ändern zwei Zeilen Code und hebeln so den Onlinezwang aus. Allerdings geht so die Stadt verloren, sobald Simcity geschlossen wird, da der Spielstand nicht mit einem Server synchronisiert wird. Der Maxis-Mitarbeiter sagt, es sei kein großer Aufwand, speicherbare Offline-Partien zu ermöglichen. Ob das Studio sowie Electronic Arts entsprechenden Forderungen folgen, ist die andere Frage.

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Quelle: n-tv.de

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