Panorama

Kinderporno-Verdacht Opfervertreter wollen Odenwaldschule schließen

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Die umstrittene Odenwaldschule in Hessen.

(Foto: dpa)

Erneut erschüttert ein Skandal die hessische Odenwaldschule - diesmal geht es um Kinderpornografie. Der beschuldigte Lehrer wird sofort entlassen. Dennoch: Opfervertreter fordern eine Schließung der Schule. Das Problem sei systembedingt.

Nach dem Bekanntwerden neuer Vorwürfe gegen einen Lehrer der Odenwaldschule fordern Opfervertreter die Schließung der Bildungseinrichtung. "Die Missbrauchsmöglichkeiten an der Odenwaldschule sind systemimmanent und die Täter suchen sich solche Orte immer ganz genau aus", sagte der Vorsitzende des Opfervereins "Glasbrechen", Adrian Koerfer.

Opfer-Anwalt Thorsten Kahl schloss sich der Forderung an. "Das System des Zusammenlebens von Lehrern mit Schülern ist die optimale Ausgangssituation für Pädophile", sagte er. Nach dem Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule vor vier Jahren hätte man deshalb bereits einen Schlussstrich ziehen müssen.

In einer offiziellen Stellungnahme beschränkte sich der Opferverein "Glasbrechen" allerdings auf die Forderung, die familienähnlichen Wohngruppen mit sechs bis zehn Schülern aufzulösen. Man sei "nicht überrascht" von dem neuen Vorfall, heißt es. Offenbar ziehe die Schule nach wie vor Pädophile an "wie das Licht die Motten", kritisiert der Verein.

Kündigung und Hausverbot für Lehrer

Am Samstag war bekannt geworden, dass gegen einen Lehrer wegen des Verdachts auf Kinderpornografie ermittelt wird. Eine Sprecherin der Odenwaldschule teilte mit, bei einer Durchsuchung der Wohnung des Lehrers in dem zugehörigen Internat seien Dateien und weiteres Material sichergestellt worden. Dem Lehrer sei fristlos gekündigt und Hausverbot erteilt worden, sagte die Sprecherin weiter. Sie hob gegenüber dem "Spiegel " jedoch hervor, es gebe keine Hinweise, dass in dem vorliegenden Fall Schüler der Schule zu Schaden gekommen seien.

Die als Reformschule für ihre alternativen Bildungsansätze bekannte Einrichtung war 2010 in die Schlagzeilen geraten, als aufgedeckt wurde, dass dort jahrzehntelang Kinder massenhaft sexuell missbraucht worden waren. Die Privatschule hatte anschließend eine öffentliche Entschuldigung abgegeben und eine konsequente und lückenlose Aufarbeitung zugesagt.

An den umstrittenen Wohngruppen, in denen Schüler mit Lehrern zusammenleben, wurde jedoch als Teil des pädagogischen Konzepts festgehalten. Allerdings wird seither nicht mehr ein Pädagoge allein einer Schülergruppe zugeordnet. Auch der nun von den Ermittlungen betroffene Mathematik- und Physiklehrer hat laut Medienberichten nicht allein mit Schülern zusammengewohnt. Aufgedeckt wurde der neue Fall offensichtlich durch einen Tipp australischer Ermittler.

Quelle: ntv.de, fma/AFP/dpa

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