Technik
Mit Moto Mods: Das Moto Z Play wird durch sein Zubehör besonders.
Mit Moto Mods: Das Moto Z Play wird durch sein Zubehör besonders.(Foto: jwa)
Mittwoch, 26. Oktober 2016

Dicker Akku, mächtige Mods: Moto Z Play zeigt, wie's geht

Von Johannes Wallat

Das Moto Z Play ist ein großes Smartphone mit mächtigem Akku. Besonders wird es aber erst durch die magnetischen Ansteck-Module. Lenovo zeigt, wie man's richtig macht.

Als LG im Frühjahr 2016 sein G5 vorstellte, kam zur Begeisterung der Experten schnell Skepsis. Das schicke Smartphone brachte mit der Dual-Kamera und den auswechselbaren Modulen zum Anstecken gleich doppelt frischen Wind in die Branche. Das Konzept war ungewöhnlich, die Umsetzung zumindest auf den ersten Blick gelungen - doch würde das Modul-Smartphone auch genügend Käufer finden oder ein Nischendasein fristen? Inzwischen ist klar: Es ist eher die Nische. Trotzdem traut sich auch Lenovo ans Modul-Thema heran, seine Smartphones Moto Z und Z Play können mit den "Moto Mods" genannten Ansteckteilen spielend leicht aufgemotzt werden. n-tv.de hat das Baukastenprinzip beim Moto Z Play getestet.

Besser als beim G5

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Schon beim ersten Antesten wird klar, dass die modularen Motos einen entscheidenden Vorteil zum G5 haben: Die Erweiterungen werden einfach an die Rückseite des Handys geklippt, Magneten sorgen für stabilen Halt. Das funktioniert in Sekundenschnelle und, viel wichtiger, ohne Neustart des Handys wie beim G5. Auch Pairing via Bluetooth oder WLAN ist nicht nötig, alle Mods funktionieren sofort. Und wer keine Erweiterung braucht, kann die Moto-Handys auch einfach so nutzen - beide sind dann extrem dünn und zeigen ihren schicken Glasrücken, die Kamera ragt deutlich hervor. Wer es lieber plan mag und die freiliegenden Kontakte schützen will, kann eine einfache Rückabdeckung (Style Mod) ohne weitere Funktion aufsetzen.

So viel Flexibilität macht Freude, verleitet unruhige Nutzer aber auch dazu, ständig mit der Abdeckung zu spielen und sie ab- und wieder anzuklippen. Wer stattdessen produktiv ist, sich der Benutzeroberfläche zuwendet und das Smartphone als Alltagsbegleiter nutzt, wird sich vor allem über dessen lange Ausdauer freuen. Das 450 Euro teure 5,5-Zoll-Handy mit Full-HD-Display hat einen starken Akku mit 3510 Milliamperestunden, der in den meisten Tests auf längere Laufzeiten kommt als nahezu die gesamte Smartphone-Konkurrenz - und damit auch das rund 150 Euro teurere Moto Z.

Power-Pack und Soundboost

Die Moto Mods werden magnetisch ans Moto Z Play angeklippt.
Die Moto Mods werden magnetisch ans Moto Z Play angeklippt.(Foto: jwa)

Zusätzliche Power gibt's mit dem Power-Pack-Lademodul, das noch einmal 2220 Milliamperestunden auf die Waage bringt. Wird es angeschlossen, lädt es den internen Akku des Smartphones. Im Test mit dem Moto Z Play reichte ein voller Akku-Mod aus, um den Telefonakku in rund 90 Minuten um 48 Prozent aufzuladen. Kleiner Nachteil: Das Mod kann nur geladen werden, wenn es am Smartphone steckt. Das beigelegte Turbo-Ladegerät macht den internen Akku in rund zwei Stunden randvoll. Das USB-C-Kabel ist jedoch fest angebracht, für eine Datenverbindung zum PC brauchen Nutzer ein Extra-Kabel. 

Damit ist das Z Play ein starkes Arbeitstier - oder eben ein guter Spielkamerad, wie es der Name suggeriert. Zum Videos schauen oder Games spielen bietet das Display genügend Schärfe und Helligkeit und schont zugleich den Akku, denn höhere Auflösung würde zulasten der Laufzeit gehen. Wer ohne Kopfhörer mit dem Handy Musik hören oder Filme gucken will, kann den Soundboost-Mod von JBL anstecken. Der dicke und robuste Aufsatz bietet zwei Lautsprecher und in der Mitte einen kleinen, ausklappbaren Ständer. Die Batterie soll 10 Stunden durchhalten, geladen wird per USB-C-Stecker. Klanglich ist das Sound-Mod in Ordnung und deutlich besser als der interne Lautsprecher, wenn auch nicht wirklich bassstark. Wird er angeklippt, springt die Wiedergabe nahezu nahtlos zum Mod über. Schön!

Hard- und Software wenig spannend

Technische Daten
  • System: Android 6.0.1
  • Display: 5,5 Zoll, AMOLED, Full HD (1920 x 1080 Pixel), 401 Pixel
  • Prozessor: Snapdragon 625, 2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 16 MP, f/2.0
  • Frontkamera: 5 MP, f/2.2
  • WLAN 802.11 a/b/g/n
  • NFC
  • USB-C
  • Akku: 3510 mAh
  • Maße: 156,4 x 76,4 x 7 mm
  • Gewicht: 165 g

Die Hardware-Ausstattung ist ausreichend, mit aktuellen High-End-Smartphones kann das Z Play aber nicht mithalten. Der Snapdragon-625-Prozessor ist ein gutes Mittelklasse-Modell, 3 Gigabyte Arbeitsspeicher bieten für die meisten Anforderungen ausreichend Reserven. Unverzichtbares Extra ist der blitzschnelle Finger-Scanner unterhalb des Displays. Eine Berührung entsperrt und aktiviert das Display, ein weiterer Tipp schaltet es wieder aus. Gewöhnungsbedürftig und erst einmal nervig: Der Finger-Leser ist kein Home-Button wie bei anderen Smartphones. Zurück auf den Startbildschirm führt nur die mittlere der drei Bildschirmtasten mit dem Kreis-Symbol. Die Folge: Nutzer, die andere Bedienkonzepte gewohnt sind, "vertippen" sich zu Anfang häufig.

Die Benutzeroberfläche bietet dagegen ein vertrautes Bild, Lenovo setzt wie immer auf fast reines Android mit wenigen Zusatzfunktionen und cleveren Gesten, die auch schon die Vorgängermodelle drauf hatten - doppeltes Drehen des Handgelenks startet zum Beispiel die Kamera. Die liefert ordentliche Fotos in allen Bereichen, gerät bei wenig Licht aber schnell an ihre Grenzen und ist etwas langsamer als die High-End-Konkurrenz. Die Software ist ebenso wie das Design des Smartphones selbst wenig aufregend.

Besonders wird das Z Play erst durch seine Begleiter, die Mods. Zum Start gibt es den Hasselblad-Kamera-Aufsatz, den n-tv.de auf der IFA ausprobiert hat (300 Euro), außerdem das Power-Pack (90 Euro) und die Soundboost-Lautsprecher (100 Euro) sowie einen kompakten Beamer für kleine Projektionen (350 Euro). Alle funktionieren gut, lassen sich einfach anbringen und intuitiv bedienen. Und sie starten ihre Funktion nahtlos aus dem laufenden Betrieb, also genau so, wie es sein soll. Auch wenn modulare Smartphones wohl bis auf weiteres ein Nischenthema bleiben werden - wenn einer zeigt, wie es geht, dann Lenovo mit der Moto-Z-Reihe.

Quelle: n-tv.de

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