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Elegantes Design und hochwertige Verarbeitung zeichnen das One M9 aus.
Elegantes Design und hochwertige Verarbeitung zeichnen das One M9 aus.(Foto: jwa)

HTC zeigt neues Topmodell: One M9: Schmuckstück in Gold und Silber

Von Johannes Wallat, Barcelona

HTC zeigt in Barcelona sein HTC One M9. Über das Flaggschiff der Taiwaner ist schon vor seiner Premiere das Meiste bekannt. Doch das neue One beweist wie seine Vorgänger, dass man es anfassen muss, um seine Klasse zu erkennen.

Mit dem neuen One hält HTC an dem Kurs fest, den es vor zwei Jahren mit dem One M7 eingeschlagen hat: Spitzentechnologie in einem edlen Metallgehäuse, die nicht nur viel kann, sondern auch gut aussieht und sich gut anfühlt. Die Taiwaner wissen, dass man heute mehr braucht als gute Hardware, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Und wie bei seinen Vorgängern liefert HTC auch mit dem M9 gekonnt ab: Das Gehäuse aus gebürstetem Aluminium fühlt sich kühl und edel an, das hohe Gewicht und die gute Verarbeitung strahlen Wertigkeit aus. Tatsächlich ist das neue One das Top-Smartphone, das alle erwartet haben - und das HTC liefern musste, um in diesem Jahr überhaupt eine Chance zu haben.

Man soll nicht mitten im Rennen die Pferde wechseln, das weiß man auch bei HTC. Für die One-Reihe gab es viel Lob von Journalisten und Experten. HTC hat dieses Lob nicht ohne Stolz entgegen genommen und die Botschaft verstanden: Bitte weiter so! Gesagt, getan, das M9 folgt der Designsprache seiner Vorgänger, es sieht dem M8 von vorne sehr ähnlich, beim zweiten Blick werden auch Erinnerungen an das M7 wach. Die Ecken sind wieder kantiger, schärfer geworden und nicht so rund wie beim M8, doch die charakteristischen One-Merkmale sind geblieben - das matte Aluminium, der gewölbte Rücken, die prominent in Szene gesetzten Boomsound-Lautsprecher. Im Vorfeld gab es Kritik dafür, das Design wurde als mutlos und langweilig abgetan. HTC nennt es das Gesicht der Marke, den unverkennbaren "Kühlergrill", an dem man ein One wie ein Markenauto auf den ersten Blick erkennt.

Erstklassiges Display

Der Unterschied steckt im Detail: Das M9 ist bei gleicher Bildschirmgröße etwas schmaler und kürzer als das M8, der Anschalter ist an die Seite gewandert (eine gute Entscheidung), das Kameramodul ist quadratisch mit abgerundeten Ecken. Vor allem aber ist das Gehäuse zweifarbig: "Gold on Silver" nennt sich die Farbvariante, mit der HTC am 31. März in Deutschland in den Verkauf startet (UVP: 749 Euro) - ein silbernes Gehäuse mit Goldrand als Hingucker. Zwei andere Farbvarianten sollen folgen, eine goldene und eine dunkelgraue Variante. Punkten will HTC abermals über den Faktor Wertigkeit. Die liegt aktuell im Trend - HTC setzt schon lange auf dieses Pferd, doch inzwischen haben auch die anderen Hersteller erkannt, dass die Käufer hochwertige Materialien und gute Haptik schätze. Samsung verabschiedet sich vom Plastik und setzt beim Galaxy S6 auf eine Mischung aus Glas und Metall (Sony tut das schon länger), Apple hat das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus in Aluminium gekleidet.

Wertigkeit in "Gold on Silver" mit Full-HD-Auflösung: Ein besseres LCD ist derzeit kaum auf dem Markt.
Wertigkeit in "Gold on Silver" mit Full-HD-Auflösung: Ein besseres LCD ist derzeit kaum auf dem Markt.(Foto: jwa)

Vorbei ist dagegen der Trend zu immer größeren Displays. Das M9 hat wie sein Vorgänger einen 5-Zoll-Bildschirm mit unveränderter Full-HD-Auflösung, beim Pixel-Wettrüsten macht HTC nicht mit: Höhere Auflösung gehe zu Lasten von Akkulaufzeit und Leistung und bringe zudem keine sichtbar bessere Darstellung, sagte ein HTC-Sprecher gegenüber n-tv.de. Tatsächlich ergibt eine höhere Auflösung erst in Kombination mit VR-Brillen oder in ähnlichen Szenarios Sinn, in denen der Bildschirm wie durch eine Lupe betrachtet wird. Im Alltagseinsatz ist der LCD-Bildschirm des M9 über jeden Zweifel erhaben, er ist brillant, strahlt hell und behält auch bei schrägen Betrachtungswinkeln satte Farben und Kontraste. Ein viel besseres LCD wird man derzeit nur schwer finden.

Software zum Selbstgestalten

Einen guten Eindruck macht auch die Benutzeroberfläche Sense 7, die HTC über Android 5.0 stülpt. Wie schon bei den Vorgängern unterscheidet sie sich in Aussehen und Funktionen deutlich vom puren Android, App-Symbole und andere Details wurden im neuen Sense behutsam überarbeitet, Extras wie die Gestensteuerung "Motion Launch" oder ein Handschuhmodus sind mit an Bord. Neu hinzugekommen sind einige Möglichkeiten zur Personalisierung. Die unteren drei Navigationstasten können beliebig angeordnet und bei Bedarf um eine vierte ergänzt werden, ein kleines, aber erfreuliches Detail, das es bei Smartphones von LG so ähnlich gibt.

Die wichtigsten technischen Daten
  • System: Android 5.0.2 Lollipop, HTC Sense 7
  • Display: 5 Zoll, 1920 x 1080 Pixel
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 810, Octacore, 2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD (bis 128 GB) 
  • Hauptkamera: 20 MP, f/2.2
  • Frontkamera: 4 MP Ultrapixel, f/2.0
  • Konnektivität: Bluetooth 4.1, LTE Cat. 6, NFC, WLAN a/b/g/n/ac
  • Akku: 2840 mAh
  • Nano-SIM
  • Abmessungen: 144,6 x 69,7 x 9,61 mm
  • Gewicht: 157 g

Wichtiger aber ist HTC das sogenannte "Theming": Nutzer können anhand vorgefertigter "Themes" das Smartphone nach ihren Wünschen umgestalten. Schriften, App-Symbole, Tastatur und Ziffernblock, Hintergrundfarben und Klingeltöne passen sich dem jeweiligen Thema an, auf Wunsch können alle Elemente einzeln eingestellt werden. Der Clou: Neben vorgefertigten Paketen können Nutzer auch eigene Themes erstellen, zum Beispiel anhand der Hauptfarben eines selbst aufgenommenen Fotos oder online über einen "Theme-Maker" im Browser - die Einstellungen werden dann über die Cloud aufs Smartphone übertragen.

Neu ist beim M9 auch der Homescreen, der seine Inhalte der Situation anpasst: Je nach Ort und Zeit werden auf dem Startbildschirm die meistgenutzten Apps angezeigt. Dafür muss der Nutzer nur ein paar Einstellungen vornehmen und zum Beispiel seinen Arbeitsplatz und das eigene Zuhause einspeichern. Das Smartphone erkennt dann die jeweilige Situation und zeigt passende Apps an. Auch der Blinkfeed, HTCs Nachrichten- und Social-Media-Portal, denkt beim M9 mit und schickt je nach Ort und Zeit Tipps und Empfehlungen direkt auf den Lockscreen, zum Beispiel in der Mittagszeit zu Restaurants in der Umgebung.

Ultrapixel wandern nach vorne

Der Rücken ist das Wiedererkennungsmerkmal der Marke mit dem typischen HTC-Design.
Der Rücken ist das Wiedererkennungsmerkmal der Marke mit dem typischen HTC-Design.(Foto: jwa)

Bei der Kamera geht HTC einen neuen Weg: Die Zeit der Ultrapixel ist nicht vorbei, doch der besonders lichtstarke Sensor mit einer maximalen Auflösung von 4 Megapixeln ist beim M9 an die Front gewandert, während er bei den Vorgängern noch zur Hauptkamera gehörte. Die Frontkamera soll dadurch bei Selfies für gute Ausleuchtung auch bei schlechten Lichtverhältnissen sorgen, wichtigste Faktoren sind hier harmonische, gute Ausleuchtung der Szenerie sowie das Weitwinkelobjektiv, damit auch die umstehenden Personen mit aufs Bild kommen. Die Hauptkamera hat beim M9 eine mächtige Auflösung von 20 Megapixeln bei einer Sensorgröße von 1/2,3 Zoll – damit sollen mehr Details eingefangen und der Qualitätsverlust beim digitalen Zoomen reduziert werden. Übrigens: Gegen Kratzer ist die Hauptkamera immun, eine Abdeckung aus Saphirglas schützt die Linse.

Auch hier setzt HTC auf besondere Software-Funktionen und spendiert dem M9 zum Beispiel einen Doppelbelichtungsmodus, in dem zwei Aufnahmen übereinander gelegt werden können. Auch sonst bietet die Kamera-App zahlreiche nützliche Funktionen, zum Beispiel einen komplett manuellen Modus, Aufnahmen mit Unschärfe-Effekt oder Split-Aufnahmen, bei denen Front- und Hauptkamera gleichzeitig ein Foto machen. Nicht alles davon ist exklusiv, manche Funktionen gibt es so ähnlich auch bei anderen Herstellern, doch Smartphone-Fotografen finden im M9 ein sehr gutes Gesamtpaket, das nur wenig Wünsche offen lässt.

Das gilt auch für das Gerät selbst: Das M9 ist ein hervorragendes Smartphone mit Top-Ausstattung und erstklassiger Verarbeitung, das in allen wichtigen Punkten auf dem neuesten Stand der Technik ist. Trotzdem dürfte es für HTC in diesem Jahr schwerer denn je werden, sich zu behaupten, und das liegt vor allem an der Konkurrenz. Mit Funktionen und Features allein lässt sich kein Kampf gewinnen, bei Smartphones zählt immer auch das Aussehen, die Form. Der größte Konkurrent ist Samsung, und der koreanische Hersteller hat mit dem Galaxy S6 erstmals ein Flaggschiff im Programm, das nicht nur technisch top ist, sondern auch durch hochwertige Verarbeitung und Materialwahl glänzt und nicht nur stark, sondern auch richtig schön wird. Es muss sich erst noch zeigen, ob HTC es schafft, sich gegen die Marktmacht des Branchenprimus durchzusetzen und genug Aufmerksamkeit für sein Flaggschiff zu erzeugen. Leicht wird das jedenfalls nicht.

Quelle: n-tv.de

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