Technik

Immer mehr RedTube-Abmahnungen: Zehntausende gehen in die Porno-Falle

Die Abmahn-Welle wegen angeblich illegalen Streamens von Videos der Porno-Plattform RedTube nimmt gewaltige Ausmaße an, offenbar sind Zehntausende Nutzer betroffen. Doch der Schuss könnte für die Abmahner nach hinten losgehen.

Derzeit sorgen Massen-Abmahnungen der Regensburger Anwaltskanzlei U + C für Schlagzeilen. Die angeschriebenen Nutzer sollen illegal Videos von der Porno-Plattform RedTube gestreamt haben. Zunächst schien es, als seien "nur" rund Zehntausend Telekom-Kunden betroffen, doch nach Einblick in die Akten gehen Anwälte davon aus, dass mehrere Zehntausend Nutzer bereits abgemahnt wurden oder noch werden. Die Kanzlei Werdermann | von Rüden hat auf ihrer Webseite "Abmahnhelfer.de" den beim Kölner Landgericht eingereichten Antrag auf Herausgabe von Nutzerdaten veröffentlicht.

Offen ist auch noch, ob Nutzer durch Malware oder Traffikdienste in die Falle gelockt wurden.
Offen ist auch noch, ob Nutzer durch Malware oder Traffikdienste in die Falle gelockt wurden.(Foto: n-tv.de)

Man habe bisher über 1000 Telefongespräche mit Betroffenen geführt, täglich kämen neue hinzu, berichtet die Kanzlei. Dabei scheine es sich bisher ausschließlich um Telekom-Kunden zu handeln. Anhand der Aktenzeichen der Rechtsanwaltskanzlei U + C sei aber ersichtlich, dass Zehntausende Internetanschluss-Inhaber betroffen seien und möglicherweise in den nächsten Tagen noch weitere Internetanbieter zur Auskunft verpflichtet werden. Auch Kunden von Kabel Deutschland oder anderer Provider könnten daher noch Abmahnungen erhalten, warnt Rechtsanwalt Johannes von Rüden.

Doch der Spezialist für die Abwehr Filesharing-Abmahnungen hat Hinweise in dem Antrag gefunden, der in ihm den Verdacht erweckt, dass die IP-Adressen "möglicherweise unter Verstoß gegen das Datenschutzgesetz herausgegeben wurden", schreibt er. "Das könnte strafbar, zumindest aber auf jeden Fall ordnungswidrig gewesen sein."

Besonders stutzig machen den Anwalt, Angaben zur Funktionsweise der eingesetzten Überwachungs-Software: "Dateien beziehungsweise Dateibündel werden eindeutig durch eigene URL, mithin eine einzigartige Rescourcenverweisung (Link) identifiziert. Für jeden dieser Links existiert ein einzigartiger, sogenannter Hash-Wert, der mit dem digitalen Fingerabdruck einer Datei oder eines Links vergleichbar ist und diesen unverwechselbar macht." Weiter heißt es: "Nach dem Sammeln dieser Daten zu den einzelnen urheberrechtlich geschützten Werken, werden diese zur Probe heruntergeladen. Diese Dateien werden dann mittels manueller Hör- und Sichtprobe daraufhin überprüft, ob sie tatsächlich urheberrechtlich geschütztes Material enthalten." Erst nach dieser Probe würde die Protokollierung der Daten beginnen. Die in dem Verfahren gesammelten 1000 IP-Adressen sollen zwischen dem 8. August und dem 11. August 2013 auf den Film "Amanda's Secret" zugegriffen haben.

Gericht hinters Licht geführt?

Für von Rüden erklärt dies nicht, wie genau die beauftragte Firma itGuards die Daten ermittelt hat. Die Ausführungen erinnerten sehr stark an die Funktionsweise von Software zur Überwachung von Filesharing-Netzwerken. "Dass die Daten heruntergeladen worden sein sollen und dann von einem Mitarbeiter angehört und angesehen wurden, ist wahrscheinlich großer Humbug." Offenbar sollte das Landgericht Köln hinters Licht geführt werden, schreibt der Anwalt.

Doch auch die Richter haben vielleicht nicht sehr sorgfältig gearbeitet oder wie von Rüden es nennt, das Gericht "unterlag wohl einem deutlichen Irrtum, als es dem Antrag stattgab." Denn in seinem Beschluss schreibe es, dass ein geschütztes Werk in einer Tauschbörse zugänglich gemacht worden sei. "Das ist pikant, denn in dem Antrag steht nichts von einer Tauschbörse", so von Rüden.

Im Antrag des Berliner Abmahn-Anwalts Daniel Sebastian heißt es sehr allgemein, dass itGurads damit beauftragt sei, festzustellen, ob im Internet auf sogenannten Download-Portalen Filme ohne Zustimmung der Rechteinhaber angeboten werden. "Weder weisen der Antrag, noch der Beschluss darauf hin, dass hier ein Streaming-Portal oder überhaupt RedTube überwacht wurde", erklärt von Rüden.

Unwirksam wegen handwerklicher Fehler?

Den von U + C abgemahnten Nutzern rät der Anwalt zu Gelassenheit und zur genauen Prüfung der Ansprüche: "Betroffene sollten überhaupt keine Unterlassungserklärung abgeben. Dies bürgt die Gefahr, dass man sich so über Jahre bindet und auch beim Abruf des Films auf anderen Portalen in Anspruch genommen werden könnte."

IT-Rechtler und Blogger Thomas Stadler hält die Abmahnungen alleine schon wegen "handwerklicher Mängel" der Anwälte von U + C für unwirksam. Er schreibt auf "Internet-Law": "Es wird in der Abmahnung nicht angegeben, dass die von U&C vorgeschlagene Unterlassungsverpflichtung über die abgemahnte Rechtsverletzung hinausgeht. Die Abmahnung ist alleine deshalb nach Paragraf 97 a Absatz 2 Satz 2 des Urheberrechtsgesetzes unwirksam."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen