Umstrittenes Prestigeprojekt: Der Drei-Schluchten-Staudamm
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Eine Talsperre von 185 Metern Höhe und rund 200 Metern Länge: Der Drei-Schluchten-Staudamm ist eines der größten und umstrittensten Dammbauprojekte der Welt.Bild 1 von 78 Am Ende der Xiling Schlucht in der zentralchinesischen Provinz Hubei staut er den größten Fluss Asiens, den Jangtse.Bild 2 von 78 Der Stausee kann knapp 40 Milliarden Kubikmeter (40.000 Milliarden Liter) Wasser fassen und erstreckt sich hinter der Staumauer mehr als 620 Kilometer weit durch das Tal.Bild 3 von 78 Der Damm hebt den Wasserpegel um 65 Meter über den vorherigen Stand des Flusses, ein Vorteil für die Schiffahrt auf dem Jangtse, ein Nachteil für Millionen Menschen, die den Fluten weichen müssen.Bild 4 von 78 Das Drei-Schluchten-Projekt dient der Flutkontrolle und Energiegewinnung. Auf Satellitenaufnahmen sind die Dammanlagen deutlich zu erkennen. 1994 wurde mit dem Bau der gewaltigen Talsperre begonnen.Bild 5 von 78 Von der Zähmung des Jangtse träumen chinesische Herrscher schon lange. Schon kurz nach der Gründung der Republik China im Jahr 1912, lange bevor die Kommunistische Partei (KP China) die Kontrolle übernahm, planten die damaligen Landesväter, Dämme zu bauen.Bild 6 von 78 Das Drei-Schluchten-Projekt wurde über Jahrzehnte kontrovers diskutiert. Erste, konkrete Pläne für einen Damm in den Drei Schluchten reichen zurück bis ins Jahr 1944.Bild 7 von 78 Durch den wieder aufflammenden Bürgerkrieg wurde der Bau jedoch verhindert. 1946 nutzten viele Chinesen den Jangtse als Fluchtweg, als sie vor den herrannahenden kommunistischen Truppen flohen.Bild 8 von 78 Ende der 50er Jahre startete Mao Tsetung, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, einen erneuten Versuch, der jedoch aus finanziellen Gründen versandete.Bild 9 von 78 Als die Provinz Hubei in den 60er Jahren wieder einen Vorstoß zum Dammbau wagte, lehnte Mao das Bauvorhaben aus politisch-militärischen Erwägungen ab.Bild 10 von 78 Stattdessen wurde flussabwärts, rund 40 Kilometer weiter südlich, in den 70er Jahren mit dem Bau des kleineren Gezhouba-Staudamms begonnen. Noch wirkt die 1989 fertiggestellte Talsperre rechts im Satellitenbild von 2000 größer als das Drei-Schluchten-Projekt (links).Bild 11 von 78 Erst unter der Führung Deng Xiaopings kam das Projekt Mitte der 80er Jahre wieder auf die Agenda. Die Regierung gab erste Machbarkeitsstudien in Auftrag.Bild 12 von 78 Auch Proteste wurden laut - und verstummten wieder, als am 4. Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens der Demokratiebewegung in China ein blutiges Ende gesetzt wurde.Bild 13 von 78 1992 stimmte der Volkskongress dem gigantischen Projekt zu, wenn auch nicht ganz so einmütig wie gewöhnlich.Bild 14 von 78 Ein Drittel der Abgeordneten votierte gegen den Bau - eine bemerkenswert hohe Zahl von Gegenstimmen für damalige chinesische Verhältnisse.Bild 15 von 78 Mit der Absegnung durch den Volkskongress war der Startschuss gefallen.Bild 16 von 78 Doch zunächst musste der Jangtse umgeleitet werden. Dies geschah mit Hilfe eines 3,7 Kilometer langen Kanals am südlichen Ufer der riesigen Baustelle.Bild 17 von 78 Lastwagen karrten Berge von Sand und Steinen heran und versenkten sie im Fluss.Bild 18 von 78 Hunderte von Wagenladungen Zement wurden täglich verbraucht.Bild 19 von 78 13 Tonnen schwere Zementblöcke blockierten den natürlichen Lauf des Flusses.Bild 20 von 78 Am 8. November 1997 beglückwünschten Chinas ehemalige Politspitzen, Premierminister Li Peng (rechts) und Jiang Zemin, der Staatspräsident und Generalsekretär der KP China, die Arbeiter vor Ort zur Fertigstellung der Vorarbeiten.Bild 21 von 78 Der Schiffsverkehr wurde vorrübergehend in das neue Flussbett umgeleitet.Bild 22 von 78 Im November 1997 konnte dann mit dem eigentlichen Bau der gigantischen Staumauer begonnen werden.Bild 23 von 78 Rekordmengen an Beton nahmen im Jangtse Form an.Bild 24 von 78 Vier Millionen Kubikmeter Beton wurden jährlich verbaut, bis zu 28 Millionen Kubikmeter insgesamt.Bild 25 von 78 Unaufhörlich wurde gegraben, aufgeschüttet und weggeschafft. Milliarden Kubikmeter Erde und Felsen wurden abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgefüllt.Bild 26 von 78 Zunächst wurden sogenannte Fangdämme errichtet.Bild 27 von 78 Im Frühjahr 2001 wurden diese provisorischen Stauwände ...Bild 28 von 78 ... kontrolliert gesprengt.Bild 29 von 78 Die Bauarbeiten schritten zügiger voran als gedacht.Bild 30 von 78 Schon 2003 konnte die erste Teilflutung vorgenommen werden. Das Wasser des Stausees stieg täglich mehrere Meter.Bild 31 von 78 Bereits im Mai 2006 waren die Bauarbeiten an der Staumauer abgeschlossen - sechs Monate früher als geplant. Seitdem staut sich das Wasser.Bild 32 von 78 Der Stausee zwischen den Steilhängen erreicht eine Breite von etwa 1,5 Kilometern. Auch flussaufwärts wird der Jangtse breiter und tiefer, so dass er auch für große Schiffe befahrbar wird.Bild 33 von 78 Tonnenschwere Frachtschiffe sollen dazu beitragen, dass der wirtschaftliche Aufschwung im Landesinnern ankommt.Bild 34 von 78 Eine Schleuse hilft den Schiffen über das Staugefälle hinweg. Das ausgeklügelte Kammersystem ist seit Juli 2004 funktionstüchtig und befahrbar.Bild 35 von 78 190 Meter tief verschwindet dieses Passagierschiff in der Schleusenkammer.Bild 36 von 78 Ist der Höhenunterschied ausgeglichen, werden die Schiffe wieder auf den offenen Fluss entlassen ...Bild 37 von 78 ... und setzen ihre Fahrt auf der anderen Seite der Staumauer fort.Bild 38 von 78 Nicht nur die Ausweitung des Flusses für die Schifffahrt war ein Argument für den Dammbau. Ziel sind vor allem neben der Energiegewinnung die Wasserversorgung trockener Regionen im Norden und der Hochwasserschutz.Bild 39 von 78 China ist regelmäßig Schauplatz verheerender Hochwasser-Katastrophen.Bild 40 von 78 Als der Jangtse 1998 über die Ufer trat, starben rund 1500 Menschen, heißt es auf der offiziellen Website des Drei-Schluchten-Projekts. Über zwei Millionen Menschen seien von den Fluten betroffen gewesen und 239.000 Hektar Farmland versunken.Bild 41 von 78 Mehr als 6,7 Millionen Menschen waren im Einsatz. Die Flutbekämpfung habe Unsummen verschlungen, argumentieren die Dammbauer.Bild 42 von 78 Am Staudamm haben über die Jahre etwa 26.000 Wanderarbeiter gearbeitet.Bild 43 von 78 Etwa 25 Milliarden US-Dollar sind nach offiziellen Angaben in den Dammbau geflossen. Inoffizielle Quellen rechnen mit Summen von mindestens 50 Milliarden Dollar. Folgekosten nicht eingerechnet.Bild 44 von 78 Energiegewinnung aus Wasserkraft soll die Kosten decken. 26 Turbinen sind dafür zuständig.Bild 45 von 78 Über eine allgemeine Stromsteuer finanziert die chinesische Bevölkerung das Projekt mit.Bild 46 von 78 Im November 2003 ging die China Jangtse Energie Company in Shanghai an die Börse. Auch Deutschland steuert finanzielle Mittel und Know How bei.Bild 47 von 78 Die Kreditanstalt für Wiederaufbau streckte Millionensummen vor, mit denen deutsche Turbinenhersteller wie Siemens und Voith bezahlt wurden.Bild 48 von 78 Das Wasserkraftwerk generiert bereits seit 2003 Strom. Die Einnahmen fließen jedoch nicht nur in die Schuldentilgung, sondern werden bereits für weitere Staudammprojekte am Jangtse eingeplant.Bild 49 von 78 Denn die dezentrale Stromerzeugung an vielen kleinen Dämmen ist noch wirkungsvoller als das Kraftwerk in den Drei Schluchten.Bild 50 von 78 Die jährlich produzierte Energieleistung des Wasserkraftwerks liegt bei 87,4 Terrawattstunden im Jahr. Damit können etwa zwei bis vier Prozent des chinesischen Energieverbrauchs abgedeckt werden, gerade einmal die jährliche Energie-Wachtstumsrate des Landes.Bild 51 von 78 Die maximale Energieleistung wird erreicht, wenn der See bis zum Rand gefüllt ist. Dann drückt das Wasser mit maximaler Kraft auf die Turbinen.Bild 52 von 78 Erreicht der Stausee jedoch seinen Normalpegel von 175 Metern, leidet der Hochwasserschutz. Der Flutkontrollpegel liegt bei 145 Metern.Bild 53 von 78 Was die Architekten des Dammprojekts übersehen haben, ist die Tatsache, dass in der Region nur wenige Stromabnehmer leben. So verpufft auf dem Weg zu den Verbrauchern eine beträchtliche Menge Energie im Netz.Bild 54 von 78 Die negativen Auswirkungen des massiven Eingriffs in die Natur und die sozialen Folgen des Projektes beginnen sich immer deutlicher abzuzeichnen. Im trägen Wasser des Stausees setzen sich Giftstoffe aus den Zentren der umliegenden Regionen ab.Bild 55 von 78 Die Folgeschäden für das Fluss-Ökosystem lassen sich nur schwer abschätzen. Laut Umweltschützern sind über 2000 Pflanzen- und rund 300 Fischarten bedroht, davon auch einige Spezies, die bereits auf der Roten Liste vom aussterben bedrohter Tierarten stehen.Bild 56 von 78 Für den sagenumwobenen Flussdelfin, den Baiji, kommt wohl jede Rettung zu spät. Er gilt bereits als ausgestorben.Bild 57 von 78 An den Uferböschungen drohen Erdrutsche. Die Böden erodieren und werden fortgeschwemmt. Die Millionen Tonnen Schlamm, die der Jangtse jährlich zum Meer transportiert, lassen das Staubecken versanden.Bild 58 von 78 Doch nicht nur die Tiere verschwinden, auch die Menschen müssen dem Wasser weichen.Bild 59 von 78 Auf der Karte rot markiert sin alle Gebiete, aus denen die Menschen umgesiedelt werden oder bereits weggezogen sind.Bild 60 von 78 Zwei Großstädte, 116 Kleinstädte und elf Landkreise hat der Fluss bereits mitgerissen.Bild 61 von 78 Schilder am Ufer markieren die Stellen, die das Wasser erreichen soll. Inzwischen erwägt der Volkskongress, die Besiedlungsgrenze noch weiter nach oben zu verschieben. Von der Umsiedlung weiterer vier Millionen Menschen ist die Rede.Bild 62 von 78 Oftmals wird gesprengt, bevor das Wasser die Gebäude in den Stausee spült.Bild 63 von 78 Ganze Siedlungen sind auf dem Reißbrett neu entstanden.Bild 64 von 78 Nicht alle haben ein neues Heim gefunden.Bild 65 von 78 Die Höhe der gezahlten Entschädigungen liegt weit unter dem, was den Entwurzelten tatsächlich genommen wurde, beklagen Menschenrechtsorganisationen.Bild 66 von 78 Wenn das Geld überhaupt ankam und nicht längst in den Taschen korrupter Funktionäre versickert ist.Bild 67 von 78 Rund 1,5 Millionen Menschen müssen laut Regierungsangaben umgesiedelt werden. Menschenrechtsorganisationen sprechen von zwei Millionen, die ihre Heimat verlieren.Bild 68 von 78 Schätzungsweise 24.500 Hektar landwirtschaftliche Anbauflächen gehen unter. Zwar erhalten die Bauern als Ersatz neue Äcker zugewiesen, doch oft liegen diese in unzumutbarer Hanglage.Bild 69 von 78 Hunderte kulturhistorische Stätten mussten dem riesigen Wasserspeicher weichen.Bild 70 von 78 Diese Tempelanlagen und antiken Inschriften haben Kriege und die Kulturrevolution überstanden.Bild 71 von 78 Jetzt verschwinden sie im schmutzigen Stausee.Bild 72 von 78 Teilweise wurden sie abgebaut und anderswo wieder neue errichtet, wie hier am Jiuwanxi Fluss.Bild 73 von 78 Um den schlimmsten ökologischen Schäden zu begegnen, hat der Volkskongress im Frühjahr 2005 eine Kommission beauftragt, die Umweltfolgen genauer zu untersuchen.Bild 74 von 78 In der Staumauer bilden sich seit geraumer Zeit angeblich ungefährliche Risse.Bild 75 von 78 Das chinesische Prestigeprojekt weist unübersehbare Kratzer auf.Bild 76 von 78 Das idyllische Drei-Schluchten-Tal hat sich in einen bedrohten Lebensraum verwandelt, das Naturschauspiel "Jangtse" durchläuft die Schluchten nun gebremst und in geordneten Bahnen.Bild 77 von 78 Die Zukunft am Drei-Schluchten-Staudamm ist ungewiss.Bild 78 von 78