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So sieht Nordkoreas Red Star OS aus.
So sieht Nordkoreas Red Star OS aus.(Foto: youtube.com/user/mjd7999)

Selbstschutz und Wasserzeichen: Nordkorea kopiert Mac OS X

Nordkorea hat ein eigenes Betriebssystem, das aussieht wie Apples Mac OS X. Experten haben es untersucht und berichten von einem vollwertigen, abgeschotteten System mit einigen Hintertüren.

Wer in Nordkorea ins Internet will, hat Pech. In dem abgeschotteten Land ist das weltweite Netz praktisch nicht erreichbar, der Datenverkehr wird staatlich kontrolliert, frei zugänglich sind weniger als 50 Websites, wie im Juli 2015 ein Bild des Fotografen Aram Pan dokumentierte. Wer einen Computer nutzen möchte, braucht eine Genehmigung, Facebook ist wohl für viele Nordkoreaner ein nie gehörtes Fremdwort. Doch nicht nur das Netz wird von Pjöngjang kontrolliert. Seit Jahren arbeitet Nordkorea auch an seinem eigenen Betriebssystem Red Star OS. Zwei deutsche IT-Experten haben die Software jetzt analysiert und auf dem 32. Chaos Communications Congress in Hamburg ihre Erkenntnisse präsentiert.

Die Benutzeroberfläche von Red Star OS 3.0 wirkt auf den ersten Blick vertraut: Ihr Look ähnelt frappierend Apples Betriebssystem Mac OS X, vorige Versionen waren noch an Microsofts Windows XP angelehnt. Wie Red Star OS aussieht, war aber schon vorher bekannt. Dass das Staats-OS keinen freien Zugriff auf Seiten im weltweiten Internet zulässt und nur staatliche Medien und einzelne offizielle Seiten angesurft werden können, ist wenig überraschend. Die Experten wollten, berichtet der "Guardian", darüber hinaus aber auch wissen, was unter der Oberfläche steckt und ob sich im Betriebssystem zum Beispiel Mechanismen zur Nachverfolgung oder zur Überwachung der Nutzer verbergen.

Linux-Kern mit Apple-Look

Die aktuelle Version des Betriebssystems, das Florian Grunow und Niklaus Schiess vom deutschen IT-Unternehmen ERNW untersucht haben, stammt aus dem Jahr 2013 und basiert auf der Linux-Distribution Fedora. Unter der Haube hat Red Star aber wenig mit Mac OS X oder Windows gemein - ein Großteil des Codes wurde von den nordkoreanischen Entwicklern modifiziert oder komplett neu geschrieben.

Das Ergebnis ist ein vollwertiges, komplett abgeschottetes Betriebssystem mit eigenen Verschlüsselungsmethoden und voller Kontrolle über den verwendeten Code. Ausländische Geheimdienste sollten so keine Möglichkeit bekommen, Rechner mit Red Star OS auszuspionieren, vermuten die Experten. Dazu gehört auch ein starker Schutz vor Veränderungen des Systems: Wenn ein Nutzer Kernfunktionen verändern und zum Beispiel die integrierte Firewall oder den Virenscanner deaktivieren wolle, zeige der Computer nur eine Fehlermeldung oder starte gleich neu.

Heimliche Wasserzeichen

Um das Problem von illegal ausgetauschten und weitergegebenen Filmen, Musikdateien und anderen Dokumenten zu bekämpfen, hat Nordkorea in Red Star laut den Experten außerdem einen Wasserzeichen-Mechanismus eingebaut, der heimlich alle Dokumente eindeutig markiert, die mit dem Computer in Kontakt kommen. Daten würden in Nordkorea vor allem über USB-Sticks und andere physische Speichermedien wie SD-Karten weitergegeben - das macht es schwierig, ihren Weg zurückzuverfolgen. Das Markierungs-Tool soll das Problem lösen, indem es jede Datei auf dem Computer und auf angeschlossenen Speichermedien mit einer eindeutigen Nummer markiert. So kann man genau nachverfolgen, auf welchen Rechnern eine Datei gewesen ist und woher sie ursprünglich kommt. 

Das Problem daran sei vor allem, so Grunow, dass die Nutzer nichts davon wüssten und die Markierung im Geheimen stattfindet - ein Verstoß gegen das Recht der Nutzer auf Privatsphäre. Wie viele Privatleute das Staats-OS aber überhaupt nutzen, ist unbekannt. Red Star ist ein vollwertiges Betriebssystem mit einer Reihe von Programmen, zum Beispiel einer Anwendung zur Textverarbeitung, einem Kalender oder einer Software zum Komponieren von Musik. Doch der Großteil der Nordkoreaner dürfte nach wie vor auf Windows XP oder Windows 7 setzen, wie "Golem" Ende 2014 berichtete.

Quelle: n-tv.de

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