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Kasparow hat bereits 2008 mit einigen Oppositionellen versucht, eine demokratische Bewegung in Russland zu etablieren.
Kasparow hat bereits 2008 mit einigen Oppositionellen versucht, eine demokratische Bewegung in Russland zu etablieren.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 03. März 2014

Schachgenie hat genug von Putin: Kasparow wird Kroate

Dem russischen Schach-Weltmeister Garri Kasparow reicht es. Der erbitterte Putin-Gegner verlässt seine Heimat und wird offiziell Kroate. Das Land freut sich über den intelligenten Zuwachs. Kasparow nutzt die Gelegenheit für scharfe Kritik seinem ehemaligen Präsidenten.

Der Kreml-Kritiker und frühere russische Schach-Weltmeister Garri Kasparow hat die kroatische Staatsbürgerschaft erhalten. Er habe in der vergangenen Woche einen Pass bekommen, weil dies "im Interesse Kroatien" sei, bestätigte das Innenministerium. Der 50-Jährige ist in Kroatien unter anderem wegen seiner öffentlichen Unterstützung für den Balkanstaat während der Jugoslawien-Kriege in den 1990er Jahren populär.

Zuvor attackierte Kasparow Wladimir Putin bei den olympischen Spielen in extremer Form. Der ehemalige Schachweltmeister und Kreml-Kritiker verglich die Rolle des russischen Präsidenten bei den Winterspielen in Sotschi mit der von Adolf Hitler 1936 in Berlin.

"Es geht um einen Personenkult"

"Moskau 1980 und Peking 2008 waren Spiele, die autoritäre Systeme zur Propaganda für ihre Länder und sich selbst, die herrschende Partei, ausgerichtet haben. Sotschi steht wie Berlin unter einem anderen Vorzeichen. Diese Spiele drehten sich nur um einen einzigen Mann: In Berlin war es Hitler, in Sotschi war es Putin. Es geht um einen Personenkult", wurde Kasparow auf der Internetseite der englischen Zeitung Guardian zitiert.

Jeder, der glaube, dies sei eine Übertreibung, ergänzte Kasparow, vergesse den wichtigen Faktor, dass Hitler 1936 als "durch und durch respektabler und legitimer Politiker" angesehen worden sei. Das Schachgenie gehört seit langem zu Putins heftigsten Kritikern.

Kasparow zog sich 2005 aus dem Wettkampf-Schach zurück, nachdem er die internationale Schachbühne über zwei Jahrzehnte dominiert hatte. Der erbitterte Gegner Putins hat in den vergangenen Jahren häufig seinen Sommerurlaub an der kroatischen Küste verbracht und will Medienberichten zufolge in der Adria-Stadt Opatija eine Schachakademie eröffnen. Er hat auch einen guten Draht zu Kroatiens Politikern.

Quelle: n-tv.de