Politik
Freitag, 03. Juli 2009

Anklage noch im Juli: Demjanjuk fit genug

Nach langem Hin und Her ist es nun entschieden. Der 89-jährige mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk muss vor Gericht. Ärzte stuften ihn als verhandlungsfähig ein.

Demjanjuk 1993 vor einem israelischen Gericht.
Demjanjuk 1993 vor einem israelischen Gericht.

Nach einem ärztlichen Gutachten dürfe die Verhandlungsdauer pro Tag aber nicht mehr als zwei mal 90 Minuten übersteigen, teilte die Staatsanwaltschaft München mit. Mit der Erhebung der Anklage sei noch im Juli zu rechnen.

Der im Mai von den USA nach München abgeschobene Demjanjuk leidet unter Nierenversagen und Blutarmut und hat Probleme mit der Wirbelsäule. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 89-Jährigen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor im Jahr 1943 vor. Er bestreitet, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Die Zeit drängt wegen des hohen Alters von Beschuldigtem und Zeugen.

Die Justizvollzugsanstalt Stadelheim.
Die Justizvollzugsanstalt Stadelheim.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zum Wachmann ausgebildet


Demjanjuk war als Rotarmist 1942 in deutsche Gefangenschaft geraten und im SS-Ausbildungslager Trawniki zum Wachmann ausgebildet worden. Er war offenbar zuerst auf einem landwirtschaftlichen Gut, dann in Sobibor und anschließend im KZ Flossenbürg eingesetzt. Nach dem Krieg meldete er sich als sogenannte "Displaced Person". Als angebliches Nazi-Opfer und ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener konnte er 1952 in die USA ausreisen. Seine mögliche NS-Vergangenheit war damals nicht bekannt.

Dienstausweis von Demjanjuk.
Dienstausweis von Demjanjuk.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Jahrzehnte später kam der Verdacht auf, Demjanjuk könnte "Iwan der Schreckliche" von Treblinka gewesen sein. 1986 wurde er von den USA an Israel ausgeliefert und dort 1988 wegen der Beihilfe zum Mord an mehr als 800.000 Juden zum Tode verurteilt. Demjanjuk bestritt jedoch stets, KZ-Wächter gewesen zu sein und bezeichnete sich als Opfer einer Verwechslung. Tatsächlich tauchten neue Beweise auf, die frühere Zweifel an der Identität bestätigten; 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil auf. Demjanjuk kehrte in die USA zurück, wo er zuletzt als Staatenloser mit seiner Familie in Seven Hills bei Cleveland im Staat Ohio lebte.

Quelle: n-tv.de