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"Portal Knights" ist das "Beste deutsche Spiel" des Jahres.
"Portal Knights" ist das "Beste deutsche Spiel" des Jahres.(Foto: Keen Games)
Donnerstag, 27. April 2017

Manipulierte Abstimmung?: Eklat beim Deutschen Computerspielpreis

Von Johannes Wallat

Beim Deutschen Computerspielpreis werden die besten Games des Jahres geehrt, 550.000 Euro sind im Topf. Bei der Verleihung kommt es zum Eklat: Ein Gewinner lehnt den Preis ab, ein wichtiger Mitausrichter akzeptiert die gewählten Sieger nicht. Was ist passiert?

Jedes Jahr wird in Berlin der Deutsche Computerspielpreis (DCP) verliehen. Die Auszeichnung ehrt die besten Games aus deutschen Entwicklerstuben, die Preisgelder sind in diesem Jahr höher als je zuvor, weil unter anderem das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seinen Anteil kräftig aufgestockt hat. Ministeriumschef Alexander Dobrindt (CSU) überreichte den Siegern die Preise in Höhe von insgesamt 550.000 Euro - doch nicht alle wollten die Auszeichnung haben.

Gewinner des wichtigsten Preises ist die Entwicklerstube Keen Games aus Frankfurt am Main. Ihr Abenteuerspiel "Portal Knights" wurde als "Bestes deutsches Spiel" des Jahres ausgezeichnet, 110.000 Euro Preisgeld bekommen die Macher. In dem Spiel gelangt ein Zauberer durch ein magisches Tor in zufallsgenerierte Welten voller Abenteuer und Gefahren und muss sich im Kampf gegen das Böse behaupten. Portal Knights ist für Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch erhältlich. Windows-Nutzer können es auch am PC spielen. 

Abgelehnt: Mimimi will Preis nicht haben

Nominiert waren neben Portal Knights auch die Spiele "On Rusty Trails" und "Shadow Tactics". Letzteres gewann den Preis für "Bestes Game-Design", dotiert mit 40.000 Euro. Doch die Macher des Spiels vom Münchner Studio Mimimi Productions verweigerten die Annahme des Preises. Eine Begründung nannten sie nicht - während der Hauptjurysitzungen war es aber zu Unstimmigkeiten gekommen, in vielen Kategorien fehlten wichtige Stimmen bei der Auszählung. Womöglich hängt die Ablehnung damit zusammen, dass "Shadow Tactics" bei der Wahl zum besten Game das Nachsehen hatte.

In einer Stellungnahme des Bundesverbands der deutschen Games-Branche (GAME), die n-tv.de vorliegt, heißt es:

"Der Deutsche Computerspielpreis ist unlängst durch Unstimmigkeiten während der Hauptjurysitzung negativ aufgefallen. In den meisten Kategorien fehlten bei der Auszählung Stimmen. Da keine Enthaltungen oder Abwesenheiten gezählt wurden, konnte deren Verbleib nicht festgestellt werden. Bei drei Kategorien ist dies aus Gründen der jeweils knappen und somit entscheidenden Mehrheiten relevant.

Diese Unstimmigkeiten waren den Ausrichtern bewusst. Die während der Jurysitzung anwesenden Vertreter des Bundesverbands der deutschen Games-Branche e.V. (GAME) haben noch während der Sitzung Initiative ergriffen und proaktiv auf die Diskrepanzen während der Wahl hingewiesen und auf eine schnelle und unkomplizierte Lösung des Problems hingearbeitet. Es konnte jedoch bis heute keine Einigung zwischen den Ausrichtern erzielt werden." 

GAME trägt Entscheidung nicht mit

Eine solche "unkomplizierte Lösung" könne nur eine Neuabstimmung sein, wie sie GAME und einige Juroren gefordert hatten, berichtet "Gamestar". Die sei aber durch Mehrheitsbeschluss abgelehnt worden. Deshalb trage der GAME-Vorstand die Vergabe der Preise in den drei nicht genannten Kategorien nicht mit, zitiert "Gamestar" aus einer internen E-Mail. Welche Kategorien das sind, wird aus der Meldung nicht ersichtlich, GAME-Vorsitzender Stefan Marcinek nannte sie auch auf Nachfrage von n-tv.de nicht. 

Die anderen Preisträger

Für sein Virtual-Reality-Abenteuer "Robinson: The Journey", bei dem der Spieler auf einem fremden Planeten mit lebenden Dinosauriern strandet, erhielt der Frankfurter Spieleentwickler Crytek den Preis für die "Beste Inszenierung". Das beste Kinderspiel heißt "She Remembered Caterpillars" und stammt von den Kassler Entwicklern Jumpsuit Entertainment.

Den Preis für das "Beste Serious Game" teilen sich das Hack'n'Run-Spiel "Debugger 3.16" von Spiderwork Games und "Orwell" von Osmotic Studios. Der undotierte Publikumspreis geht an "The Witcher 3", das "Beste Internationale Spiel" ist Nintendos "The Legend Of Zelda: Breath Of The Wild". Die "Beste Internationale Spielewelt" hat laut Jury "Uncharted 4: A Thiefs End" von Naughty Dog und Sony Interactive Entertainment zu bieten. Dieser Preis ist aber ebenfalls undotiert. Das "Beste Internationale Multiplayer-Spiel" ist in diesem Jahr "Overwatch" von Blizzard.

Für ihre Nachwuchskonzepte wurden zwei Teams der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) sowie ein Team der TH Köln ausgezeichnet. Den Sonderpreis der Jury bekommt das Computerspielemuseum in Berlin. 

Alle Preisträger finden sich auf der Website des DCP - vom Eklat bei der Verleihung ist dort aber kein Wort zu lesen.

Quelle: n-tv.de

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