Technik
Freitag, 24. Juni 2011

"Chinga La Migra": Lulzsec greift Arizona an

von Klaus Wedekind

Die Cracker-Gruppe Lulzsec veröffentlicht Geheimdokumente der Polizei von Arizona, um gegen die Einwanderungspolitik des US-Bundesstaates zu protestieren. Unter den Informationen sind Namen, E-Mail-Adressen und Passwörter von Behördenmitarbeitern und Details über die Arbeit von verdeckten Ermittlern. Aber auch Lulzsec steht weiter unter Beschuss.

Verbündete der Cracker-Gruppe Lulzsec haben sich in die Server des Arizona Department of Public Safety (AZDPS) gehackt und zahlreiche geheime Dokumente gestohlen. Vorrangiges Ziel war die Grenztruppe des US-Bundestaats, dessen "rassistische" Einwanderungspolitik die Cracker anprangern.

Lulzsec ruft dazu auf, weltweit Regierungsseiten zu hacken, um für Freiheit und gegen Korruption zu kämpfen.
Lulzsec ruft dazu auf, weltweit Regierungsseiten zu hacken, um für Freiheit und gegen Korruption zu kämpfen.

Lulzsec bezieht sich in seiner Stellungnahme zur Aktion "Chinga La Migra" ("Fick die Grenzpolizei") auf den Gesetzentwurf "Support Our Law Enforcement and Safe Neighborhoods" (Gesetz zur Unterstützung unserer Strafverfolgung und für sicheres Wohnen), das unter der Abkürzung SB 1070 im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte. Arizona will ein Bundesgesetz, das Einwanderern vorschreibt, sich immer ausweisen zu können, deutlich verschärfen, indem es Ausländer, die keine gültige Aufenthaltsgenehmigung bei sich haben, zu Kriminellen macht. Polizisten sollten bei Verdacht jeden Menschen kontrollieren können, wodurch sich dunkelhäutige US-Bürger diskriminiert fühlen. Ein Bundesgericht entschärfte zwar das Gesetz, indem es die umstrittenen Passagen strich. Arizonas Gouverneur versucht aber bis heute, SB 1070 in seiner ursprünglichen Version durchzusetzen.

Verdeckte Ermittler in Gefahr

Lulzsec hat einen Download-Link zu einer rund 450 Megabyte großen Datei auf der Bittorrent-Seite "The Pirate Bay" zum Download bereitgestellt, in der E-Mail-Adressen und -Korrespondenzen, Namen und Telefonnummern von Grenzpolizisten zu finden sind. Besonders brisant sind vermutlich Dokumente, die zeigen, wie die Polizei verdeckte Ermittler in kriminelle Organisationen einschleust und wie die Informanten in Drogenkartellen, Gangs oder rechtsgerichteten Organisationen arbeiten.

Interessant ist auch ein Abschnitt, in dem die Polizisten vor Smartphone-Apps gewarnt werden, die die Beamten auszutricksen könnten, indem sie beispielsweise ihre Aussagen heimlich aufzeichnen oder ihnen falsche Telefonnummern vorgaukeln. Die Behörden in Arizona haben bestätigt, dass die gestohlenen Dokumente echt sind. Die Webseite des AZDAP ist immer noch offline.

Lulzsec-Kopf enttarnt?

Unterdessen geht der Hackerkrieg immer verbissener weiter. So hat ein bisher noch nicht in Erscheinung getretener Hacker mit dem Kampfnamen Oneiroi die Webseite von Lulzsec durch eine DoS-Attacke vorübergehend lahmgelegt. Teampoison will herausgefunden haben, wie der richtige Name des angeblichen Lulzsec-Kopfs Sabu lautet und nennt ihn in Tweets jetzt Saad Naveed. Um zu beweisen, was für tolle Cracker sie sind, veröffentlicht Teampoison außerdem E-Mail-Adressen samt Passwort-Hashes, die sie beim britischen Online-Marktplatz Gumtree gestohlen haben. In Kürze werde eine mit dem US-TV-Sender CBS verbundene Webseite angegriffen, kündigt die Cracker-Gruppe an.

Erpresser statt Idealisten?

Ein Hacktivist, der sich Jester oder Tickety Tock Tock nennt, hat ein Protokoll veröffentlicht, indem er seine bisherigen Erkenntnisse über Sabu alias Xavier de Leon oder Xavier Kaotico auflistet. Um zu beweisen, dass Lulzsec nicht aus Überzeugung oder nur so zum Spaß Unternehmen angreift, hat Jester die Stellungnahme der Firma "Unveillance" verlinkt. Der Chef des Unternehmens gibt an, von Lulzsec erpresst worden zu sein. Als Beweis führt er ein Chat-Protokoll an, das er aufgezeichnet hat. Lulzsec wiederum macht sich über Jester lustig, nennt seine DoS-Attacken erbärmlich und bietet ihm eine Verbesserung seines Anti-Lulzsec-Tools an.

Selbstverständlich sind alle Behauptungen und Informationen, die von den verfeindeten Hackergruppen veröffentlicht werden, mit größtem Misstrauen zu betrachten. Aus der immer hitziger werdenden Korrespondenz geht jedoch hervor, dass der Hackerkrieg weiter eskaliert, weitere Namen - schuldig oder unschuldig - geleakt werden und weitere Hacker sich der einen oder anderen Seite anschließen.

Quelle: n-tv.de

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