Technik

Büro oder Kündigung: Yahoo verbietet Homeoffice

Zu ihrem Einstand bei Yahoo führt Marissa Mayer kostenloses Kantinenessen ein und verteilt iPhones an alle. Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen. Und deshalb sollen sie jetzt auch immer ins Büro kommen und dürfen nicht mehr von zu Hause aus arbeiten. Wer sich weigert, fliegt raus.

Yahoo-Chefin Mayer will wissen, wer für sie arbeitet.
Yahoo-Chefin Mayer will wissen, wer für sie arbeitet.(Foto: AP/dpa)

Im heimischen Arbeitszimmer, auf der eigenen Terrasse oder im Büro – wo die Yahoo-Angestellten am Rechner sitzen, war bislang egal, solange sie ihre Arbeit machten. Jetzt macht Yahoo-Chefin Marissa Mayer Schluss mit der großzügigen Homeoffice-Regelung: Ab Juni herrscht für alle Mitarbeiter Anwesenheitspflicht, und zwar ohne Ausnahme. Betroffen sind nicht nur die paar hundert Angestellten, die Vollzeit von zu Hause aus arbeiten, sondern auch all diejenigen, die ein oder zwei Tage pro Woche Telearbeit vereinbart haben. Wer mit der Neuregelung nicht einverstanden ist, muss gehen.

Dem Blog AllThingsD liegt das interne Schreiben vor, in dem Personalchefin Jackie Reses die Maßnahme ankündigt. Um aus Yahoo den "besten aller Arbeitsplätze" zu machen, müsse man kommunizieren und zusammenarbeiten, und das sei eben nur möglich, wenn alle Mitarbeiter vor Ort seien, schreibt Reses und preist die Büroarbeit an: Viele Entscheidungen und Erkenntnisse kämen einem bei Flurgesprächen oder in der Cafeteria, man lerne neue Leute kennen und außerdem seien spontane Team-Meetings möglich. Bei der Heimarbeit bleibe zudem oft die Geschwindigkeit auf der Strecke, die Qualität ebenso.

Mehr Kontrolle gewünscht

Genau das dürfte auch einer Hauptgründe für Mayers Entscheidung sein, glaubt man einer Quelle aus ihrem Umfeld, die der Business Insider zitiert: Eine "große Zahl" von Leuten bei Yahoo arbeite versteckt und komme nie ins Büro – und viele von ihnen seien "nicht produktiv". Das betreffe nicht nur Mitarbeiter im Kundenservice, sondern aus allen Bereichen, vom Marketing bis zur Entwicklung. Einige von ihnen dürften angesichts der Neuregelung die Kündigung einreichen, was Mayer wohl nicht ungelegen käme. Schließlich muss Yahoo Kosten senken. Oder wie es der Business Insider ausdrückt: Der Konzern  sei "im Laufe der letzten 15 Jahre fett und faul geworden und Mayer macht sich jetzt daran, ihn wieder in Form zu bringen".

Wie ernst Mayer die Anwesenheitspflicht ist, zeigt auch, dass die Mitarbeiter selbst in begründeten Fällen nicht unbedingt auf Kulanz hoffen können. Wer etwa Handwerker im Haus hat, solle es sich zweimal überlegen, ob er deswegen nicht ins Büro kommt, schreibt Rese sinngemäß in ihrem Memo. 

Ein "Moral-Killer"

Bei den Mitarbeitern stoßen die Anordnung und der kompromisslose Tonfall auf Verärgerung - insbesondere bei denen, die aufgrund der flexiblen Arbeitsmöglichkeiten zu Yahoo kamen. "Es ist empörend und ein Moral-Killer", zitiert AllThingsD einen Betroffenen. Bei ihrem Antritt im letzten Sommer hatte Marissa Mayer zunächst eifrig Sympathiepunkte gesammelt, indem sie die gesamte Belegschaft mit hochwertigen Smartphones ausstattete und kostenloses Essen in der Cafeteria einführte.

Derlei Annehmlichkeiten sind im Kampf um die guten Köpfe in der IT-Branche nicht unüblich. Auch Heimarbeit ist gängige Praxis - allerdings nicht überall. Bei Facebook und Google etwa seien die Mitarbeiter üblicherweise vor Ort, so der Business Insider.     

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Quelle: n-tv.de

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