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Der Opel Grandland X reiht sich vor dem Mokka und dem Crossland X in die SUV-Palette der Rüsselsheimer ein.
Der Opel Grandland X reiht sich vor dem Mokka und dem Crossland X in die SUV-Palette der Rüsselsheimer ein.(Foto: Holger Preiss)
Freitag, 22. September 2017

Zwei Kleine für den Großen: Opel Grandland X - ein verkleideter Peugeot?

Von Holger Preiss

Auf der IAA hat Opel in Halle 8 den größten Stand. Dort präsentierten die Rüsselsheimer auch den Grandland X, die zweite Zusammenarbeit mit Peugeot. Als Basis dient der 3008 der Franzosen. Fluch oder Segen?

Weite Flächen und schmale LED-Leuchten machen das Heck des Opel Grandland X bulliger.
Weite Flächen und schmale LED-Leuchten machen das Heck des Opel Grandland X bulliger.(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Grandland X hat Opel auf der IAA sein drittes SUV und die zweite Zusammenarbeit mit Peugeot vorgestellt. Basierend auf dem 3008, reiht sich der Rüsselsheimer vor dem Crossland X und dem immer noch sehr erfolgreichen Mokka ein. Optisch dürfte auch der neue Kraxler die Opel-Kundschaft überzeugen. Hat er doch ähnliche Linien, die schon dem neuen Astra und dem wirklich schicken Flaggschiff Insignia eine Form geben.

Chromspangen und weite Flächen

Um den Grandland X als SUV erkennbar zu machen, haben die Designer eine Chromschwinge vom Logo im Kühlergrill in Richtung Scheinwerfer gezogen. Dort leuchtet der Doppel-Blitz als Tagfahrlicht in LED-Optik. Die Motorhaube trägt die Opel-typische Bügelfalte in der Mitte und unterhalb des Stoßfängers öffnet sich ein schwarzer Lufteinlass, der von einer breiten Chromspange gesäumt wird. Die Seitenansicht bekommt durch wuchtige Schweller und verkleidete Radhäuser etwas Robustes, während gleichsam die nach hinten abfallende Dachlinie und die optisch durchbrochene C-Säule für eine entsprechende Dynamik sorgt.

AGR-Sitze gibt es optional, ordentlich Platz hat der Grandland X so oder so.
AGR-Sitze gibt es optional, ordentlich Platz hat der Grandland X so oder so.(Foto: Holger Preiss)

Am Heck haben die Designer mit einer gewölbten Heckklappe, in die sich die LED-Rückleuchten tief einschmiegen, viel Fläche gelassen, die aber sehr sportlich wirkt. Unterstützt wird die Mischung aus Offroad und Sportlichkeit durch die unterhalb des Stoßfängers angedeuteten Diffusorschlitze in Chrom. Richtig zur Sache geht es, wenn in den Radhäusern die großen 19-Zoll-Räder drehen. Das alles ist Optik, die viel verspricht, doch für den Moment nur wenig halten kann.

Zwei Motoren zum Marktstart

Warum? Weil der Grandland X zum Marktstart lediglich mit zwei Peugeot-Triebwerken angeboten wird. Mit einem 1,2-Liter-Dreizylinder Benziner, der 130 PS leistet und mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 120 PS. Beide geben ihr maximales Drehmoment von 230 respektive 300 Newtonmeter über ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine Sechstufenautomatik an die Vorderräder frei. Sportfreunde können im kommenden Jahr auf einen 180 PS starken Diesel mit einer Achtstufenautomatik hoffen. Für Sparfüchse wurde bereits auf der IAA ein Plug-in-Hybrid in Aussicht gestellt. Der kommt allerdings nicht vor 2019. Vorher soll noch ein Benziner in den Grandland Einzug halten, der unterhalb der 120 PS angesiedelt ist. Diese Motorisierung machte schon im kleineren Crossland X nicht den besten Eindruck. Auch dann nicht, wenn Opel beteuert, sie hätten das Setup der Peugeot-Motoren für ihre Modelle komplett überarbeitet.

Wer Opel kennt, der wird sich auch im Grandland X zu Hause fühlen.
Wer Opel kennt, der wird sich auch im Grandland X zu Hause fühlen.(Foto: Holger Preiss)

Der 1,2-Liter-Dreizylinder mit 130 PS macht den 4,48 Meter langen und nur 1350 Kilogramm schweren Grandland nicht zu einem Ausbund an Spritzigkeit. Wer mit etwas Druck vorankommen will, der muss die Drehzahlen hoch halten und den Wahlhebel beim manuellen Getriebe fleißig durch die Gassen schieben. Das sorgt neben einem erhöhten Verbrauch auch für den typischen Dreizylinder-Sound, der aber - so wie die anderen Außengeräusche - dank einer exzellenten Dämmung nur sehr verhalten in den Innenraum dringt. Dass der Dreiender kein Dynamiker ist, beweisen auch die Beschleunigungswerte: 11,1 Sekunde braucht es auf Landstraßentempo, wobei die Höchstgeschwindigkeit mit 188 km/h angegeben wird. Auch bei der Elastizität brennt hier nicht der Asphalt. Wer im fünften Gang von Tempo 80 auf 120 km/h sprinten möchte, muss sich knapp 12 Sekunden gedulden. Auch das ein deutliches Indiz dafür, dass Schalten nicht überflüssig ist.

Kein Verlangen nach der Kurvenhatz

Bei den Aggregaten für den Grandland X hätten die Rüsselsheimer den Kunden und sich selbst einen größeren Gefallen getan, wenn sie sich hier an der eigenen Motorenpalette, die auch den Astra antreibt, bedient hätten. Das geht natürlich nicht, weil die Architektur des Peugeot das nicht zulässt. Werfen wir noch einen Blick auf den verfügbaren Diesel. Der zieht ob seines größeren Drehmoments natürlich kraftvoller an, beschleunigt aber auf Tempo 100 mit Handschalter noch 0,7 Sekunden langsamer als der Benziner. 11,8 Sekunden dauert der Sprint. Beim Verbrauch punktet der Selbstzünder natürlich mit durchschnittlich einem Liter weniger, die auf 100 Kilometer durch die Schläuche rauschen. Beim Benziner jedenfalls lag der Verbrauch bei verhaltener Fahrweise im Schnitt bei sieben Litern.

514 Liter fasst der Kofferraum des Opel Grandland X bei aufrechter Rückenlehne.
514 Liter fasst der Kofferraum des Opel Grandland X bei aufrechter Rückenlehne.(Foto: Holger Preiss)

Beim Fahrwerk hat Opel im Vergleich zum Peugeot 3008 spürbar nachjustiert. Der Grandland X fährt extrem neutral, macht in schnell gefahrenen Kurven trotz einer deutlichen Tauchbewegung keine Sperenzchen und folgt willig den Lenkbewegungen seines Piloten. Das ist unaufgeregt und lässt den Fahrer auch nicht auf den Gedanken kommen, eine übermütige Kurvenhatz zu suchen. Entspannt geht es auch im Innenraum zu. Nicht nur, dass sich die Insassen optional in die zertifizierten AGR-Sitze der "Aktion Gesunder Rücken" schmiegen können, Opel hat es auch geschafft das Raumangebot wesentlich luftiger zu halten, als das im Peugeot der Fall ist. Selbst auf der hinteren Sitzbank gibt es für Knie und Kopf auch bei größeren Menschen keine Qualen. Auch der Kofferraum, der zwischen 514 und 1652 Liter offeriert, geht absolut in Ordnung.

Attraktives Angebot?

Überhaupt ist es den Rüsselsheimern gelungen, den Grandland X im Inneren zu einem echten Opel zu machen. Da sind die schön strukturierten und gut ablesebaren Rundinstrumente im direkten Blickfeld des Fahrers. Das Infotainment-System ist klar gegliedert mit wenigen Bedienknöpfen, wobei unterhalb des Touchscreens die Einheit für das Infotainment, die Klimatisierung und, wenn optional gebucht, für Chassis-Funktionen und die Traktionskontrolle liegen. Auch bei der Haptik gibt es nichts zu meckern. Das Dashboard ist weich geschäumt, der Ganghebel schmeichelt wahrlich in der Hand und auch die Türinnenverkleidungen machen einen guten Eindruck. Hartplastik gibt es nur da, wohin sich die Hände nur selten verirren.

Ob der Einstiegspreis von 23.700 Euro attraktiv ist, möge jeder für sich selbst entscheiden. Angeboten wird dafür der 1,2-Liter-Dreizylinder in der Ausstattungslinie Selection. Darin sind bereits enthalten die Verkehrszeichenerkennung und der Spurhaltewarner. Wer sich mit Opel Onstar ins digitale Zeitalter beamen möchte, Regensensor, Fernlichtassistent und Parkpilot wünscht, ist bereits bei 26.200 Euro. Wer das Komplettpaket in der Ausstattungslinie Innovation verlangt, wo es unter anderen auch adaptives Fahrlicht, Nebelscheinwerfer, beheizbare Frontscheibe, Spurhalteassistent, Frontkollisionswarner, Navi, Ergonomiesitze, 18-Zoll-Leichtmetallräder, Fußgängererkennung und den automatischen Parkassistenten mit 360-Grad-Kamera gibt, zahlt bereits 30.700 Euro.

Quelle: n-tv.de

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