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Die Online-Enzyklopädie Wikipedia sieht sich auf einer Stufe mit den Pyramiden.
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia sieht sich auf einer Stufe mit den Pyramiden.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft: Wikipedia will Welterbe werden

Von Thomas Leidel

Zum zehnten Geburtstag der Freien Online-Enzyklopädie gab es weltweit über 400 Feiern, einen Riesen-Presserummel und jede Menge Wikipedia-Torten. Im elften Jahr wollen Wikipedianer noch eins draufsetzen und mit der größten Sammlung freien Wissens auf der Erde die UNESCO-Liste des Weltkuturerbes erstürmen.

Wikipedia ist nicht nur online ein Phänomen.
Wikipedia ist nicht nur online ein Phänomen.(Foto: Lane Hartwell)

"Wikipedia muss Weltkulturerbe werden!" ist das Motto einer Initiative, die der Förderverein Wikimedia Deutschland auf der Bloggerkonferenz re:publica vorstellte. Ziel des Vorhabens sei, den weltweit zehntausenden ehrenamtlichen Mitarbeitern der Wikipedia die verdiente Wertschätzung zu verschaffen, aber auch, den Gedanken des "Freien Wissens" zu verbreiten, den kritischen Umgang damit zu stärken und den Zugang dazu zu schützen, sagte Wikimedia-Projektmanager Sebastian Sooth in der Berliner Kalkscheune.

Steiniger Weg

Der Weg auf die Liste der UNESCO ist selbst für herausragende Bauwerke lang und steinig - und digitale Erzeugnisse sind dort eigentlich gar nicht vorgesehen. Daher wollen die Wikipedianer im Jubiläumsjahr auch nicht das übliche Prozedere durchlaufen, sondern sich mit einer Petition direkt an die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur wenden.

Größte Sammlung freien Wissens auf der Erde: die Online-Enzyklopädie Wikipedia.
Größte Sammlung freien Wissens auf der Erde: die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Eine Aktions- und eine Projektseite gibt es bereits jetzt im Netz, nach Ostern soll dann auch die Online-Petition freigeschaltet werden. Selbst wenn sich nur ein kleiner Teil der vielen Millionen Wikipedia-Nutzer als Befürworter einträgt, wird dabei eine stattliche Zahl zustande kommen. Schließlich zählt Wikipedia weltweit zu den reichweitenstärksten Webseiten überhaupt, wie Wikimedia-Pressesprecherin Catrin Schoneville nicht ohne Stolz erklärte. Und: auch bei den alljährlichen Spendenaufrufen an die Nutzer kommen immer wieder neue Rekordergebnisse zusammen: in der Kampagne Ende 2010 waren es rund 16 Millionen US-Dollar.

Kein Selbstläufer

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Trotzdem ist die Aktion kein Selbstläufer. Denn die Richtlinien der Unesco sind umfangreich und werden streng ausgelegt, wie etwa der Konflikt um das Dresdner Elbtal gezeigt hat. Einige Kriterien erfülle die Wissenssammlung in jedem Fall. So sei sie ohne Zweifel "ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft", sagte Sooth. Im Übrigen gebe es zwar auch Richtlinien zu grenzüberschreitenden Welterben, es sei allerdings bisher kein weltumspannendes Kulturgut anerkannt worden.

Aber man wolle sich nicht zu sehr auf die Kriterien fixieren. Schließlich sei klar, dass Wikipedia nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern auch ein herausragendes Beispiel sei "für einen kulturellen Wandel im Umgang mit Freiem Wissen". Schon allein deshalb gehöre sie in "die Riege der schützenswerten Kulturgüter".

Doch was könnte da eigentlich unter Schutz gestellt werden? "Die UNESCO soll natürlich nicht jeden einzelnen Artikel schützen", ergänzte Sooth. Das wäre auch schwierig, liefern sich die vielen Autoren praktisch täglich in ihren "edit wars" teils erbitterte Kämpfe um Wahrheit, Genauigkeit, Relevanz und Formulierungskunst. "Es geht viel mehr darum, dass jeder an einer sich ständig entwickelnden Wissenssammlung mitarbeiten und jeder sie frei nutzen kann", sagt Sooth. Und ergänzt mit Blick auf kommerzielle Einflüsse: "Auch frei von Werbung."

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Quelle: n-tv.de

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