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Auch bei der Wahl des Kühlers gilt es beim Mercedes E-Klasse T-Modell eine Entscheidung zu treffen: klassisch oder dynamisch.
Auch bei der Wahl des Kühlers gilt es beim Mercedes E-Klasse T-Modell eine Entscheidung zu treffen: klassisch oder dynamisch.(Foto: Holger Preiss)

Luxus-Laster im Praxistest: E-Klasse T-Modell fährt S-Klasse davon

Von Holger Preiss

Das Mercedes E-Klasse T-Modell ist nicht nur begehrt, weil es einiges wegsteckt. Es bietet auch besondere Ausstattungs-Features, die es inzwischen sogar vor der S-Klasse fahren lassen. Was es wirklich braucht, hat der Praxistest herausgefunden.

Mit der neuen E-Klasse ist Mercedes förmlich an sich selbst vorbeigezogen und hat die S-Klasse hinter sich gelassen. Das wird nicht lange anhalten, denn das Stuttgarter Schlachtschiff wird noch in diesem Jahr eine Frischzellenkur erhalten. Doch bis es so weit ist, fährt die E-Klasse auch in Form des T-Modells vorne weg.

Zwei trapezförmige Endrohrblenden geben dem E-Klasse T-Modell eine ansprechende Dynamik.
Zwei trapezförmige Endrohrblenden geben dem E-Klasse T-Modell eine ansprechende Dynamik.(Foto: Holger Preiss)

Zum Praxistest bei n-tv.de trat der Laster mit Lustpotenzial als 220d an. Das heißt, unter seiner Haube verrichtet - der im Zuge der Motorenoffensive entwickelte - 2.0 Liter Vierzylinder-Diesel (OEM 654) mit 194 PS seine Arbeit. Und tatsächlich erfreut das Triebwerk in allen Belangen. Nicht nur, dass es mit angenehmer Laufruhe gesegnet ist, es schiebt den gut 1,7 Tonnen schweren Kombi auch ausgesprochen behände voran. Lediglich 7,7 Sekunden braucht es im Sport-Modus, um die 100-km/h-Marke zu knacken und ebenso leichtfüßig geht es bis auf Tempo 235 voran. Unterstützt wird der Vortrieb durch die flüssig über neun Stufen schaltende Wandlerautomatik, die im Bedarfsfall 400 Newtonmeter an die Hinterachse schickt.

Laufruhe, Schubkraft und wenig Durst

Aber nicht nur Laufruhe und Schubkraft des Vierzylinder-Diesels überzeugen, sondern auch der Verbrauch. Der steht zwar immer noch im deutlichen Widerspruch zu den Datenblattangaben von durchschnittlich 4,6 Litern, ist aber mit erfahrenen 7,1 Litern über knapp 1000 Kilometer wirklich erfreulich. Denn dem gemessenen Konsum liegen winterliche Temperaturen, vermehrte Stadtfahrten und kleinere Ausreißer mit Vmax auf freien Autobahnabschnitten zugrunde. Bei entsprechend leichtem Gasfuß und Temperaturen im Idealbereich dürfte ein Wert unter 7 Liter kein Problem sein. Hier wird der 220d vor allem für Langstreckenfahrer zu einer Option zum extrem beliebten 350d mit seinem 3.0 Liter V6. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit um 15 km/h differiert.

Wer sich für eine helle Ausstattung entscheidet, der ist gut beraten mit einer dunklen Matte den Kofferraum zu schützen. Unter dem Ladeboden geht es aufgeräumt zu.
Wer sich für eine helle Ausstattung entscheidet, der ist gut beraten mit einer dunklen Matte den Kofferraum zu schützen. Unter dem Ladeboden geht es aufgeräumt zu.(Foto: Holger Preiss)

Die bereits erwähnte Nähe zur S-Klasse erwirbt der Premium-Kombi aber nicht durch sein Triebwerk, sondern vor allem durch seine optionale Ausstattung und den damit einhergehenden Komfort. Den gibt es natürlich nicht umsonst und so wundert es nicht, dass der Testwagen voll ausgestattet mit fast 83.000 Euro zu Buche schlägt. Ob man sein T-Modell so vollpacken muss, ist am Ende dem persönlichen Budget vorbehalten. Wer die 640 Liter Kofferraumvolumen, die sich auf Knopfdruck auf 1820 Liter erweitern lassen, nicht permanent vollpackt, kann sich zum Beispiel überlegen, ob er die Luftfederung mit Niveauregulierung an der Hinterachse tatsächlich braucht.

Schweben oder einfach Fahren?

Natürlich schwebt der Kombi so ausgefedert unbeschwert über jedes Schlagloch und alle Querfugen. Am Ende des Tages tut es aber auch das serienmäßig verbaute Agility-Control-Fahrwerk mit selektivem Dämpfungssystem. Hier werden Dämpfungswirkung und Stabilisierung entsprechend der Fahrbahnbeschaffenheit optimiert. Wem der Prinzessin-auf-der-Erbse-Po dann doch sagt, er benötige eine verstellbare Dämpfung, der kann immer noch auf das Dynamik-Body-Control-Fahrwerk zurückgreifen. Hier kann die Charakteristik von Comfort über Sport bis Sport Plus verändert werden. In der Summe steht das der Luftfederung in nichts nach, kostet aber mit 1130 Euro 650 Euro weniger.

An Exklusivität ist die E-Klasse in der richtigen Ausstattung auf Augenhöhe mit der Mercedes S-Klasse.
An Exklusivität ist die E-Klasse in der richtigen Ausstattung auf Augenhöhe mit der Mercedes S-Klasse.(Foto: Holger Preiss)

Für sportliche Fahrer, die einem Lewis Hamilton nacheifern wollen, sind die Verstelldämpfer selbstredend ein ebensolches Muss wie die galvanisierten Schaltwippen, über die die Gänge per Hand eingeschnippt werden können. Wirklich zum Einsatz kamen im Praxistest aber weder der Fahrmodischalter noch die Wippen. Denn die entspannteste Art des Reisens offerierte die Komfort-Einstellung, gepaart mit einer Armada elektronischer Helfer. Wer sich jetzt noch überwindet und die je nach Ausstattungslinie mindestens 9000 Euro in das "Mercedes-Benz Intelligent Drive Professional" investiert, kann sich beim Fahren im wahrsten Sinne des Wortes zurücklehnen.

Das teure Wunder-Paket

Zum Paket gehören nämlich ein adaptiver Spurhalteassistent ebenso wie ein adaptiver Totwinkelwarner, eine Verkehrszeichenerkennung, die die Geschwindigkeit beim teilautonomen Fahren auf Wunsch den Vorgaben anpasst, und das selbständige Überholen beim Setzen des Blinkers auf der Autobahn. In Kombination klappt das ganz ausgezeichnet und entlastet den Fahrer auf der Autobahn oder im Stau ungemein. Eben auch, weil eine übersehene Geschwindigkeitsbegrenzung nicht zur Blitzerfalle wird. Anders als bei Systemen anderer Hersteller kann der Mercedes sogar mehrere Verkehrszeichen und deren Gültigkeitsbereich unterscheiden.

Das "Designo Interieur" des Testwagens für 6000 Euro extra sieht extrem schick aus, ist aber auch extrem empfindlich.
Das "Designo Interieur" des Testwagens für 6000 Euro extra sieht extrem schick aus, ist aber auch extrem empfindlich.(Foto: Holger Preiss)

Das ist aber nicht alles, was in dem teuren Paket enthalten ist. Hinzu kommt auch ein Parkassistent, der das T-Modell mit seinen 4,93 Metern ganz ohne Zutun des Fahrers in Quer- und Längs-Lücken einschiebt.  Das heißt, weder Gas noch Bremse müssen bei dem Vorgang betätigt werden. Für den Fahrer ist das ein gewöhnungsbedürftiges Manöver, aber es funktionierte – wenn auch mit klopfendem Herzen – in etlichen Versuchen problemlos. Wem das nichts ist, der kann sein Auto von außerhalb mithilfe einer App auf dem Smartphone an der richtigen Stelle platzieren. Das wurde im Test aber nicht praktiziert, weil es dazu einer Personalisierung bedurft hätte, die mit dem Testwagen nicht möglich war.

Irrungen und Wirrungen

Ebenfalls im Paket enthalten sind ein brillantes Head-up-Display, Multibeam LED und ein kabelloses Ladesystem für Smartphones. Nicht zu vergessen das allein schon mit 3300 Euro berechnete Command Online, das eine Echtzeitnavigation auf einen hochauflösenden 12,3 Zoll Bildschirm beamt und nebenbei noch Wetterdaten und aktuelle Spritpreise ausweist. Einzig die Bedienung des Ganzen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hier haben Ingenieure und Designer eindeutig zu viel gewollt. Nicht nur, dass umständlich immer wieder ins Hauptmenü gedrückt, gestrichen oder gedreht werden muss, die dafür vorgesehenen drei Elemente – Handauflage, Druckdrehsteller in der Mittelkonsole oder die Touch-Flächen am Lenkrad - verwirren eher, als dass sie den gewünschten individuellen Vorlieben gerecht werden.

Da das "Intelligent Drive"-Paket abgesegnet ist, soll an dieser Stelle noch mögliches Sparpotenzial aufgedeckt werden. Der Autor würde nach dem Praxistest in jedem Fall das Aktive-Multikontursitz-Paket für 2320 Euro von der Liste streichen. Klar, wer sich dafür entscheidet sitzt, wie der Sultan auf seinem Divan und schmiegt sich in perforierte und gesteppte Lederpolster mit vier Massagefunktionen. Allerdings besteht jetzt die Gefahr, dass man gar nicht mehr aus dem Luxus-Gleiter aussteigen möchte. Während hier also bei der Entscheidung noch Spielraum ist, muss vom "Designo Interieur" des Testwagens in der Kombination Macchiatobeige und Sattelbraun ernsthaft abgeraten werden. Nicht nur, dass Mercedes dafür knapp 6000 Euro aufruft, es ist in Verbindung mit den hellen Teppichen, ebensolchen Sitzbezügen und Türverkleidungen so empfindlich, dass der durchaus vorhandene Schick gerade in den Wintermonaten unansehnlichen Fußstapfen und Flecken weichen musste. Was die Innenraumdesigner hier geritten hat, ist unklar, denn in der Praxis ist diese Kombination mehr als untauglich.

Fazit: Optisch, von seiner Praxistauglichkeit und seinen Features ist das E-Klasse T-Modell der S-Klasse einfach mal davongefahren. Preislich müssen für den Stuttgarter Kombi mit Lounge-Atmosphäre aber mindestens 62.000 Euro eingeplant werden. Auch dann, wenn man sich für den absolut empfehlenswerten 2.0 Liter Vierzylinder-Diesel entscheidet, der mit seinen 194 PS eine ausgezeichnete Arbeit verrichtet. Viel weiter sollte man mit der Leistung aber nicht runtergehen, obgleich Mercedes den gleichen Motor noch mit 150 PS anbietet. Das dürfte spätestens, wenn die Hütte mit den zulässigen 670 Kilogramm beladen ist, etwas behäbig werden.

DATENBLATTMercedes E-Klasse T-Modell 220d
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,93/1,85/1,47 m
Radstand2,93 m
Leergewicht (DIN)1780 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen640 / 1820 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 1950 ccm Hubraum
Getriebe9-Gang-Wandlerautomatik
Systemleistung143 kW / 194 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit234 km/h
Tankvolumen57 Liter
max. Drehmoment400 Nm / bei 1600 - 2800 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,7 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,4 / 4,9 / 4,6 l
Testverbrauch7,1 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis50.486 Euro
Preis des Testwagens82.628 Euro

Quelle: n-tv.de

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