Der Börsen-TagSchlechte DAX-Stimmung - und kein Ende
Steigende Zinsen und kein Ende in Sicht - am deutschen Aktienmarkt könnte sich die Stimmung Strategen zufolge deshalb weiter verschlechtern. In der Vorwoche büßte der DAX rund 3,5 Prozent ein, verlor allein am Freitag 1,0 Prozent auf 15.830 Punkte. Genau eine Woche davor hatte der deutsche Börsenleitindex noch ein neues Allzeithoch bei 16.427 Zählern markiert.
Von der erhofften Zinspause oder gar Wende könne keine Rede mehr sein, sagt Helaba-Strategin Claudia Windt. Die Bank of England hatte ihren Straffungskurs im Kampf gegen die Inflation forciert, auch in der Schweiz, Norwegen und der Türkei wurden die Zinsen angehoben. US-Notenbank-Chef Jerome Powell stellte zudem weitere Anhebungen in Aussicht und ließ mögliche Zinssenkungen in größere Ferne rücken, als manchem Anleger lieb sein dürfte. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sendete Signale für ein erneutes Drehen an der Zinsschraube.
Damit dürfte die Angst um das Wirtschaftswachstum an den Börsen wieder in den Vordergrund rücken. "Die lang erwartete Konjunkturabschwächung ist eindeutig im Anmarsch", sagt Ben Laidler, Marktstratege beim Broker eToro. Die Anleihemärkte sendeten am Freitag bereits das stärkste Rezessionssignal seit 1992: Investoren wetteten auf einen Konjunktureinbruch und warfen vor allem kürzer laufende Bonds aus ihren Depots. Dies trieb deren Renditen in die Höhe. So rentieren zweijährige Bundesanleihen etwa 3,3 Prozent und damit nur knapp unter dem Niveau vom Herbst 2008. Die zehnjährigen werfen dagegen nur rund 2,4 Prozent ab. Experten sprechen hier von einer "inversen Renditekurve", weil üblicherweise kürzer laufende Titel niedriger verzinst werden als Langläufer.
Anleger werden in jedem Fall die anstehenden Konjunkturdaten sehr genau unter die Lupe nehmen. Zum Wochenstart liegt das Augenmerk auf dem IFO-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Die Stimmung dürfte sich im Juni eingetrübt haben, wenn die befragten Experten mit ihrer Prognose richtig liegen: Sie sagen einen Rückgang des Barometers auf 90,7 Zähler von 91,7 Punkten im Mai voraus. Zwei Tage später gibt der GFK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Am Donnerstag stehen die deutschen Inflationsdaten an, gefolgt von den europäischen am Freitag.