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Tapfer oder verrückt? Cyanogen will Android von Google befreien.
Tapfer oder verrückt? Cyanogen will Android von Google befreien.(Foto: rts/Google/Cyanogen/n-tv.de)
Freitag, 30. Januar 2015

Aufstand gegen Google: Revolution im Android-Lager

Von Klaus Wedekind

Cyanogen probt den Aufstand gegen Google. Das Unternehmen will Android befreien und Entwicklern und Nutzern ein Betriebssystem anbieten, über das sie bestimmen und nicht Google. Unterstützt wird die Revolution angeblich von Microsoft.

CyanogenMod (CM) ist wahrscheinlich die beliebteste alternative Android-Firmware der Welt. Mehr als elf Millionen Nutzer haben das Custom-Rom auf ihren Smartphones installiert. Unter anderem, um für ältere Geräte noch neue Android-Versionen zu erhalten oder um überfrachtete Hersteller-Oberflächen zu ersetzen. Mit Root-Zugriff können CyanogenMod-Nutzer auch Funktionen und Apps verwenden, die anderen Smartphone-Besitzern verwehrt bleiben. Wer möchte, kann unter dem CustomRom auch Google weitgehend aussperren, denn dessen Dienste-Apps sind im Installationspaket nicht enthalten.

Um wirklich alleiniger Herr über ein Gerät zu sein, bedarf es allerdings noch weiterer Schritte, da CyanogenMod Google Analytics integriert hat. Außerdem basiert das mit Version 10 eingeführte CM-Konto, das unter anderem zur Ortung und Fernlöschung im Falle eines Diebstahls dient, auf Google Cloud Messaging, das ohne Google Play Services nicht funktioniert. Wie man den proprietären Code loswird, erklärt Mike Kuketz in seiner sehr interessanten Blog-Reihe "Android ohne Google?!".

"Wir nehmen Google Android weg"

Von Android ohne die Allmacht Googles träumt aber auch Cyanogen, die Firma, die im Herbst 2013 aus dem CM-Projekt hervorgegangen ist und seitdem die Entwicklung des ROMs professionell vorantreibt. Geleitet wird sie von CM-Erfinder Steve Kondik (CTO) und Kirt McMaster (CEO). McMaster, der laut "Android Authority" schon früher gegen Googles "tyrannischer" Kontrolle über Android gewettert hat, kündigte kürzlich auf einer Veranstaltung von "The Information" an, Google das Betriebssystem Android entreißen zu wollen.

An die Nutzer denkt der CEO dabei nur in zweiter Linie. Cyanogen wolle eine offenere Android-Version erschaffen, in die "mehr Partner" ihre Dienste tief ins System integrieren könnten. So wie es Google bisher nur sich selbst erlaubt, beispielsweise bei Google Now. "Startups, die an künstlicher Intelligenz oder anderen Problemen arbeiteten, müssten dann keine "blöde kleine App" mehr veröffentlichen, die dann zwangsläufig von Google oder Apple geschluckt werde. Als Beispiel für einen möglichen Partner-Dienst nannte McMaster Yahoos "Aviate Launcher".

Firmen, die nicht nach Googles Pfeife tanzen, wird der Zugang zum Play Store und Diensten wie Gmail oder Maps verwehrt. Hersteller, die ihren Nutzern kein ähnliches Angebot machen können, haben keine Chance, egal welche Freiheiten sie ihnen sonst bieten. Das einzige Unternehmen, das dies relativ erfolgreich tut, ist Amazon - allerdings mit einem noch geschlossenerem System. McMaster ist aber optimistisch. In 18 Monaten soll Cyanogen bereits seinen eigenen App Store haben. Möglich machen sollen dies Partnerschaften, unter anderem mit alternativen App Stores. "Wir haben bisher nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was mobil möglich ist", so McMaster. Heute sei Cyanogen noch ein Stück weit von Google abhängig, morgen nicht mehr. "Es wird Dienste geben, die das Gleiche können - mit Android. Und dann kommt etwas anderes. Das ist, wohin wir gehen."

Microsoft im Boot?

Wer könnte Cyanogen auf diesem Weg begleiten? Wie das "Wall Street Journal" berichtet, könnte einer der Partner Microsoft sein. Der Google-Konkurrent soll sich mit einer kleineren Summe an einer 70 Millionen Dollar betragenden Finanzierungsrunde für die alternative Android-Version beteiligen. Die Gründe nannte die Quelle des Journals nicht. Microsofts Strategie unter Satya Nadella ist aber vor allem, Office und andere Dienste in möglichst viele Betriebssysteme zu integrieren. Außerdem könnte der Konzern durch die Investition neben Windows 10 für wenig Geld noch ein weiteres mobiles Eisen im Feuer haben, das vielleicht irgendwann eine ernsthafte Konkurrenz für Googles Android und Apples iOS werden könnte.

Es gibt aber auch "alte" Partner, die Cyanogen den Rücken kehren. Nachdem McMasters Firma in Indien mit dem Konkurrenten Micromax einen Exklusivvertrag für den Verkauf des Yu Yureka abgeschlossen hatte, kam es im vergangenen November zum Bruch mit dem Smartphone OnePlus, das mit dem OnePlus One mehr als nur Achtungserfolge feiert. Jetzt hat der chinesische Hersteller offiziell sein eigenes Betriebssystem angekündigt, das in der internationalen Version OxygenOS heißen soll. Einzelheiten will OnePlus am 12. Februar nennen.

Quelle: n-tv.de

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