Wirtschaft
Alibaba-Gründer Jack Ma: Für manche sind die Zahlen des Shopping-Giganten zu schön um wahr zu sein.
Alibaba-Gründer Jack Ma: Für manche sind die Zahlen des Shopping-Giganten zu schön um wahr zu sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Shopping-Gigant im China-Crash: Der Absturz von Alibaba

Von Hannes Vogel

Vor einem Jahr legte der chinesische Internet-Gigant Alibaba den größten Börsengang aller Zeiten hin. Doch nun stürzt die Firma ab: Sie ist das bekannteste Opfer des chinesischen Börsencrashs. Und schreibt Zahlen, die zu schön sind, um wahr zu sein.

Als Chinas Aktienmärkte im Juni zu taumeln begannen, zitterten die Börsen weltweit. Viele Beobachter hielten die Panik für übertrieben. Doch eine Firma geriet nicht ohne Grund in den Abwärtssog: Alibaba. Der Online-Händler ist eines der prominentesten Opfer des Finanzcrashs im Reich der Mitte. Und das obwohl seine Aktien gar nicht in China, sondern in den USA gehandelt werden.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Alibaba in New York den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt und dabei rund 25 Milliarden Dollar eingesammelt. Mehr als 160 Milliarden Dollar ist die Firma inzwischen wert. Nach ihrem Debüt schraubte sich die Aktie monatelang steil nach oben. Doch inzwischen sind die Alibaba-Papiere wieder unter den Ausgabekurs von 68 Dollar gefallen. Den Anlegern - zu 90 Prozent ausländische Investoren - droht ein böses Erwachen: Alibaba könnte bald um weitere 50 Prozent einbrechen, urteilt das renommierte Anleger-Magazin "Barron's".

Die Konkurrenz schläft nicht

Das hat zum einen mit dem Börsencrash in Fernost zu tun: Chinas Wirtschaft verliert seit Monaten immer mehr an Fahrt - und mit ihr der Alibaba-Kurs. Die Firma ist so etwas wie ein Gradmesser für die chinesische Konjunktur. Der Internet-Gigant betreibt zwei riesige Online-Plattformen, auf der Händler Waren anbieten und Millionen Chinesen einkaufen.

Alibaba ist das digitale Abbild des chinesischen Wirtschaftswunders und praktisch synonym mit Online-Shopping im Reich der Mitte. Die Mittelklasse wächst und kauft immer mehr im Internet ein, vor allem auf den Alibaba-Portalen. Schon 2013 makelte Alibaba Waren im Wert von rund 250 Milliarden Dollar - mehr als Ebay und Amazon zusammen.

Solange die Wirtschaft zwischen Peking und Hongkong brummte, war Alibaba ein Traum aus 1001 Nacht. Doch nun trübt sich die Konjunktur ein, und das schlägt direkt auf Alibabas Bilanzen durch. Inzwischen ist Chinas Wachstum auf das niedrigste Niveau seit sechs Jahren gefallen.

Hinzu kommt, dass andere Portale wie JD.com Alibaba inzwischen mächtig Konkurrenz machen. Zudem hat Alibaba hat mit Milliarden in Filmproduktion, Medien und viele andere Bereiche expandiert. Doch viele der Investments seien Rohrkrepierer, schreibt "Barron's", und tauchten in der Alibaba-Bilanz nicht auf, weil die Firma gezielt Minderheitsbeteiligungen einging, die nicht in die eigenen Geschäftszahlen eingerechnet werden müssen.

Zahlenzauber im Reich der Mitte?

Manche Experten bezweifeln inzwischen offen, ob die permanenten Siegesmeldungen der Firma wirklich wahr sind. "Alibaba's Finanzberichte haben sich von der überprüfbaren Realität entkoppelt und eine Fluchtgeschwindigkeit erreicht, die mit offiziellen chinesischen Regierungsdaten nicht übereinstimmt", zitiert "Barron's" eine Analystin. 367 Millionen Nutzer hat Alibaba angeblich laut eigenen Angaben - etwa so viele Online-Shopper, wie es laut einer amtlichen Schätzung in ganz China insgesamt gibt. Alibaba weist den Vorwurf zurück, seine Zahlen seien aufgebläht oder geschönt.

Westliche Markenhersteller beschweren sich zudem seit langem, dass Alibaba zu wenig unternimmt, um die Flut gefälschter Produkte einzudämmen, die über seine Websites verkauft werden. Die Kering-Holding, Muttergesellschaft des Modelabels Gucci und der Luxusmarke Yves Saint-Laurent, hat Alibaba deswegen vor einem New Yorker Gericht verklagt.

Und schließlich ist die Firma nicht gerade anlegerfreundlich strukturiert. Die Aktionäre haben kaum Einfluss auf Entscheidungen. Das Shopping-Imperium wird weiter von Alibaba-Gründer Jack Ma und seinen Partnern dominiert. Sie bestimmen die Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder. "Die Interessen der Alibaba-Partnerschaft könnten mit den Interessen der Aktionäre kollidieren", schreibt Alibaba selbst im Geschäftsbericht. Die Anleger könnten das schon bald zu spüren bekommen, wenn die Talfahrt weiter geht.

Quelle: n-tv.de

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