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Qualcomm arbeitet an lernfähigen Chips und Ultraschall-Scannern.
Qualcomm arbeitet an lernfähigen Chips und Ultraschall-Scannern.(Foto: Qualcomm)

Ultraschall und KI-Chips: Qualcomm lässt Smartphones mitdenken

Auf dem Mobile World Congress demonstriert Qualcomm, wie es Smartphones künstliche Intelligenz verleiht. Außerdem im Programm: Ein Fingerabdrucksensor mit Ultraschall, der unsichtbar verbaut werden kann.

Der Snapdragon 810 wird in diesem Jahr der meistverbaute Smartphone-Prozessor in Highend-Geräten sein. Doch Qualcomms aktueller Chip ist in Barcelona schon Schnee von gestern, auf dem Mobile World Congress wird schon die nächste Generation vorgestellt. Star am Messestand ist aber nicht der Snapdragon 820, zu dem es noch nicht viele Informationen gibt. Qualcomms ganzer Stolz sind die Zeroth-Plattform, die Smartphone-Chips mit künstlicher Intelligenz versorgt sowie Sense ID, ein Fingerabdruck-Scanner mit Ultraschall-Technologie.

Zeroth macht Smartphones lernfähig  

Kognitives Computing ist Qualcomms heißes Eisen.
Kognitives Computing ist Qualcomms heißes Eisen.(Foto: Qualcomm)

Kognitives Computing und künstliche Intelligenz sind die Schlagworte für Qualcomms Zeroth-Plattform. Dahinter steckt eine Kombination aus Hardware und Software, die Smartphones mit quasi intelligenten Funktionen ausstattet (Wahrnehmen, Schlussfolgern und Handeln) und sie lernfähig macht. Im Kern der Demonstration in Barcelona steht die visuelle Komponente. Qualcomm zeigt, wie Smartphone- oder Tablet-Kameras dank Zeroth Handschrift und Text offline erkennen oder wie sie Bildinhalte und Motive bei Fotos und Videos automatisch analysieren und zuordnen können. So kann die Kamera anhand des Motivs zum Beispiel selbstständig die passenden Einstellungen wählen, Fotos aus der Galerie können nach Kategorien oder Motiven gefiltert werden.

Weitere Funktionen sollen hinzukommen, laut Qualcomm unter anderem optimierte Datenverbindungen, verbesserte Sicherheits-Features sowie Always-On-Funktionen, bei denen das Gerät ständig in Bereitschaft ist und auf Befehle durch Gesten oder Sprachbefehle direkt reagieren kann. Das Ziel ist, dass der Chip Entscheidungen selbstständig trifft und damit Prozesse optimiert und beschleunigt werden. Zeroth ist selbstlernend und wird immer "schlauer" und nützlicher, je besser sie ihren Nutzer und dessen Gewohnheiten kennt. Informationen werden zudem nicht in der Cloud, sondern direkt auf dem Gerät verarbeitet und gespeichert. Die Zeroth-Plattform wird für Geräte mit Qualcomms Snapdragon 820 optimiert. Sie soll aber laut Qualcomm nicht nur in Smartphones zum Einsatz kommen, sondern auch in anderen Geräten wie Wearables oder smarten Autos.

Sense ID: Unsichbarer Ultraschall-Sensor

Mit Zeroth denkt Qualcomm konsequent weiter, was viele Smartphones schon heute können. Das gilt auch für Sense ID, die Ultraschall-Technologie zum Scannen von Fingerabdrücken. Im Vergleich zu herkömmlichen kapazitiven Sensoren wie Apples Touch ID oder die Finger-Scanner in den Smartphones von Samsung soll Sense ID sicherer und genauer sein. Die Ultraschallwellen dringen tiefer unter die Oberfläche und liefern ein sehr detailliertes dreidimensionales Bild des aufgelegten Fingers, sogar einzelne Schweißporen sind im Test erkennbar. Sense ID ist so nicht nur schwerer zu knacken als herkömmliche Finger-Scanner, auch Verunreinigungen wie Dreck, Schweiß oder Handcreme beeinträchtigen die Funktionsweise nicht.

Der vielleicht größte Vorteil von Sense ID liegt aber woanders: Die Ultraschallwellen durchdringen auch Glas, Aluminium, Plastik oder Edelstahl, die Sensoren können also unsichtbar und an jeder denkbaren Stelle im Smartphone untergebracht werden. Das eröffnet Designern neue Gestaltungsspielräume und wird dafür sorgen, dass Smartphones mit Fingerabdruck-Scannern nicht nur sicherer, sondern auch schöner werden und die eigentliche Technologie hinter dem Design unsichtbar werden kann.

Sense ID ist mit Snapdragon-Prozessoren kompatibel und kann schon mit den aktuellen Modellen verwendet werden. Bis Hersteller die Ultraschall-Scanner verbauen, dürfte es aber noch etwas dauern. Denkbar ist eine Premiere der neuen Technologie zusammen mit dem nächsten großen Android-Update im Herbst 2015. Bereits für das aktuelle Google-Smartphone Nexus 6 war ein Fingerabdruck-Scanner vorgesehen. Mit Android 6 und dem nächsten Nexus könnte die Technologie dann tatsächlich kommen. Der chinesische Konzern Huawei, der als potenzieller Hersteller des nächsten Nexus gehandelt wird, hat bereits Erfahrung mit Finger-Scannern. Im Mate 7 ist ein solcher Sensor auf der Rückseite verbaut.

Quelle: n-tv.de

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