Samstag, 28. Januar 2012
Der mit Spannung erwartete Mega-Börsengang von Facebook rückt offenbar näher. Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnte das weltgrößte soziale Netzwerk bereits am kommenden Mittwoch die nötigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht einreichen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zum Parkett. Bis zum eigentlichen Börsengang dürften dann aber noch Monate vergehen. Zuletzt war ein Termin im Sommer erwartet worden.
Laut "Wall Street Journal" strebt Facebook eine Bewertung von 75 bis 100 Mrd. Dollar an. Das entrspricht einer Spanne von 57 bis 76 Mrd. Euro. Damit würde der Senkrechtstarter mit einem Schlag mehr Gewicht auf die Waage bringen als die meisten Dax-Konzerne: Siemens ist rund 67 Mrd. Euro wert, Volkswagen kommt auf etwa 60 Mrd. Euro, der Chemieriese BASF sowie der Software-Entwickler SAP auf jeweils 56 Mrd. Euro. Das teuerste Unternehmen an der Börse ist aktuell Apple mit einem Wert von gut 417 Mrd. Dollar. Der Börsenwert ergibt sich aus dem Aktienkurs und der Anzahl der Anteilsscheine.
Beobachter nehmen den neuen Hinweis ernst: Die gewöhnlich gut unterrichtete Zeitung berief sich bei ihren Informationen auf eine eingeweihte Person aus dem Umfeld des Unternehmens. Diese Quelle soll dem Blatt auch verraten haben, dass vermutlich die US-Investmentbank Morgan Stanley den Börsengang federführend begleiten werde. Das wäre ein echter Coup für das Wall-Street-Haus. Es winken millionenschwere Gebühreneinnahmen und viel Renommee bei einem der größten Börsengänge aller Zeiten. Auch der Rivale Goldman Sachs soll angeblich eine gewichtige Rolle übernehmen.
Bereits seit längerem wird über einen Börsengang von Facebook im späten Frühjahr spekuliert. In der jüngeren Vergangenheit hatten Internetfirmen wie das berufliche Netzwerk Linkedin, das Schnäppchenportal Groupon und der Spieleentwickler Zynga ("Farmville") den Sprung aufs Parkett gewagt. Am Markt wurden diese Erstnotierungen vielfach als Testlauf für Facebook angesehen.
Früheren Informationen der Zeitung zufolge sollen im ersten Schritt Aktien für rund 10 Mrd. Dollar ausgegeben werden. Das wäre je nach Gesamtumfang des Börsengangs etwa ein Zehntel aller Anteile. Der Rest verbliebe bei den Alteignern, darunter Gründer und Chef Mark Zuckerberg. Ihm gehört ein knappes Viertel von Facebook.
Facebook müsste nach US-Vorschriften vermutlich ohnehin ab April seine Geschäftszahlen offenlegen, da das Unternehmen im vergangenen Jahr mit ziemlicher Sicherheit die Marke von 500 Anteilseignern überschritten hat. Verzichtet Zuckerberg auf einen Börsengang, müsste er sich in die Bücher schauen lassen, ohne zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen. Deshalb wurde der Gang aufs Parkett in diesem Zeitraum erwartet.
Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange nicht aus der Hand geben und hatte deshalb einen Börsengang so lange wie möglich hinausgezögert. Mit inzwischen rund 800 Mio. Nutzern ist Facebook die unangefochtene Nummer eins unter den Online-Netzwerken. Trotz Kritik vor allem von Datenschützern und Politikern aus Europa am Umgang mit Nutzerinformationen wächst das Netzwerk weiter schnell.
dpa