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Ein genauer Blick in die Facebook-Einstellungen lohnt sich.
Ein genauer Blick in die Facebook-Einstellungen lohnt sich.(Foto: Jens Büttner/dpa)

Privatsphäre, Datenschutz, Werbung: So fesselt man die Facebook-Datenkrake

Von Johannes Wallat

Facebook ändert zum 1. Januar 2015 seine Nutzungsbedingungen. Widerspruch ist zwecklos. Doch mit den richtigen Einstellungen können Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten. Ein Blick in die Einstellungen lohnt sich.

Die neuen Geschäftsbedingungen von Facebook treten am 1.Januar 2015 in Kraft. Künftig will der Konzern auch außerhalb der eigenen Plattform vermehrt Daten über seine Nutzer sammeln, um noch gezielter Werbung schalten zu können. Außerdem sollen Nutzer durch einen "Kaufen"-Knopf noch enger an die Plattform gebunden werden. Wer nicht damit einverstanden ist, hat nur eine Möglichkeit: sein Profil zu löschen und dem Netzwerk den Rücken zuzukehren. Viele nutzen Facebook aber so intensiv und selbstverständlich, dass das für sie nicht in Frage kommt. In diesem Fall empfiehlt sich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Einstellungsmenü, denn mit den richtigen Klicks kann man sich die Selbstbestimmung über die eigenen Daten zumindest ein Stück weit erhalten.

Privatsphäre: Nicht alles öffentlich machen

Zu den Einstellungen gelangt man über das Kontextmenü, das sich ausklappt, wenn man das kleine Dreieck in der rechten oberen Ecke anklickt. Es lohnt sich, jede Kategorie einmal anzuklicken und zu schauen, was sich dahinter verbirgt. Hier kann man zum Beispiel festlegen, dass Beiträge wie Statusmeldungen, Fotos oder Videos nur von den eigenen Facebook-Freunden gesehen werden und nicht öffentlich einsehbar sind. Für ältere bereits veröffentlichte Beiträge müssen diese Einstellungen einzeln vorgenommen werden, oder man macht gleich alle älteren Beiträge nur noch für die eigenen Facebook-Freunde sichtbar. Außerdem empfiehlt es sich, die Sichtbarkeit für Suchmaschinen wie Google einzuschränken, damit diese nicht direkt auf das eigene Facebook-Profil verlinken können.

Ein Dinosaurier erklärt die Privatsphäre.
Ein Dinosaurier erklärt die Privatsphäre.(Foto: Facebook)

Bei neuen Statusmeldungen, Fotos aus dem Urlaub oder kurzen Familienvideos sollte man genau hinschauen, mit wem man die Inhalte teilt. Bei jedem Beitrag kann man über einen Schalter links neben dem "Posten"-Button auswählen, wer ihn sehen kann. Hier sollte man keinesfalls "Öffentlich", sondern allenfalls "Freunde" wählen oder die Adressaten über "Weitere Optionen" noch mehr einschränken. Eine anschauliche Einführung in die Privatsphäre-Grundlagen bietet Facebook über die "Privatsphäre-Verknüpfungen", die man über das kleine Vorhängeschloss in der oberen rechten Ecke erreicht. Es lohnt sich, etwas Zeit auf dieser ansprechend gestalteten Seite zu verbringen, da selbst Facebook-Profis hier noch etwas lernen können.

"Likes" für jeden sichtbar

In den Einstellungen findet sich auch die Kategorie "Apps". Hier kann man zum Beispiel festlegen, ob Apps von Dritten oder externe Websites die Facebook-Integration nutzen können. Das ist zum Beispiel bei Apps wie Spotify oder auch bei Spielen wie Farmville der Fall. Die Facebook-Integration ist bequem, da oft eine gesonderte Anmeldung mit neuem Konto entfällt, doch je mehr Apps und Websites mit dem Facebook-Konto verknüpft sind, desto mehr Daten gelangen in die Hände Dritter. Besonderes Augenmerk gilt hier den "Von anderen Nutzern verwendete(n) Apps". Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, dass andere Nutzer (Facebook-Freunde) die eigenen Informationen durch die Hintertür an andere Anwendungen, Spiele und Webseiten weitergeben können. Wer hier nicht alle Häkchen entfernt, riskiert also, dass die eigenen Daten zu Dritten gelangen, ohne dass man selbst aktiv wird oder etwas davon bemerkt.

(Foto: Facebook)

Wer von Facebook nicht als Werbebotschafter missbraucht werden möchte, muss im Bereich "Werbeanzeigen" die entsprechenden Einstellungen vornehmen. "Gefällt mir"-Angaben bei Restaurants, Geschäften oder bestimmten Produkten können den eigenen Facebook-Freunden zum Beispiel zusammen mit dem entsprechenden Werbebanner angezeigt werden. Wer seine "Likes" nicht für Werbezwecke freigeben möchte, klickt hier auf "Bearbeiten" und wählt dann unterhalb des "Beispiel(s) für eine Facebook-Werbeanzeige" "Niemand".

Übrigens: Wer irgendwo "Gefällt mir" klickt, tut dies standardmäßig immer für die Öffentlichkeit. Wer nicht möchte, dass seine "Likes" für jeden sichtbar sind, muss auf seinem Profil im oberen Bereich rechts neben dem Profilbild auf "Mehr" klicken und anschließend den Punkt "'Gefällt mir'-Angaben" anwählen. Wenn der nicht sichtbar ist, muss man ihn über "Abschnitte verwalten" erst mit einem Häkchen aktivieren und in der Liste nach oben ziehen. Anschließend werden alle "Gefällt mir"-Angaben aufgelistet. Mit einem Klick auf das Stift-Symbol (Verwalten) rechts oben kann man die Privatsphäre für jede Kategorie (Filme, Sportler, Essen, Mode etc.) bearbeiten.   

Nutzungsbasierte Werbung

Schwierig wird es auch, wenn man nicht möchte, dass andere Webseiten und Apps mit Facebook zusammenarbeiten, um über das soziale Netzwerk Werbung für ihre eigenen Produkte zu verbreiten. Für diese "interessenbasierte Werbung", die Facebook in Deutschland neu einführt, geben die Websites Informationen über ihre Besucher an Facebook weiter. Die zeigen anschließend die passende Werbung - sowohl auf als auch außerhalb von Facebook.

Wer damit nicht einverstanden ist, dem bleibt nur der Weg über die Plattform der European Digital Advertising Alliance (EDAA), einem Zusammenschluss europäischer Werbeunternehmen im Internet. Hier kann der Besucher einsehen, welche Unternehmen aktuell von ihm Nutzungsdaten für interessenbasierte Werbung erheben. Auf Wunsch können einzelne oder gleich alle Anbieter deaktiviert werden. Das bedeutet aber nicht, dass man anschließend weniger Werbung zu sehen bekommt, sondern lediglich, dass die Werbung, die man sieht, nicht mehr an die eigenen Nutzungsmuster und Interessen angepasst wird. Wie man auf Facebook selbst beeinflussen kann, welche Werbung erscheint, wird auf einer eigens eingerichteten Support-Seite erklärt.

Wer die oben genannten Schritte befolgt, bewahrt sich zumindest einen Teil der Kontrolle und schützt seine Daten und Inhalte auf Facebook vor neugierigen Augen. Bei all dem darf man aber nicht vergessen, dass man grundsätzlich sparsam mit den Informationen sein sollte, die man auf derlei Plattformen preisgibt. Übrigens: Die Bilder mit Widerspruchserklärungen, die immer wieder in Wellen über das Netzwerk verbreitet werden, sind absolut wirkungslos und rechtlich nicht bindend, auch wenn sich dieser Irrglauben hartnäckig hält.

Quelle: n-tv.de

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