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Der aktuelle Kindle Paperwhite hat Konkurrenz.
Der aktuelle Kindle Paperwhite hat Konkurrenz.(Foto: Promo)

Vier E-Book-Reader im Test: Jagd auf den Kindle Paperwhite

Von Roland Peters

Wurden die E-Reader vor wenigen Jahren noch als Spinnerei von Technikfreaks abgetan, liegen sie inzwischen zuhauf unterm Weihnachtsbaum. n-tv.de nimmt vier aktuelle Geräte unter die Lupe - von Sony, Amazon, Kobo und Thalia. Die Überraschung: Es gibt nicht einen, sondern zwei Sieger.

Die einen verfechten das gedruckte Papier, den anderen reicht schon die Tinte. Denn die verwenden alle E-Book-Lesegeräte. Das unterscheidet Kindle & Co. von Tablets, die zwar Alleskönner sind, aber den Augen kein vom Buch bekanntes Lesegefühl geben. Inzwischen gibt es erste Reader mit eigener Beleuchtung. Eine Taschenlampe soll damit nicht mehr zwingend nötig sein, um unter der Bettdecke Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu lesen. Oder Comics. Oder Nietzsche.

n-tv.de hat die Reader von vier Herstellern unter die Lupe genommen. Neben Amazons aktuellem Kindle Paperwhite balgen sich Sonys PRS-T2, der neue Kobo Glo sowie das Cybook Odyssey Frontlight im Preissegment um 130 Euro um die Gunst der Käufer. Alle außer dem Kindle unterstützen das allgemeine "Epub"-Format. Allerdings gibt es mit der Gratis-Software "Calibre" für Windows, Mac und Linux eine einfache Lösung für dieses Problem.

Sony Reader

Ohne Beleuchtung, aber ein Leichtgewicht: Sonys aktueller Reader.
Ohne Beleuchtung, aber ein Leichtgewicht: Sonys aktueller Reader.(Foto: Promo)

Der aktuelle Sony Reader ist der PRS-T2. Die Anzeige hat eine Diagonale von 15,2 cm bei einer Auflösung von 800 mal 600 Pixel. Das Display unterstützt 16 Abstufungen von Grau. Die Buchstaben sind scharf dargestellt, der Lesefluss für die Augen angenehm. Geblättert wird wahlweise mit einer Wischbewegung auf dem Touchscreen, oder mit den Tasten unter dem Bildschirm. Hier offenbart Sonys Reader seine erste Schwäche. Zuvor angezeigte Inhalte sind zum Teil kurz weiter erkennbar, wenn auch nicht deutlich. Per Fingerkommando ist Zoom möglich und mit einem Spezialstift kann sich der Leser Notizen auf die E-Book-Seiten machen. Eine manuelle Lesezeichenfunktion fehlt. Auch eine Beleuchtung, wie viele der Konkurrenten, hat Sonys Gerät nicht.

Der Sony Reader kann einfach per USB-Kabel an einen Computer angeschlossen, E-Book-Dateien können so kopiert werden. Dabei lädt er automatisch den Akku auf. Entweder man kauft die Bücher für den PRS-T2 per WLAN und Reader, oder per Computer – und überträgt die Dateien per USB-Kabel. Das Gerät von Sony hat keine Bindung an einen bestimmten Online-Buchladen. Das Unternehmen weist ausdrücklich auf verschiedene Shops hin, auf der Reader-Website gibt es sogar eine Bibliothekssuche nach Postleitzahl sowie Empfehlungen für kostenlose E-Books. Gefüttert wird das Gerät über MicroSD-Karten, der integrierte Speicher ist 2 Gigabyte groß.

Der Reader unterstützt die Formate Epub, PDF, Textdateien sowie die gängigen Bildformate. Als Batterielaufzeit gibt Sony sechs Wochen bei aktiviertem WLAN und zwei Monate bei deaktiviertem WLAN an. Der PRS-T2 ist ein solider Reader, der auch mit Organisationsfunktionen punktet. Bücher können in verschiedene Sammlungen zusammengefasst werden. Allerdings ist der momentane Preis von 130 Euro (inzwischen) zu hoch für das, was er im Vergleich zur Konkurrenz bietet.

Amazon Kindle Paperwhite

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Zur fünften Generation der Amazon-Reader gehört der Kindle Paperwhite. Der Name stammt von der neu eingeführten Beleuchtung, die je nach Umgebung anpassbar ist. Am unteren Rand der Anzeige ist das Licht nicht gleichmäßig verteilt, was aber beim Lesen kaum stört. Bei ebenfalls 15,2 cm Bildschirmdiagonale kommt das Display auf eine Auflösung von 1024 mal 758. Die Buchstaben der sechs einstellbaren Schriftarten sind scharf, auch Comics werden mehr als passabel dargestellt. Tasten zum Blättern hat der aktuelle Kindle keine, alles funktioniert per (Multi-)Touchscreen. Dabei dienen die äußeren Ränder der Anzeige als Tasten – vor, zurück und für das Menü. Es können beliebig viele Lesezeichen gesetzt werden, die in einer Listenübersicht abrufbar sind. Beeindruckend ist die Unterstützung der Kontextsuche, die Lexika, Übersetzungen und Online-Suche anbietet.

Den Paperwhite gibt es entweder nur mit WLAN oder mit zusätzlichem UMTS-Zugang. Ein spezieller Mobilfunkvertrag ist dabei nicht nötig, Amazon übernimmt die Kosten. Das soll in mehr als 100 Ländern funktionieren. Geladen wird der Reader ebenfalls über das USB-Kabel. Die Geräte verwenden und lesen ein eigenes Dateiformat, zudem PDF und Textdateien. Beim Einkauf neuer Bücher ist der Amazon-Shop deshalb der unkomplizierteste und mit über 100.000 Büchern auf Deutsch exzellent ausgestattet.

Der neue Kindle unterstützt den Epub-Standard nicht, E-Books können aber per externer Software umgewandelt werden. Gefällt dem Kunden ein Buch nicht, erstattet Amazon den Kaufpreis innerhalb der ersten Woche. Die Datei wird dann vom Lesegerät gelöscht. Der Paperwhite verfügt über zwei Gigabyte internen Speicher, davon sind etwa 1,25 Gigabyte für eigene Inhalte vorgesehen. Einen Kartenslot hat der Reader nicht. Dafür aber den für Amazon-Inhalte unbegrenzt großen Cloudspeicher, auf den das Gerät ebenfalls zugreift. Die Batterie soll mehrere Wochen halten, je nach Lesedauer, WLAN- und Lichtnutzung. Im Vergleich zu den getesteten Geräten anderer Hersteller ist der Paperwhite mit 213 Gramm  der schwerste, was bei längerem Lesen negativ auffällt.

Die WLAN-Version kostet 129 Euro, die UMTS-Ausführung 189 Euro. Insgesamt ist der aktuelle Kindle ein sehr gutes Gerät, mit exzellenter Darstellung und komfortabler Kontextsuche. Auch, weil die Service-Funktionen des Amazon-Shops alle anderen übertreffen. Nachteile sind der vergleichsweise geringe interne Speicherplatz, der fehlende Kartenslot und die fehlende Kompabilität zum Epub-Format.

Kobo Glo

Farbig: der Kobo Glo.
Farbig: der Kobo Glo.(Foto: Promo / Screenshot n-tv.de)

Kobo? Das kanadisch-japanische Unternehmen rühmt sich damit, unabhängig zu sein, mit keinem großen Buchshop ist es fest verbandelt. Der aktuelle Kobo Glo hat ebenfalls einen beleuchteten Lesebereich. Wie beim Paperwhite ist diese nahezu stufenlos über das Onscreen-Menü einstellbar. Die Intensität der Tinte ist etwas weniger ausgeprägt als bei den anderen Geräten. Es stehen jedoch deutlich mehr verschiedene Schriftarten zur Auswahl. Die Anzeigenfläche dagegen hat die gleiche Größe wie das Amazon-Gerät, auch die Auflösung ist mit 1024 mal 758 identisch.

Auffällig ist, dass der Kobo, im Gegensatz zu den anderen beiden beleuchteten Readern, keine Probleme mit der Helligkeitsverteilung hat, obwohl er die gleiche LED-Technik verwendet wie die Konkurrenz. Das Licht wird über einen physischen Knopf ein- und ausgeschaltet. Zudem ist der Kobo Glo kleiner. Der Nutzer kann selbst definieren, über welche Bereiche der Anzeige er umblättern will und wo er das Menü aufrufen möchte. Integriert sind Lexika und Wörterbücher, eine weitere Kontextsuche ist nicht vorhanden. Wie beim Paperwhite ist eine Notizfunktion für Textstellen vorhanden.

Der Kobo Glo macht den schnellsten Eindruck von allen Geräten. Kaum eine Situation, in der er nicht hinterherkommt. Trotz der Unabhängigkeit von einem großen Buchshop hat der Glo per WLAN Zugang zur Kobo-Cloud, um über die rund 1 Gigabyte nutzbare interne Kapazität hinaus weitere Bücher zu speichern. An der Seite hat der Glo einen Slot für Speicherkarten, für bis zu 32 Gigabyte mehr. Vorbildlich sind die lesbaren Formate – Epub, PDF, Textdateien, HTML, verschiedene Grafikdateitypen und mehr. Damit sind fast alle Shops potenziell interessant, eine Dateiumwandlung selten nötig. Im Kobo Store sollen rund 3 Millionen Bücher und andere Inhalte verfügbar sein, davon 1 Million gratis. Zu Beginn etwas schwer zu finden ist die Volltextsuche nach Inhalten – sie versteckt sich neben dem Batteriestatus.

Der Kobo Glo kostet rund 130 Euro und macht dem Paperwhite Beine. Die Kleinigkeiten, etwa die ungenaue Kontextsuche, macht der Reader problemlos mit seinem offeneren Umgang mit Inhalten wieder wett. So ist etwa die Online-Leihe von Büchern wie beim Sony-Gerät möglich. Die Anzeige ist nicht so scharf wie beim Amazon-Vertreter, dafür aber gleichmäßiger ausgeleuchtet – und kleiner, bei gleicher Lesefläche. Zudem sind die Einstellmöglichkeiten der Darstellung exzellent.

Bookeen Cybook Odyssey Frontlight

Der deutsche Vertreter aus dem Hause Bookeen kommt von Thalia.
Der deutsche Vertreter aus dem Hause Bookeen kommt von Thalia.(Foto: Promo)

Das vierte getestete Gerät ist der "Bookeen Odyssey Frontlight HD", den der deutsche Buchhändler Thalia in den Ring geworfen hat. Der kommt wie alle anderen Reader mit einer Anzeigenfläche von 15,2 cm Diagonale daher, seine Auflösung ist 758 mal 1024 Pixel. Wie zwei der Konkurrenten setzt er auf Beleuchtung des Lesebereichs. Die Intensität ist einstellbar, wie auch einige Optionen der Textanzeige. Die ist zudem klar und scharf. Im Vergleich zu den anderen beiden Readern mit eigener Lichtquelle kommt der Bookeen dem Kobo am nächsten. Einen Vorteil hat der Thalia-Reader: Es gibt zwei seitlich positionierte Tasten zum Blättern. Zusätzlich funktionieren aber auch die bekannten Gesten auf der Multitouch-Anzeige.

Ansonsten hat der Odyssey Frontlight eine zentrale Taste, über die einerseits das Menü aufgerufen und bei längerem Drücken das Licht ein- und ausgeschaltet wird. Wie der Kobo Glo bleibt das Gerät mit 180 Gramm klar unter den 213 Gramm des Paperwhite. Optisch ist der Bookeen der größte Vertreter – vor allem wegen seiner geschwungenen Seiten. Negativ fällt zu Beginn der Touchscreen auf, der ein ums andere Mal davon überzeugt werden muss, die Eingaben bei der Kontoerstellung auch anzunehmen. Allgemein wirkt der Bookeen etwas träge.

Die entweder per Reader oder am Computer im Thalia-Shop erworbenen E-Bücher sind per Adobe-ID an den Nutzer gebunden. Zuvor über das gleiche System gekaufte Inhalte tauchen also auch auf dem Odyssey wieder auf. Das Lesegerät hat wie der Kobo neben dem relativ kleinen, internen Speicher auch einen Steckplatz für MicroSD-Karten bis zu 32 Gigabyte. Neben Epub, PDF, Textdateien und HTML kann er ein ganzes Arsenal an Bilddateitypen und gar Photoshop-Dateien anzeigen. Der Reader ist kompatibel mit Windows, iOS und Linux. Wie die anderen Geräte verhält er sich wie ein externer Datenträger, Inhalte können einfach kopiert werden.

Die Kontextsuche ist etwas spärlicher als bei der Konkurrenz – so ist zwar ein eigenes Lexikon enthalten, aber im Vergleich fehlt etwa die Möglichkeit der Übersetzung. Ein Plus sind die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten bei der Textanzeige, die allgemein ein gutes Bild abgibt. Während der Bookeen per USB-Kabel seinen Akku auflädt, ist Lesen nicht möglich. Diese Einschränkung hat keines der anderen Geräte. Der Bookeen Frontlight HD kostet 129,- Euro. Wie der Sony ist der Thalia-Vertreter ein solider Reader mit Stärken und Schwächen – wobei ihm die Beleuchtung einen Vorsprung vor dem PRS-T2 verschafft.

Fazit

Die vier Geräte haben mit rund 130 Euro alle den gleichen Preis, doch die Qualität variiert. An der Spitze stehen der Kindle Paperwhite sowie der Kobo Glo. Beide sind bedienerfreundlich, doch es sind Details, die unter die Überschrift Geschmackssache fallen. Wem Service aus einer Hand sowie eine vielseitige Kontextsuche wichtig sind, für den dürfte Amazons Gerät die richtige Wahl sein. Sind Vielseitigkeit bei der Shop-Auswahl und mehr Speicherplatz Argumente, hat der Kobo Glo die Nase vorn.

Thalias Bookeen Odyssey Frontlight HD fällt etwas zurück, ist aber mit seinen Anzeigeoptionen sehr vielseitig – und hat physische Tasten zum Umblättern und fürs Menü. Sony bietet wegen der fehlenden Beleuchtung insgesamt weniger für den Preis des Readers. Allerdings findet die Steuerung mehr über "echte" Tasten statt, und es ist das leichteste Lesegerät. Auch das können Argumente für einen Kauf sein.

Quelle: n-tv.de

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