Auto
Mit dem DS4 erweitert Citroën seine Kompakt-Baureihe um eine Edel-Variante.
Mit dem DS4 erweitert Citroën seine Kompakt-Baureihe um eine Edel-Variante.(Foto: n-tv.de/Busse)

Praxistest Citroën DS4 HDi 165: Auf göttlichen Spuren

von Axel F. Busse

Kann man mittels Buchstaben-Tuning an automobile Legenden der 60er Jahre anknüpfen? Citroën versucht das gegenwärtig. Der erste Neuzeit-"DS" trug die Nummer 3, der DS5 wird in Kürze folgen. Praxistest mit dem Kompaktmodell DS4.

Für die frankophonen Autoliebhaber gab es "den" DS natürlich nie. Das Auto, "la voiture", ist im Französischen feminin einsortiert, und bei der Buchstabenkombination DS kommt den Bewohnern des Nachbarlandes zwangsläufig die gleich klingende "Déesse", die Göttin, in den Sinn. Diese Assoziation wurde Teil eines Mythos, der das 20 Jahre lang produzierte Mittelklasse-Fahrzeug von Citroën zeitlebens begleitete.

Außer dem höher gelegten Fahrwerk weicht auch die Fenstergrafik vom C4-Modell ab.
Außer dem höher gelegten Fahrwerk weicht auch die Fenstergrafik vom C4-Modell ab.(Foto: n-tv.de/Busse)

Als solle ein wenig göttlicher Glanz auf die profanen Zweckmobile heutiger Zeit abfallen, hat Citroën das alte Modellkürzel wieder belebt und schickt sich an, zu jeder aktuellen Baureihe eine "DS"-Version anzubieten. Sie soll sich durch eigenständiges Design, ungewöhnliche Ausstattungsdetails, mehr Exklusivität und Chic auszeichnen. Beim gefahrenen Modell DS4 handelt es sich um eine Version mit 163-PS-Dieselmotor in der Ausstattungslinie SportChic.

Fahrwerk leicht angehoben

Besonderen Charme und Charakter erhält die Außenhülle des DS4 durch einen optischen Trick: Die hinteren Türen sind durch die prägnante Chromumrandung der abgedunkelten Scheiben und den kaschierten Griff in Höhe der C-Säule fast unsichtbar. Der Fünftürer wirkt daher wie ein sportliches Coupé, wozu die abfallende Dachlinie und die muskulös betonten Radausschnitte ihren Teil beitragen. In der Ausstattungslinie SportChic wird das Fahrzeug mit 18-Zoll-Leichtmetallfelgen ausgeliefert, der Testwagen besitzt die besonders kleidsamen 19-Zöller. Da das Fahrwerk gegenüber dem C4-Modell um etwa 40 Millimeter angehoben ist, verschafft diese Kombination dem Auto einen athletischen und dynamischen Auftritt.

Die originelle Seitenarchitektur ist zwar elegant und wirkungsvoll, doch leider nicht ohne einen störenden Nebeneffekt: Am spitz zulaufenden Ende des Türblattes, dort, wo die Einfassung des senkrechten Klappgriffs mit der C-Säule zusammentrifft, ragt die Ecke weiter heraus, als man erwartet. In der Praxis kommt es häufiger vor, dass der Öffnende einen Schritt zurück treten muss, will er sich nicht die herausstehende Ecke der aufschwingenden Tür in die Brust rammen. Auch hier gilt: Was gut aussieht, muss nicht immer praktisch sein, bei der C4-Limousine gibt es wegen einer geteilten Seitenscheibe diesen Effekt nicht. Dank der höher gelegte Karosserie ist der Zustieg auf die hinteren Plätze bequem, obwohl der Türausschnitt in Höhe des Innengriffs nur 52 Zentimeter breit ist.

Wie ein Keil ragt die Griffmulde der hinteren Türen den Passagieren beim Öffnen entgegen.
Wie ein Keil ragt die Griffmulde der hinteren Türen den Passagieren beim Öffnen entgegen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Der Innenraum der SportChic-Modelle ist von gediegener Wohnlichkeit, die weichen Oberflächen sind Handschmeichler und das Finish der in Kontrastfarben abgestimmten Abdeckungen und Verkleidungen wirkt wertig. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass die Innen-Kosmetik kurz vorm Überschminken steht, denn die gleichzeitige Verwendung von glatten, genarbten, geriffelten und mit dem DS-Zeichen modellierten Flächen ist schon etwas zu dick aufgetragen. So viel Make-Up ist gar nicht nötig, um eine authentische "Göttin" zu werden. Die bis weit oben ins Dach hinein gezogene Frontscheibe wird bis zur Höhe des Rückspiegels durch einen Steg geteilt, in dem sich die Leitungen für Regensensor und abblendbaren Innenspiegel befinden. Schiebt man die beiden beweglichen Blenden für maximale Helligkeit im Innenraum zurück, wirkt der Steg leider wie ein Fremdkörper.

Leder und Aluräder in Serie

Die knapp 4,28 Meter lange Limousine wiegt fahrfertig 1385 Kilogramm. Das Gewicht steht in einem guten Verhältnis zu den 163 PS Leistung, die mit einem maximalen Drehmoment von 340 Newtonmetern an die Vorderachse geleitet werden. Sicher, es gibt Zweiliter-Turbodiesel, die mit noch mehr Durchzugskraft aufwarten können. Warum der DS4 nicht mehr braucht – dazu später. Fast 360 Liter Kofferraum können die Kunden nutzen, die auf ein Reserverad nicht verzichten wollen. Wem ein Reifen-Reparaturset reicht, darf sich über 385 Liter freuen. Hat man die mit 80 Zentimetern recht hohe Ladekante erst einmal überwunden und die Rücksitz-Lehnen umgelegt, erweitert sich das Volumen auf 1021 Liter, wenn man bis unter den Dachhimmel packt.

Die Panorama-Frontscheibe lässt viel Licht aufs edel gestaltete Cockpit fallen.
Die Panorama-Frontscheibe lässt viel Licht aufs edel gestaltete Cockpit fallen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Serienmäßig in SportChic-Ausstattung sind die zweifarbigen Ledersitze, für die elektrische Verstellbarkeit des Fahrersitzes berechnet Citroën 550 Euro extra. Elektrische Lendenwirbelstütze und Massagefunktion sind in dieser Trimm-Line aber serienmäßig. Dem Fahrer fällt als erstes die 3D-Optik der Hauptinstrumente ins Auge, deren Displayfarbe obendrein zwischen hellem Grau und kräftigem Blau veränderbar ist. Die mit Bedienelementen etwas überladen wirkende Mittelkonsole ist weitgehend funktionsgerecht gestaltet, nur die Einstellung der Lüftung verlangt zunächst genauere Beschäftigung mit der Thematik. Ein edler Akzent wird durch die Chrom-Applikationen gesetzt. Die Orientierung fällt nicht schwer, doch leider fehlt es an zwei wichtigen Drehknöpfen nicht nur an Funktionssymbolen, sondern auch an Beleuchtung. Den Lautstärkeregler (links) und die Maßstabsverstellung des Navigationssystems (rechts) muss man bei Dunkelheit also ertasten.

Der bekannte Zweiliter-Diesel ist ein kräftiger Bursche, der handfest zupackt, wenn es vorwärts gehen soll. So fest, dass die an McPherson-Federbeinen aufgehängte Vorderachse schnell an den Rand ihrer Möglichkeiten kommt. Antriebseinflüsse in der Lenkung sind die Folge. Beim zügigen Anfahren auf feuchter Straße ist auch mehrfach zu beobachten, dass die Traktionskontrolle eingreifen musste, um den Bewegungsdrang der Räder in geordneten Bahnen zu halten. Der Federungskomfort wird trotz des nicht gerade ausladenden Radstands von 2,61 Metern dem gehobenen Anspruch der "göttlichen" Modelllinie gerecht. Federn und Dämpfer sind auch durch grobes Kopfsteinpflaster nicht aus der Fassung zu bringen.

Brummelndes Missfallen

Auf trockener Straße gibt es ein knackiges Sprinterlebnis ohne Reue, im Nu ist das Reisetempo erreicht, bei dem die Windgeräusche kein störendes Niveau erreichen. Wäre die Lenkung eine Spur verbindlicher und direkter, könnte man sie vorbildlich nennen. Wer es eilig hat, kann sich auf ein Spitzentempo jenseits 210 km/h verlassen. Um die Bewegungsenergie im Notfall wieder einzufangen, ist die DS4 vorn mit bis zu 340 Millimetern großen, belüfteten Scheibenbremsen bestückt, ein Notbremsassistent steht bereit. Die Sechsgang-Handschaltung leistete sich ebenfalls keine Auffälligkeiten. Sie ist sauber abgestuft, leichtgängig und präzise zu handhaben. Zwar hilft eine Schaltpunktanzeige dabei, den optimalen Zeitpunkt zum Gangwechsel zu finden, doch nicht immer sind die Begleiterscheinungen gewünscht: Wer im sechsten Gang dahinrollt und dabei dem Motor nur 1000 Umdrehungen abverlangt, muss sich sein brummelndes Missfallen anhören.

Schick: Die Auspuff-Endrohre sind in die chromgefasste Heckschürze integriert.
Schick: Die Auspuff-Endrohre sind in die chromgefasste Heckschürze integriert.(Foto: n-tv.de/Busse)

Die ausgereiften Dieselmotoren des PSA-Konzerns sind als robust und wirtschaftlich bekannt. Im EU-Normtest erreichte der Citroën DS4 einen kombinierten Verbrauch von 5,1 Litern je 100 Kilometer. Ganz so sparsam lief der Praxistest nicht ab, doch auch 6,1 Liter sind ein vorzeigbarer Wert. Für einen Grundpreis von 28.400 Euro bringt das Fahrzeug Einparkhilfe und Toter-Winkel-Assistent mit, hat Nebelscheinwerfer und Abbiegelicht, Alu-Pedalerie, CD-Audio-System und Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie Berganfahrhilfe.

Fazit: In der Golf-Klasse muss man mit Ausstattung punkten, will man gegen den dominierenden Segmentführer bestehen. Die Crossover-Optik des DS4 schafft nicht nur einen visuellen Anreiz, auch die erhöhte Sitzposition spricht für das Fahrzeug. Die komfortable und umfangreiche Ausstattung sowie das entspannte Fahrverhalten machen es zu einer echten Alternative. Kleinere Unzulänglichkeiten sind zu verschmerzen, denn das Gesamtpaket ist appetitlich verschnürt.

 

DATENBLATTCitroën DS4 HDi 165 FAP
Abmessungen L / B / H4,28/ 1,81/ 1,53 m
Radstand2,61 m
Leergewicht (DIN)1385 kg
Sitzplätze4
Kofferraumvolumen / mit umgelegter Rückbank385 l / 1021 l
max. Zuladung485 kg
Motor4-Zylinder-Turbodiesel mit 1997 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung163 PS (120 kW) bei 3750 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit212 km/h
max. Drehmoment340 Nm bei 2000 U/min
Tankinhalt60 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 Sek
Normverbrauch (außerorts/ innerorts/ kombiniert)6,6  l / 4,3 l / 5,1 l
 
Testverbrauch6,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
134 g/km
Grundpreis28.400 Euro
Preis des Testwagens32.590 Euro

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen