Auto
Mercedes hat sein kleinstes SUV gründlich überarbeitet und dabei alle seine Grundtugenden erhalten.
Mercedes hat sein kleinstes SUV gründlich überarbeitet und dabei alle seine Grundtugenden erhalten.

GLK 250 - Uriger Typ auf Abwegen: Edel-Kraxler für echte Kerle

Von Holger Preiss

Als die G-Klasse 1979 das Licht der Welt erblickte, war sie durchaus für den harten Geländeeinsatz konzipiert. Über nunmehr 33 Jahre hat die G-Klasse eine Entwicklung durchlaufen, die mit dem neuen GLK einen dynamischen Höhepunkt gefunden hat. Von seinen Grundtugenden hat er allerdings nichts eingebüßt.

Das Gesicht des GLK wirkt frisch und dennoch angenehm wuchtig.
Das Gesicht des GLK wirkt frisch und dennoch angenehm wuchtig.

Im Segment der Mittelklasse SUV ist der Mercedes GLK wohl einer der urigsten Typen. Auch nach seinem Facelift im Juni passen sich seine Linien nicht der gefälligen Masse an, sondern bleiben straff und kernig. Dabei wirkt die Frontpartie mit dem breiten Kühlergrill und dem großen Stern noch wuchtiger, ohne dabei aber aufdringlich zu sein. Der Schwung und die spitz zulaufenden Scheinwerfer geben dem Gesicht des GLK etwas Keckes. Neu ist auch das LED-Tagfahrlicht in den Stoßfängern, das von einer Chromspange gerahmt wird. Die Seitenschweller und der Heckstoßfänger nehmen die Formsprache der Mercedes Pkw auf. Die Endrohrblende verleiht dem Stuttgarter eine extrem sportliche Note und weist ihn dennoch als SUV aus.

Und tatsächlich verspricht die Form etwas, was die geglätteten Kollegen der Konkurrenz häufig nicht halten können: Der GLK taugt auch fürs Grobe. Das gilt vor allem für den im Test gefahrenen 250 Bluetec 4Matic. Der permanente Allradantrieb treibt den Geländegänger auch auf widrigem Terrain souverän voran. Einen entscheidenden Beitrag leisten hier das enorme Drehmoment von 500 Nm und die elektrisch zuschaltbare Differenzialsperre.

Der Innenraum regt zum Wohlfühlen an, hat aber beim Verstauen von Kleinigkeiten seine Tücken.
Der Innenraum regt zum Wohlfühlen an, hat aber beim Verstauen von Kleinigkeiten seine Tücken.

Grundsätzlich verteilt sich das Moment bei der 4Matic zu 45 Prozent auf die Vorderachse und zu 55 Prozent auf die Hinterachse. Zudem arbeitet die Lamellensperre im Zentraldifferenzial mit einer Sperrwirkung von 50 Newtonmetern. Das bedeutet, dass die Lamellensperre das Antriebsmoment bei Bedarf zu 70 Prozent auf die Vorder- oder Hinterachse verschiebt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die zusätzlichen Regelsysteme wie ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm), 4ETS (elektronische Differenzialsperre) und ASR (Antriebs-Schlupfregelung) in kritischen Situationen so spät wie möglich eingreifen müssen und so ein maximales Antriebsmoment in den Vortrieb umgesetzt werden kann. Ein Vorzug, der auch dafür sorgt, dass der GLK bei Dauerregen und zügiger Fahrt in den Alpen nie die Spur verliert.

Hart, aber herzlich

Entsprechend dieser Offroad-Vorzüge ist der Edel-Kraxler sehr straff abgestimmt. Das macht den Wagen extrem spurstabil, passt zu seinem engagierten Vortrieb, kann aber den einen oder anderen irritieren, der hier das weiche Abrollen eines Luxusliners erwartet. Dazu passt auch das feste Gestühl, das im ersten Besitz ungewohnt hart wirkt, aber auch auf langen Fahrten nicht eine Sekunde unbequem wird. Zudem gibt es weder bei schnellen Kurvenfahrten noch im Gelände ein Ruckeln und Rutschen. 

Die Endrohrblende verleiht dem Stuttgarter eine extrem sportliche Note.
Die Endrohrblende verleiht dem Stuttgarter eine extrem sportliche Note.

Im Innenraum haben sich die Designer an das Äußere gehalten und auf Rundungen weitgehend verzichtet. Lediglich die neuen Runddüsen fallen hier angenehm aus dem Rahmen. Insgesamt wird die Formsprache konsequent fortgesetzt. Bei Nachtfahrten taucht die als Option erstmals für den GLK angebotene Ambiente-Beleuchtung mit LED-Technik den Innenraum in samtenes Licht. Auf Wunsch gibt es ein großes Farbdisplay als Info-Monitor für das Kombiinstrument vor dem Fahrer.

Die Tücke mit dem Stauraum

Was hier edel und schön wirkt, hat auf der Suche nach Stauraum seine Tücken. Die geradlinig verlaufenden Griffe zum Zuziehend der Türen sind so dicht über dem engen Staufach in der Türverkleidung angebracht, dass selbst ein dort versenktes Brillenetui nur mit Mühe wieder hervorgebracht wird. Wer große Wasserflaschen für lange Fahrten in Griffnähe parken will, wird ebenfalls enttäuscht. Zwar gibt es zwei Kaffeebecherhalter in der Mittelkonsole, die taugen aber nicht für Flaschen. Auch das Fach unter der Mittelarmlehne ist gewöhnungsbedürftig. Es öffnet zweigeteilt aus der Mitte heraus, so dass der Suchende immer über einen Teil der geöffneten Klappen greifen muss.

Mit 450 Litern Kofferraumvolumen ist der GLK kein Lademeister.
Mit 450 Litern Kofferraumvolumen ist der GLK kein Lademeister.

Ansonsten ist in dem erstklassig verarbeiteten Fahrzeug Wohlfühlatmosphäre angesagt. Wer einmal begriffen hat, dass der Wahlhebel für den butterweich schaltenden 7G-Tronic-Plus-Automaten da ist, wo andere Fahrzeuge die Bedienung für die Wischer haben und das der Hebel zur Reinhaltung der Scheiben im Blinkgeber integriert ist, der findet sonst alles übersichtlich und gut zu erreichen an gewohnter Stelle.

204 PS, die Spaß machen

Wirklich Spaß bereitet das Zweiliter-Dieselaggregat mit seinen 204 PS. Bei einem Kickdown im vorgewählten Sportmodus spricht das Triebwerk ohne Verzögerung an und beschleunigt den Zweitonner in gerade einmal 8,0 Sekunden auf 100 km/h. Zügig rauscht der Kraxler, wo es erlaubt ist, bis an die Marke von 210 km/h. Schnelle Überholmanöver sind ebenso machbar wie geruhsames Gleiten. Das alles bei einem Verbrauch von im Schnitt 7,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Damit weicht das Ergebnis im Praxistest lediglich um 1,4 Liter von den Werksangaben ab. Wer also den Gasfuß nicht permanent am Anschlag hält, kann mit den 59 Litern Tankinhalt auch bei vier Personen an Bord und einem voll beladenem Kofferraum gute 1000 Kilometer zurücklegen.

Allerdings sei darauf verwiesen, dass der GLK sich mit seinen 450-Liter-Gepäckabteil im Vergleich mit der direkten Konkurrenz wie BMW X3 oder Volvo XC60 nicht als Lademeister erweist. Wer mit kompletter Besatzung verreist, läuft Gefahr, stapeln zu müssen. Als leidig erweist sich auch der Umstand, dass die Rückbank nur im Verhältnis 2/3 umgelegt werden kann. Eine Durchreiche für Ski oder anderes langes Transportgut ist im Testwagen nicht vorrätig und eine Winterreise mit entsprechendem Equipment hätte an dieser Stelle tückisch werden können.

Der Ruf der Assistenten

Vorbildlich gibt sich der GLK bei der Sicherheitsausstattung. Alles, was aus dem Pkw-Bereich bekannt ist, wurde auch in dem Offroader verbraten: Ein elektronischer Lenkassistent warnt durch einen spürbaren Impuls beim Verlassen der Spur, der Bremsassistent greift zielsicher in brenzligen Situationen ein und die Berganfahrhilfe verhindert ein ungewolltes Zurückrollen an Steigungen. Optional sind Müdigkeitserkennung und Totwinkel-Assistent eine lohnenswerte Investition. Apropos: Wer investiert, sollte sich auch beim Park-Paket nicht lumpen lassen. Darin enthalten sind eine 360-Grad-Kamera und ein aktiver Parkassistent.

Diese Empfehlung wird nicht ausgesprochen, weil der Wagen zu groß ist und auch auf herkömmliche Weise in eine Lücke geschoben werden könnte. Nein - Ursache für diese Anmerkung ist, dass von Haus aus eine Hilfe für das Rückwärtseinparken angeboten wird. Das Problem: Der Ton kommt ohne Steigerung etwa 20 Zentimeter vor dem Hindernis. Wer jetzt also annimmt, dass da noch Luft ist, wird jäh durch den Aufprall an der Stoßstange des Hintermanns eines Besseren belehrt.

Fazit: Es heißt, dass nur zehn Prozent der Käufer eines SUV ihr Schmuckstück auch ins Gelände bewegen. Das Gros der Kunden schafft es über den provisorisch befestigten Pfad zur Waldgaststätte nicht  hinaus. Dabei wäre das mit einem GLK 250 Bluetec 4Matic kein Problem. Allerdings hat der Stuttgarter seinen Preis. Ohne Zugaben verlangt Mercedes 46.142 Euro. Ein Preis, der kaum realistisch ist, denn schon mit kleinen Zugaben wird die 60.000-Euro-Marke geknackt. Und Schluss ist hier noch lange nicht. Wer das Geld hat und einen Begleiter für alle Wege sucht, der auch mal ein Boot oder Pferdeanhänger wegschleppen kann, dem sei der GLK wärmstens ans Herz gelegt.

DATENBLATTMercedes GLK 250 Bluetec 4Matic
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,53/ 1,84/ 1,67 m
Radstand2,75 m
Leergewicht (DIN)1925 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen450 Liter
EmissionsklasseEU 6
Motor/Hubraum2,1-Liter Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung
GetriebeSiebengang-Automatikgetriebe mit Wandlerüberbrückung
Leistung204 PS (150 kW) bei 4200 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
max. Drehmoment500 Nm bei 1600 bis 1800 U/min
Tankinhalt59 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,7 s
Normverbrauch NEFTZ gesamt6,1 - 6,5 l
Testverbrauch7,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
169 g/km
Grundpreis46.142,25 Euro
Preis des Testwagens63.766,35 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen