Technik
Der Xbox One X sieht man ihre Kraft nicht an.
Der Xbox One X sieht man ihre Kraft nicht an.(Foto: kwe)
Dienstag, 10. Oktober 2017

Die "stärkste Konsole der Welt": Ein tiefer Einblick in die Xbox One X

Von Klaus Wedekind

Die Xbox One X geht als "stärkste Konsole der Welt" am 7. November an den Start. Bei einem Besuch in Redmond gewährt Microsoft n-tv.de einen tiefen Einblick in ihr Innenleben und erklärt, was die größten Herausforderungen waren.

Es ist inzwischen hinreichend bekannt, dass die Xbox One X die "stärkste Konsole der Welt" sein wird, wenn sie am 7. November auch in Deutschland für rund 500 Euro in den Verkauf geht. Doch 6 Teraflops Rechengeschwindigkeit, 326 Gigabyte pro Sekunde Speicherbandbreite oder 12 Gigabyte GDDR5 Grafikspeicher sind Werte, die viele Konsolen-Nutzer herzlich wenig interessieren. Wichtig ist für sie vor allem, dass Spiele in 4K- und HDR-Qualität mit ihr so gut wie nie zuvor aussehen, möglichst viele Titel die Zusatz-Power umsetzen können und das Gerät keine Zicken macht. Außerdem soll eine Konsole gut aussehen und nicht zu viel Platz wegnehmen. Dass so etwas alles andere als ein Kinderspiel ist, hat Microsoft n-tv.de bei einer Tour durch seine Entwicklungsabteilung in Redmond gezeigt.

Mehr Leistung, weniger Volumen

Hardware-Chef Leo Del Castillo (vo. li.), der leitende Produktdesigner Bryan Sparks und Design-Chef Carl Ledbetter.
Hardware-Chef Leo Del Castillo (vo. li.), der leitende Produktdesigner Bryan Sparks und Design-Chef Carl Ledbetter.(Foto: kwe)

Die Vorgaben, die das Team um Hardware-Chef Leonardo Del Castillo umzusetzen hatte, waren mehr als ambitioniert. Obwohl sie 40 Prozent stärker ist als die Vorgängerin One S, sollte die neue Konsole die kleinste Xbox werden, die Microsoft jemals gebaut hat. Tatsächlich ist das Gerät mit 29,9 x 24,1 x 6 cm nur etwas niedriger als die One S, ansonsten aber ein bisschen länger und breiter. Weil sie mit 4323,5 cm³ aber ein minimal kleineres Volumen als die Vorgängerin (4400 cm³) hat, ist sie letztendlich doch die von Microsoft angekündigte bisher kleinste Xbox.

Sei's drum, auf jeden Fall ist die rund 3,8 Kilo schwere Konsole für ihre hohe Leistung wirklich sehr kompakt. Und sie hat ein raffiniert schlichtes Design, das laut Produktdesigner Bryan Sparks an einen Monolithen aus Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" erinnern soll. Die Oberseite der Xbox One X ist völlig glatt und geschlossen, ohne die üblichen Lüftungsschlitze oder -gitter. Um das zu erreichen, hat das Team die Hauptplatine einfach umgedreht und an die Oberseite geschraubt. So kann der Lüfter die heiße Luft an den Seiten und nach unten rauspusten.

Produktdesign ist keine Spielerei

Die Kühlung der Xbox One X ist enorm wichtig.
Die Kühlung der Xbox One X ist enorm wichtig.(Foto: kwe)

Der Ventilator kann aber mit der großen Hitzeentwicklung alleine nicht fertigwerden - vor allem wenn die Konsole auch unter Höchstlast noch sehr leise arbeiten soll. Erschwerend kommt hinzu, dass das Netzteil integriert ist und nicht außen an einem Kabel hängt. In der Konsole geht es eng zu, zwischen den Komponenten ist nur sehr wenig Raum frei.

Um den knappen Platz im Gehäuse optimal auszunutzen, kommt in der One X unter dem Lüfter eine sogenannte Vapor-Chamber (Dampfkammer) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkühlung, die sehr flach konstruiert werden kann und die Wärme von größeren Flächen aufnimmt. Vapor-Chambers arbeiten ähnlich wie häufiger verwendete Heatpipes, sind aber wesentlich effektiver und teurer. Flüssigkeit verdampft in einem Vakuum, steigt auf zu den Kühlrippen, gibt die Wärme ab und kondensiert wieder.

Damit trotz geschlossener Oberseite die Abluft nicht nur ungehindert entweichen, sondern Frischluft auch problemlos einströmen kann, entwarfen die Designer ein Metall-Chassis mit teils wabenförmiger Struktur, das trotz vieler Öffnungen und geringem Materialeinsatz sehr stabil ist. Wie die meisten Teile der Xbox One X handelt es sich dabei um eine Spezialanfertigung, lediglich Blu-Ray-Laufwerk und Festplatte (HDD) der Konsole stammen von der Stange. "Irgendwo muss man ja Geld sparen", sagt Del Castillo.

Es kommt auch auf den Fernseher an

Das komplette Innenleben der Konsole.
Das komplette Innenleben der Konsole.(Foto: kwe)

Das tolle Design nützt der Xbox One X aber wenig, wenn sie nicht auch technisch ein Highlight setzt. Doch das tut sie, auch wenn sie kein ganz großer Sprung, keine neue Konsolen-Generation ist. Sie kommt zur rechten Zeit und erfüllt genau die Anforderungen, die im Augenblick gefragt sind. Als einzige Konsole holt die One X derzeit alles aus aktuellen Top-Fernsehern heraus, was diese zu bieten haben: echtes 4K bei 60 Bildern pro Sekunde (fps) und in HDR.

Details, Lichter, Farben, Kontraste oder Tiefe der Bilder sind fantastisch. Microsoft hat die Bildgewalt der neuen Konsole unter anderem mit "Forza Motorsport 7" oder "Mittelerde: Schatten des Krieges" demonstriert. Auch beim Anspielen von "Assassin's Creed: Origins" in Berlin Anfang Oktober zeigte sich die One X von ihrer besten Seite. Was die Bildqualität betrifft, kann die Playstation 4 Pro da nicht mithalten. Entsprechend haben Entwickler bei einem Treffen in Redmond auch in höchsten Tönen von Microsofts neuer Konsole geschwärmt.

Die Entwicklung bei den Fernsehern sieht auch Xbox-Chef Phil Spencer im Interview als wichtiges Kaufargument für seine neue Konsole. "Wer die beste Technik haben will, greift zur One X", sagt er. Für Nutzer eines Full-HD-TVs bietet die Umwandlung echter 4K-Inhalte zwar auch ein besseres Bild, aber in weit geringerem Maße als bei 4K-/HDR-Fernsehern. Wenn sie langfristig nicht aufrüsten wollen, lohnt sich für Besitzer solcher TV-Geräte die One X nicht. Wenn es nach Spencer geht, sollen sie die One S kaufen, die weniger als die Hälfte kostet.

Exklusivtitel müssen folgen

Das Kalkül scheint bei der One X aufzugehen, es heißt, die Anzahl der Vorbestellungen für die Konsole sei sehr hoch. Gut möglich, dass es Microsoft so schafft, dem enteilten Konkurrenten Sony bei den plattformübergreifenden Spielen wieder Marktanteile abzunehmen. Was die One-S-Verkäufe betrifft, sind aber erhebliche Zweifel angebracht, dass Microsoft Boden gutmachen kann. Denn nach wie vor bietet die Xbox-Plattform zu wenig Exklusivtitel. Spätestens wenn Sony mit einer neuen Konsole nachlegt, ist der Vorteil der One X dahin. Microsoft gewinnt mit ihr wertvolle Zeit im Konkurrenzkampf, muss sie aber auch nutzen.

Quelle: n-tv.de

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