Technik
Passen in jede Handtasche: Mini-Beamer.
Passen in jede Handtasche: Mini-Beamer.(Foto: jwa)

Klein, leicht - und hell genug? : Mini-Beamer mit Akku im Test

Von Johannes Wallat

Beamer müssen nicht unbedingt groß und teuer sein. Längst gibt es Modelle, die erschwinglich sind und gut ins Gepäck passen. n-tv.de hat drei Mini-Beamer getestet und herausgefunden, was sie können und wo ihre Grenzen sind.

Um sich den Traum vom Heimkino zu erfüllen, braucht man einen Projektor, der ein großes und helles Bild an die Wand wirft. Der Nachteil: Die meisten solcher Beamer sind teuer und unhandlich. In manchen Fällen sind die großen und leuchtstarken Projektoren aber gar nicht nötig, unterwegs taugt oft auch ein kleiner, handlicher und obendrein günstiger Mini-Beamer. Für Präsentationen außerhalb des eigenen Büros, Filmabende im Hotel oder im Urlaub oder auch als kostensparender Zimmerprojektor sind die kleinen Geräte mitunter die bessere Wahl. Im Test von n-tv.de zeigen drei Beamer-Zwerge mit Akku, was sie drauf haben.

Der kleinste im Test ist der Aiptek MobileCinema i60, ein Taschenbeamer, der kaum größer ist als ein iPhone 6 und nur etwas drei- bis viermal so dick. Der Projektor-Zwerg ist auf das Apple-Smartphone zugeschnitten, eine passende Halterung an der Oberseite hält es fest, wenn Medieninhalte direkt vom Smartphone wiedergegeben werden. Das ist praktisch, funktioniert allerdings nur mit dem iPhone 6. Andere Geräte wie das iPhone 5s, iPad Mini und iPad Air können ebenfalls mit dem Beamer verbunden werden, der stabilisierende Bügel an der Vorderseite ist hier aber nutzlos.

Projektor und Reserveakku

Der i60 ist speziell für das iPhone 6 gemacht.
Der i60 ist speziell für das iPhone 6 gemacht.(Foto: jwa)

Die Verbindung mit dem Beamer erfolgt über HDMI-Kabel. Für Apple-Geräte ist ein teures Adapterkabel nötig (Lightning Digital AV Adapter), das nicht im Lieferumfang enthalten ist und im Apple Store mit 49 Euro zu Buche schlägt. Auch andere Smartphones, Tablets oder Computer können per HDMI mit dem Mini-Beamer verbunden werden, auch hier benötigt man ein Extra-Kabel.

Die Abbildungsleistung ist in Ordnung, die maximale Bilddiagonale ist aber beschränkt, der Hersteller gibt bis zu 150 Zentimeter an, für ein ansprechendes Bild sollte man nicht über 1 Meter hinausgehen. Die Auflösung beträgt 640 x 480 Pixel, die Leuchtkraft wird mit 70 Lumen pro Quadratmeter angegeben (für ein gutes Bild in gut abgedunkelten Räumen werden mindestens 100 Lumen/qm empfohlen). Ein wirklich helles Bild ist damit dann auch nicht drin, bei völlig abgedunkelten Räumen ist das Ergebnis in Ordnung, bei geringer Abdunkelung eignet sich der i60 noch für Präsentationen mit hellem Hintergrund oder dafür, Inhalte auf dem Smartphone-Display in kleiner Runde an die Wand zu werfen. Für Filme oder andere Multimediadarstellungen ist er weniger geeignet. Praktisch ist aber: Der kleine Zwerg ist nicht nur Projektor, sondern auch Ersatzakku und kann bei Bedarf einen Smartphone-Akku wieder aufladen.  

Kleiner Flachmann: Der A100W.
Kleiner Flachmann: Der A100W.(Foto: jwa)

Der nächstgrößere Beamer im Test ist der Aiptek PocketCinema A100W. Er leuchtet heller, hat ein klareres Bild und kann auch auf einer größeren Projektionsfläche (maximal 2 Meter Diagonale) mehr überzeugen. Im Vergleich zum kleineren Ableger, der eher als nettes Zubehörteil denn als wirklich alltagstaugliches Gerät durchgeht, ist der PocketCinema durchaus in der Lage, eine Präsentation oder einen Film auf ansprechender Größe an eine Zimmerwand oder eine Leinwand zu projizieren. Auch hier sollte der Raum aber gut abgedunkelt sein. Der Hersteller gibt die Helligkeit mit 100 Lumen an.

Im Sichtvergleich mit dem i60 fällt auf, dass der A100W ein klareres Bild zeigt, während der i60 bei neutralen Farben einen leichten Gelbstich aufweist. Auch die Auflösung ist mit 854 x 480 Pixeln etwas höher. Als Anschlussmöglichkeiten bietet der Beamer HDMI-Eingang und -Ausgang, einen USB-Ausgang zum Laden von angeschlossenen Geräten sowie einen Klinkenausgang für externe Audioquellen. Der PocketCinema hat zudem einen eingebauten Lautsprecher, der ausreicht, um einen kleinen, ruhigen Raum zu beschallen. Für ein besseres Kinoerlebnis sollte aber auf jeden Fall ein externer Lautsprecher angeschlossen werden. Auffällig ist der Lüfter, der relativ laut zu Werke geht.

Bedienung per App oder Fernbedienung

Kugel-Beamer: Der PV150G.
Kugel-Beamer: Der PV150G.(Foto: jwa)

Um den Beamer per Smartphone zu bedienen, gibt es die kostenlose App "EZCast", über die die wichtigsten Einstellungen angepasst werden können. Wahlweise verbindet sich der Beamer auch kabellos über WLAN (Airplay beim iPhone) mit dem Smartphone. In diesem Fall ist es aber praktisch unmöglich, Inhalte aus dem Netz zu streamen, weil die WLAN-Verbindung belegt ist. EZCast bietet zwar einen eigenen Browser, doch im Test brach die Verbindung jedes Mal ab, wenn ein Videostream bei Netflix gestartet wurde. Auch hier empfiehlt sich also der Einsatz des mitgelieferten HDMI-Kabels. Ein Adapter für die Verbindung mit dem Smartphone muss dazu gekauft werden.

Ein umfangreiches Paket mit Beamer und Fernbedienung bietet der "Nano-Beamer" LG PV150G. Er ist ähnlich groß wie der PocketCinema, allerdings mit einem runderen und verspielteren Design. Er hat eine ähnliche Leuchtkraft wie der Aiptek-Beamer, die Helligkeit liegt auch hier bei 100 Lumen. Auch die native Auflösung ist mit 854 x 480 Pixel gleich, allerdings bietet der LG-Beamer im direkten Vergleich ein erkennbar schärferes und klareres Bild. Auch hier gibt es einen internen Lautsprecher, der für einfache Einsatzzwecke ausreicht. Der Lüfter ist ähnlich laut wie beim Aiptek-Modell, was im Betrieb aber nicht störend auffällt. Neben einem HDMI-Eingang und einen Audio-Ausgang gibt es einen USB-Steckplatz. Filme, Präsentationen oder andere Bilder können von USB-Sticks direkt angezeigt werden, ein Laptop oder Smartphone ist hier nicht nötig.

Erfreulich ist beim Nano-Beamer vor allem die mitgelieferte Fernbedienung, mit der man Zugriff auf das umfangreiche Einstellungsmenü hat. Hier kann man Bild und Darstellung optimieren, die Anzeige anhalten oder den Projektionswinkel korrigieren, wenn der Beamer schief steht - das erledigt der Beamer allerdings auch automatisch ("Auto Keystone"), Korrekturen waren im Test nicht nötig. Damit lässt sich der PV150G komfortabler bedienen als die anderen beiden Beamer im Test, gerade aufgrund der eingeschränkten Darstellungsqualität und der geringen Helligkeit ist es nützlich, dass sich Parameter wie Kontrast, Helligkeit und Farbgebung per Fernbedienung beeinflussen lassen. Man hat hier den Eindruck, einen vollwertigen Beamer zu nutzen, wenn auch mit schwächerer Darstellungsleistung als bei den großen Kollegen.

Alle drei Projektoren stoßen schnell an ihre Grenzen, sobald die Umgebung nicht gut abgedunkelt ist. Filme, in denen das Bild auch mal dunkler wird, sollte man also wirklich nur in dunklen Räumen und am besten nach Sonnenuntergang schauen. Zu mehr sind die kleinen Geräte nicht in der Lage. Übrigens: Je kleiner das projizierte Bild, desto heller ist es auch. Die Akkulaufzeit beträgt bei allen Beamern rund zwei Stunden, bei der Abbildungsleistung liegen der Aiptek PocketCinema und der Nano-Beamer von LG gleichauf. Testsieger ist dank der komfortablen und intuitiven Steuerung per Fernbedienung der LG-Beamer. Im Handel kostet das Modell der Koreaner rund 300 Euro, der Aiptek-Beamer ist ab 300 Euro aufwärts zu haben. Der kleine MobileCinema i60 kostet 260 Euro aufwärts.

Quelle: n-tv.de

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