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Threema ist die sicherste WhatsApp-Alternative.
Threema ist die sicherste WhatsApp-Alternative.(Foto: rts/kwe)

Stiftung Warentest prüft Datenschutz: WhatsApp-Alternativen im Test

Nachdem Facebook WhatsApp gekauft hat, suchen viele Nutzer des Messengers einen Ersatz. Angebote gibt es viele, aber welcher Dienst ist wirklich sicher? Stiftung Warentest überprüft WhatsApp sowie bekannte Alternativen und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis.

Schon vor dem Verkauf an Facebook gab es gute Gründe, bei der Nutzung von WhatsApp vorsichtig zu sein oder ganz darauf zu verzichten. So ist die Verschlüsselung unzureichend und die kompletten Adressbücher der Kunden werden über US-Server abgeglichen. Trotzdem gab es bisher keine echte Wechselstimmung, ganz einfach, weil WhatsApp fast alle nutzen und es wenig hilft, einen Messenger zu installieren, über den niemand kommuniziert. Alternativen konnten sich nur in kleinen Gruppen durchsetzen, keine App erreichte die kritische Masse, um wie Whatsapp zum Selbstläufer zu werden.

Doch die Abneigung vieler Nutzer gegen Facebook könnte jetzt alles ändern. WhatsApp-Konkurrenten schießen in den Download-Charts an die Spitze, unter Arbeitskollegen und auf Schulhöfen wird über mögliche Wechselkandidaten diskutiert. Doch bevor man vom Regen in die Traufe kommt, sollte man sich nicht nur deren Funktionen und Design sehr genau anschauen.

Stiftung Warentest hat sich vier populäre WhatsApp-Alternativen genau angesehen und überprüft, wie sorgsam die Messenger mit den Daten ihrer Nutzer umgehen, was die AGB verraten und wie transparent die Funktionsweise der Apps ist.

WhatsApp auch ohne Facebook "sehr kritisch"

Den Datenschutz von WhatsApp selbst bewertet Stiftung Warentest als "sehr kritisch". Der Messenger bietet keine durchgehende Verschlüsselung an, überträgt Adressbucheinträge ungefragt und gibt Telefonnummern an Dritte weiter. WhatsApp erlaubt sich, die AGB jederzeit zu ändern und Informationen an die Strafverfolgung weiterzuleiten - ohne die Nutzer davon in Kenntnis zu setzen. Die Programmierung der App ist nicht transparent (quelloffen), daher konnten die Tester nicht fest­stellen, welche weiteren Daten sie möglicher­weise in verschlüsselter Form über­trägt. Sie können aber - wie bei allen Testkandidaten - ausschließen, dass WhatsApp weitere Daten unverschlüsselt kommuniziert.

Das aus Japan stammende Line wird ebenfalls als "sehr kritisch" eingestuft, obwohl Adressbucheinträge nur mit Zustimmung der Nutzer übertragen werden und die App auch ohne diese Informationen nutzbar ist. Der Dienst bietet keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, der Anbieter könnte also Chats mitlesen. Die Android-App sendet die Seriennummer unverschlüsselt an Dritte, die iPhone-App schickt bei älteren iOS-Versionen die nicht änderbare WLAN-Adresse verschlüsselt an den Anbieter. Auch die Line-AGB können jederzeit geändert werden, ohne dass die Nutzer informiert werden und der Code ist nicht quelloffen.

Blackberry doch kein Sicherheitsexperte?

"Sehr kritisch" schätzen die Tester auch den Datenschutz bei Blackberrys BBM ein. Die Tester konnten nicht eindeutig feststellen, ob eine durchgehende Verschlüsselung existiert. Zumindest die iOS-Version überträgt Daten teilweise unverschlüsselt, gibt Vor- und Nachname an Dritte weiter und versendet in verschlüsselter Form die Email-Adressen der Nutzer. Die Android-App überträgt verschlüsselt Nutzer­name und Pass­wort, Vor- und Nach­name, Geburts­datum, Heimatland, die Email-Adresse sowie die Sicher­heits­frage und deren Antwort. Positiv: Der Messenger ist auch verwend­bar, wenn der Nutzer dem Auslesen seines Adress­buches nicht zustimmt.

In den AGB gestattet sich das kanadische Unternehmen, die über den Messenger gesammelten Informationen mit Erkennt­nissen über den Nutzer aus anderen Quellen zu kombinieren. Auf diese Weise kann das Unternehmen präzise Persönlich­keits­profile erstellen und Werbung gezielt auf den Nutzer zuschneiden. Auch das Recht zur Daten­weitergabe an Dritte ist sehr groß­zügig gestaltet. Black­berry lässt offen, welche Informationen es an wen weiterreichen darf.

Sicherheit kostet ein bisschen Geld

Das russische Telegram verzeichnet in den vergangenen Tagen Rekordzuwächse und ist derzeit wahrscheinlich der populärste WhatsApp-Ersatz. Die Tester bewerten den Messenger etwas besser als Line und Blackberry, beurteilen den Umgang mit dem Datenschutz bei Telegram aber immer noch als "kritisch". Zwar bietet die App auf Wunsch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sie speichert aber ungefragt alle Adressbucheinträge und in den AGB fehlen ein Impressum und eine Kontaktadresse für Datenschutzanfragen. Als einziger Testkandidat ist Telegram zumindest teilweise offen, Stiftung Warentest war aber trotzdem keine vollständige Analyse der Datenübertragung möglich.

Der eindeutige Sieger des Tests stammt aus der Schweiz. Threema bietet eine sehr gute, durchgehende Verschlüsselung und Adressbücher werden nur auf Wunsch des Nutzers zum Abgleich verwendet. Gespeichert werden in diesem Fall keine Klarnamen, sondern Pseudonyme. Wer möchte, kann IDs anderer Threema-Nutzer auch nur manuell hinzufügen. Einzige Einschränkung von Stiftung Warentest: Da Threema nicht quelloffen ist, können die Tester nicht ausschließen, dass Daten verschlüsselt übertragen werden. Zwar ist die App neben WhatsApp im Testfeld der einzige kostenpflichtige Messenger. Der Preis für so viel Sicherheit ist aber relativ gering. Die Android-App kostet einmalig 1,60 Euro, die iOS-App 1,79 Euro.

Quelle: n-tv.de

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