Technik
Video
Dienstag, 08. August 2017

Smarter Lautsprecher-Assistent: Google Home startet ziemlich gut

Von Klaus Wedekind

Ab sofort ist Google Home auch hierzulande erhältlich. Im Test schlägt er sich wacker, vor allem die einfache Handhabung und seine fixe Auffassungsgabe überzeugen. Man merkt aber auch, dass der smarte Lautsprecher-Assistent noch ein Anfänger ist.

Nachdem er bereits seit vergangenen November in den USA zu haben ist, hat es der Google Home jetzt auch über den großen Teich nach Deutschland geschafft. Wie beim Amazon Echo handelt es sich dabei um einen sprachgesteuerten Lautsprecher, über den Nutzer Zugriff auf einen digitalen Assistenten haben, der Informationen liefert, das smarte Home steuert und hilft, den Alltag zu organisieren. n-tv.de hat den knapp 150 Euro teuren Google Home schon ein paar Tage in der Redaktion stehen und ausprobiert, was das Gerät bereits kann oder erst noch lernen muss.

Die Einrichtung ist denkbar einfach: Man muss lediglich die Home-App installieren, den Lautsprecher einschalten und den Anweisungen folgen, schon nach ein, zwei Minuten ist das Gerät startklar. Mit dem Kommando "OK Google" weckt man den Assistenten auf und kann ihm dann Fragen stellen oder Befehle geben. Grundsätzlich hat man so die gleichen Funktionen wie auf neueren Android-Smartphones zur Verfügung, auf denen das digitale Helferlein aktiviert ist. So kann man unter anderem alle möglichen Wissensfragen stellen, die der Assistent dank Googles Suchmaschine und seinen vielen anderen Diensten meistens beantworten kann.

Sehr gute Spracherkennung

Drei Lautsprecher verbergen sich unter der Abdeckung.
Drei Lautsprecher verbergen sich unter der Abdeckung.(Foto: kwe)

Dabei fallen zwei Dinge besonders auf. Zum einen ist die Spracherkennung exzellent - auch auf großer Entfernung, bei einer lauten Geräuschkulisse oder geflüsterten Befehlen. Zum anderen kommt Google Home prima mit Folgefragen klar. Fragt man beispielsweise nach dem Standort des "Haus des Lehrers", kann man nach der Antwort (Berlin plus genaue Adresse) einfach fragen "Wer hat es erbaut?" und erfährt, dass es Hermann Henselmann war. Auf die Frage "Lebt er noch?" hört man, dass er am 19. Januar 1995 in Berlin starb. Das macht der Assi wirklich richtig gut. Etwas nervig ist, dass man vor jeder Frage "OK Google" sagen muss. Allerdings wird so gewährleistet, dass der Lautsprecher nicht ununterbrochen mithört und aufzeichnet. Welche Informationen Google sammelt, kann man abrufen und einzeln oder tageweise löschen, wenn man in der Home-App auf das Zeit-Symbol tippt. Soll der Lautsprecher gar nicht zuhören, drückt man die Stumm-Taste.

Die Antworten der weiblichen Stimme sind meistens flüssig, klingen aber nicht wirklich menschlich. Außerdem scheitert sie erstaunlicherweise bei sehr einfachen Begriffen. So sagt sie beispielsweise "Brühßel" statt "Brüssel". Grundsätzlich versteht Googles Assistent natürliche Sprache relativ gut, manchmal gibt's die gewünschten Ergebnisse aber nur, wenn man sich möglichst genau an vorgegebene Formulierungen hält.

Lesen ja, schreiben nein

Den Zugriff auf persönliche Informationen muss man dem Assistenten in der Home-App erst einräumen. Dann kann er beispielsweise anstehende Termine vorlesen oder Fotos auf Fernsehern anzeigen. Allerdings hat der Assistent noch nicht den vollen Zugriff auf die Google-Dienste. So kann er unter anderem bisher keine Termine in den Kalender eintragen oder diktierte E-Mails verschicken. Seltsam. Um morgens eine Zusammenfassung für den Tag zu erhalten, sagt man "Was liegt an?" und erhält flüssig vorgelesen die Wetteraussichten, Infos zum Arbeitsweg, die nächste Besprechung oder Erinnerungen. Und zum Abschluss hört man sich die neuesten Nachrichten an, beispielsweise von n-tv.de. Der Nutzer kann aber auch externe Dienste einbinden und steuern, unter anderem Musik-Streaming von Spotify oder Deezer. Playlisten starten oder einzelne Lieder abrufen, klappt tadellos. Der Klang des Lautsprechers ist dabei okay, kann aber keinen hochwertigen WLAN- oder Bluetooth-Speaker ersetzen.

Sehr gut funktioniert der Google Home auch als Sprachsteuerung für verbundene Geräte. Mit einem Google Chromecast versteht sich der Lautsprecher natürlich auf Anhieb, aber es gibt bereits eine lange Liste von Herstellern von kompatiblem Smart-Home-Zubehör. Reduziert man sie auf die bekannteren Vertreter der Branche, bleiben die üblichen Verdächtigen übrig, unter anderem Hue. Für den Test stellte Google smarte Philips-Leuchten zur Verfügung, die man per Sprachkommando einzeln, in der Gruppe oder per Raum steuern kann. Außerdem ist es möglich, verschiedene Aktionen zu verknüpfen und mit einem einzelnen Befehl zu aktivieren - beispielsweise wenn man die Wohnung betritt oder verlässt. Auch diese Aufgaben erledigt das Gerät einwandfrei.

Starker Einstieg

Unterm Strich hat der Google Home in den ersten Tagen einen guten Eindruck hinterlassen. Spracherkennung und -wiedergabe sind vorzüglich, die App flutscht und der Assistent weiß auf nahezu jede Frage eine Antwort. Seine Rolle als Smart-Home-Kommandozentrale beherrscht das Gerät ebenfalls und es wird ein harter Konkurrent zu Amazons Echo-Geräten sein. Allerdings muss Google dafür schnell den vollständigen Zugriff auf seine Dienste ermöglichen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen