Technik
Das Samsung Galaxy S3 ist ein eleganter Kraftprotz.
Das Samsung Galaxy S3 ist ein eleganter Kraftprotz.(Foto: Samsung)

Samsung hat alles reingesteckt: Ist das Galaxy S3 die Nummer 1?

von Klaus Wedekind

Das neue Samsung Galaxy S3 ist auf dem Markt, und die Vorbestellungen lassen bereits vermuten, dass es wie sein Vorgänger ein Verkaufsschlager wird. Aber ist Samsungs neues Flaggschiff wirklich so gut wie erhofft? Ist es tatsächlich das "beste Smartphone der Welt"?

"Das Galaxy S3 jagt das iphone 4S" - so oder so ähnlich lauten in diesen Tagen viele Schlagzeilen. Ein ziemlicher Unsinn, wenn man bedenkt, dass das neue Samsung-Flaggschiff gerade eben erst vom Stapel gelaufen ist und Apples Smartphone-Star bereits seit vergangenen Herbst die Hitparaden anführt. Wenn Samsung Ehrgeiz hat - und den haben die Koreaner - wird umgekehrt ein Schuh daraus. Die Frage ist also: Ist das Galaxy S3 gut genug, um zur gejagten Nummer 1 zu werden?

Optisch ist das neue Samsung-Flaggschiff eher unauffällig. Die durch kratzfestes und extrem fettabweisendes Gorilla Glas der Firma Corning geschützte Vorderseite wirkt mit seinen abgerundeten Ecken schlicht und elegant. Der metallische Rahmen verjüngt sich an den Längsseiten zu den Ecken hin, wodurch das Gerät den Eindruck vermittelt, wie das Galaxy Nexus leicht nach innen gewölbt zu sein. Eine optische Täuschung.

Endlich eine Info-LED

Unter dem 4,8 Zoll großen Bildschirm hat Samsung eine physische Home-Taste gesetzt, die von Menü- und Zurück-Taste flankiert wird. Oberhalb des Displays befinden sich Lautsprecher, Annäherungs- und Lichtsensor, die 1,9 Megapixel-Frontkamera und - Samsung kann's ja doch - eine blau leuchtende Info-LED. Auf der Stirnseite des Rahmens sitzt die Kopfhörerbuchse, unten Micro-USB-Anschluss und Mikrofon. Rechts ist der Ein-/Aus-Schalter, links der Lautstärkeregler.

Die abnehmbare Rückseite fühlt sich zwar an wie Plastik, besteht aber laut Samsung aus hochglanzlackiertem Polycarbonat - einem sehr hochwertigen und robusten Kunststoff. Leicht erhaben befindet sich dort an der Oberseite zentriert die 8-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und Lautsprecher.

Insgesamt misst das Galaxy S3 136,6 x 70,6 x 8,6 Millimeter und ist 133 Gramm leicht. Die Verarbeitung ist, wie von Samsung gewohnt, sehr gut. Der Hochglanzlack ist Geschmackssache. Die einen finden ihn schmierig, andere angenehm glatt. So oder so liegt das Gerät angenehm in der Hand und passt trotz des gewachsenen Bildschirms wie sein Vorgänger noch bequem in eine Hosentasche.

Beim Galaxy S3 können Nutzer den Akku wechseln.
Beim Galaxy S3 können Nutzer den Akku wechseln.(Foto: kwe)

Dominiert wird das Galaxy S3 von seinem mächtigen Touchscreen, der leuchtende, natürliche Farben und einen knackigen Kontrast bietet. Der Bildschirm ist auch von der Seite noch sehr gut lesbar, wobei sich der AMOLED-übliche Blaustich in Grenzen hält.

Zwar weist das Super-AMOLED-Display des Galaxy S3 durch die verwendete Pentile-Technologie weniger Subpixel als Bildschirme mit RGB-Matrix auf. Doch im alltäglichen Gebrauch fällt die daraus resultierende leicht geringere Schärfe nicht auf. Und immerhin hat das S3-Display mit 1280 x 720 Pixeln eine hohe Punktdichte von 306 ppi.

Zur Erklärung: Ein Pixel besteht aus roten, grünen und blauen Subpixeln, aus denen sich je nach Leuchtstärke der einzelnen Farben die dargestellte Farbe "mischt". Bei RGB-Displays sind alle Subpixel gleich groß und gleichmäßig verteilt. Bei Pentile-Bildschirmen ist die Hälfte der Subpixel grün und kleiner als die roten und blauen Subpixel, die sich die andere Hälfte teilen. Während bei RGB immer drei Subpixel pro Pixel angesprochen werden, sind es bei Pentile nur zwei.

Der Bildschirm des Galaxy S3 ist sicher einer der besten, die derzeit in Smartphones eingebaut werden. Allerdings ist das RGB-Display des HTC One X noch knackiger und leuchtender und erlaubt sich in keiner Lage einen Farbstich.

Stark und sparsam

Was die Prozessorleistung betrifft, zieht Samsungs Bolide mit seinem Exynos Vier-Kern-Prozessor an allen Konkurrenten vorbei. Auch Nvidias Tegra 3, der im One X arbeitet, kann da nicht mithalten. Samsungs Eigenproduktion werkelt unter Höchstlast mit einer Taktfrequenz von 1,4 Gigahertz, die im langweiligen Alltag auf bis zu 200 Megahertz herabgeregelt werden. Jeder Kern kann dabei einzeln angesteuert werden. Zur Seite steht der CPU ein 1 Gigabyte großer Arbeitsspeicher.

Bei Tageslicht gelingen mit dem Galaxy S3 sehr schöne Aufnahmen.
Bei Tageslicht gelingen mit dem Galaxy S3 sehr schöne Aufnahmen.(Foto: kwe)

Samsung hat den Vier-Kern-Exynos (4412) so gut hinbekommen, dass ihn kein Programm und auch nicht das heftigste Multitasking zum Stottern bringt, und Internetsurfer geraten mit dem Gerät fast schon in einen Geschwindigkeitsrausch - zusammen mit dem Browser Chrome ist das Galaxy S3 unschlagbar schnell. Durch die ebenfalls sehr solide Grafikeinheit muss auch das Spiel, das das Galaxy S3 bezwingt, erst noch geschrieben werden.

Andererseits schont das Exynos-Management im Normalbetrieb den 2100 Milliamperestunden starken Akku sehr effektiv, wodurch das Smartphone im Test auch mal zwei Tage ohne Steckdose auskam. Aktiviert man in den Einstellungen den Energiesparmodus, dürften sogar noch ein paar Stunden mehr drin sein. Heiß lief das S3 in keiner Situation.

Der interne Speicher ist mit 16 Gigabyte nicht besonders groß, für Fotos, Musik und andere Daten kann man aber microSD-Karten mit einer Größe von bis zu 64 Gigabyte einstecken. In Zukunft möchte Samsung auch Modelle mit 32 und 64 Gigabyte internem Speicher anbieten.

Kamera liebt das Licht

Die Kamera passt zum hervorragenden Gesamteindruck, den die Hardware des Galaxy S3 macht. Vor allem bei Tageslicht schießt sie sehr schöne, kontrast- und detailreiche Fotos. Blitzaufnahmen des S3 gefallen durch Farbtreue und eine relativ gute Ausleuchtung. Ohne Fotolicht weisen dunkle Stellen aber ein deutliches Farbrauschen auf. Hätte Samsung statt der prestigeträchtigen 8 Megapixel nur 6 auf dem Sensor untergebracht, würde die Kamera sich diese Schwäche vermutlich nicht leisten.

Gesichter erkennt das Galaxy S3 auf Fotos automatisch. Nutzer können getaggte Bilder einfach teilen oder verschicken.
Gesichter erkennt das Galaxy S3 auf Fotos automatisch. Nutzer können getaggte Bilder einfach teilen oder verschicken.(Foto: Samsung)

Die Foto-App ist fast ohne Verzögerung einsatzbereit, und die Kamera schießt bis zu drei Bilder in der Sekunde. Insgesamt bietet die Foto-App sehr viele Einstellmöglichkeiten, für die Nachbearbeitung gibt's in den Samsung-Apps einen umfangreichen Foto-Editor.

Mit dem S3 gefilmte Full-HD-Videos können sich ebenfalls sehen lassen. Allerdings gilt wie bei allen Smartphone-Dreharbeiten, dass man ohne optisches Zoom immer nah am Objekt bleiben sollte. Man kann zwar das digitale Zoom per Laut-/leise-Taste bedienen, was aber keine schönen Resultate liefert. Während einer Videoaufnahme können Nutzer gleichzeitig Fotos aufnehmen.

Muss das alles sein?

Als Betriebssystem kommt Android 4 (Ice Cream Sandwich) zum Einsatz, das Samsung mit seiner Benutzeroberfläche Touchwiz veredelt hat. Das Galaxy S3 überschüttet seinen Besitzer geradezu mit Zusatzfunktionen, von denen er einige vielleicht nie nutzen wird. Ist es einfacher einen Screenshot per Home- und Ein-Taste zu machen oder indem man mit der Handkante seitwärts über den Bildschirm wischt? Warum sollte man die Kamera bei gesperrtem Bildschirm starten, indem man das Display berührt und dabei das Gerät ins Querformat dreht? Man kann das Symbol auch aus der frei konfigurierbaren Schnellzugriff-Leiste einfach nach oben ziehen.

Das S3 ist zusammen mit Google Maps ein klasse Navi. Man sollte das Ziel aber besser manuell eingeben.
Das S3 ist zusammen mit Google Maps ein klasse Navi. Man sollte das Ziel aber besser manuell eingeben.(Foto: Samsung)

Sinnvoll sind dagegen Funktionen, die man in den Einstellungen unter "Bewegung" aktivieren kann: Über "Direktanruf" kann man einen Kontakt, der im Adressbuch oder einer anderen App angezeigt wird, direkt anrufen, indem man das Telefon einfach ans Ohr hält. Beim "intelligenten Alarm" informiert das Galaxy S3 Nutzer automatisch über verpasste Ereignisse sobald sie das Gerät anheben.

Eine feine Sache ist auch der "intelligente Schlafmodus" bei dem die Frontkamera erkennt, ob der Nutzer aufs Display blickt und es entsprechend eingeschaltet lässt. Das funktioniert tatsächlich, allerdings ebenso wie die Gesichts-Entsperrung nur bei ausreichender Beleuchtung zuverlässig.

Apropos Gesichtserkennung: Bei Fotos klappt sie ganz hervorragend und wer möchte, kann Köpfe auf Fotos mit Namen taggen. Das S3 merkt sich Gesichter und erkennt sie beim nächsten Foto automatisch. Über die Tags können die Fotos direkt verschickt oder geteilt werden.

Besser den Mund halten

Ein Flop ist dagegen "S Voice", das Pendant zu Apples Sprachsteuerung Siri. Die Befehle werden oft nicht verstanden oder falsch umgesetzt. Falls Samsung die Funktion nicht nachbessert, ist sie nicht zu gebrauchen, da man zu oft manuell korrigieren muss. Schlimm ist dies jedoch nicht, da das Feature wie Siri nach einer verspielten Kennenlernphase kaum noch genutzt werden dürfte.

Wie bereits erwähnt ist die Funktionsvielfalt, die das Galaxy S3 bietet überwältigend. Wer alle Möglichkeiten seines Smartphones kennenlernen möchte, sollte sich das 181 Seiten starke PDF-Handbuch herunterladen. Erwähnenswert ist aber auf jeden Fall noch der eingebaute Nahfeld-Chip (NFC) mit dem S3-Besitzer nicht nur sicher bezahlen, sondern auch via "Android Beam" Daten mit anderen NFC-Handys austauschen können, indem sie die Geräte aneinander halten. Mit "S Beam" können zwei S3-Nutzer auf diese Weise auch sehr große Daten über WLAN weitergeben.

Bei so vielen Talenten darf nicht unter den Tisch fallen, dass das Samsung Galaxy S3 ein Telefon mit ausgezeichneter Empfangs- und Sprachqualität ist, das auch bis auf den ultraschnellen Mobilfunkstandard LTE in jeder Hinsicht schnelle Verbindungen herstellt. Auch das besonders für die Navigation wichtige GPS-Modul konnte im Test absolut überzeugen.

Nach dem von Samsung sehr knapp bemessenen Test-Zeitraum fällt es schwer ein endgültiges Resümee zu ziehen. Man wagt sich allerdings nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass das Samsung Galaxy S3 wahrscheinlich das derzeit beste Android-Smartphone ist. Das One X sitzt ihm aber dicht im Nacken, und wenn HTC und Nvidia den Tegra 3 durch Updates noch besser in den Griff bekommen, wird das Rennen noch enger.

Ob das Galaxy S3 gut genug ist, um dem kommenden iPhone das Fürchten zu lehren, bleibt abzuwarten. Vermutlich ist so ein Vergleich aber auch unsinnig. Denn obwohl Samsung immer wieder beschuldigt wird, bei Apple abzukupfern, gehen seine Superphones spätestens seit dem Galaxy S2 ganz eigene Wege.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen