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Äußerlich ging das Facelift am Mazda CX-5 fast spurlos vorbei. Dafür hat der Japaner bei den inneren Werten ganz gewaltig zugelegt.
Äußerlich ging das Facelift am Mazda CX-5 fast spurlos vorbei. Dafür hat der Japaner bei den inneren Werten ganz gewaltig zugelegt.(Foto: Holger Preiss)

Alternative zum VW Tiguan?: Mazda CX-5 - Sportler ohne Zwangsbeatmung

Von Holger Preiss

Mittelklasse-SUV sind auf dem deutschen Automarkt der Renner. Mit dem CX-5 hat Mazda einen potenten Wagen im Segment. 2015 hat der Japaner ein Facelift bekommen, das ihn nicht nur äußerlich aufwertet. Genügt das, um der Konkurrenz das Wasser zu reichen?

Der Mazda CX-5 macht auch von hinten eine gute Figur.
Der Mazda CX-5 macht auch von hinten eine gute Figur.(Foto: Holger Preiss)

Als der Mazda CX-5 im Jahr 2012 auf den Markt kam, berauschte er das Publikum vor allem durch sein Design. Die Japaner nennen es Kodo und treffen damit so ziemlich ins Schwarze, außerdem legten sie den Grundstein für alle folgenden SUV-Modelle der Marke -für den kleinen Bruder, den CX-3 und den großen CX-9, der aber vorerst nur die Nordamerikaner begeistern wird. Was Mazda ebenfalls mit dem neuen Design bringt, sind die Skyactive-Motoren. Nur zur Erinnerung: Diese Triebwerke arbeiten - wegen des fehlenden Turbos - mit einer sehr hohen Verdichtung. Trotz des fehlenden Laders gibt es hier keine großen Nachteile. Oder doch?

Sport-Kraxler für wenig Geld

Der im Test vorgefahrene CX-5 trug den neuen 2,5-Liter-Saugmotor mit ordentlichen 192 PS unter der stolz geschwungenen Motorhaube. Nominal wird der Tiguan-Konkurrent so zum Top-Modell in seiner Gilde. Auch die Möglichkeit, das Kraftwerk mit einer Sechsgang-Automatik zu koppeln, adelt das SUV. Wer jetzt noch den Allradantrieb wählt, hat einen durchaus vollwertigen Sport-Kraxler, der für 40.000 Euro einiges mehr bietet als die Konkurrenz für diesen Preis im Segment. Insofern ist auch die Summe der nunmehr verfügbaren Assistenzsysteme ein Vorzug, den das Facelift mit sich gebracht hat. Aber dazu später mehr. Bleiben wir für den Augenblick beim Antrieb.

Der 2,5 Liter generiert seine Leistung von 192 PS auch ohne Turbo.
Der 2,5 Liter generiert seine Leistung von 192 PS auch ohne Turbo.(Foto: Holger Preiss)

Für den Spurt aus dem Stand auf Landstraßentempo benötigt der CX-5 mit 192 PS befeuert 8,0 Sekunden, wobei die Gänge ohne größere Verzögerungen von der Automatik zur Verfügung gestellt werden. Ein Kippschalter in der Mittelkonsole ermöglicht es dem dynamischen Fahrer, den Sport-Modus zu wählen, der die Gaskennlinie verschärft und den Drehzahlmesser knapp unter die 3000 springen lässt, um den nötigen Druck auf alle vier Räder zu geben. Hinzu kommt beim beherzten Beschleunigen ein recht kerniger Motorsound. Die Grenzen des Triebwerkes liegen gefühlt im Drehmoment. Entsprechend seiner Herkunft drücken hier lediglich 256 Newtonmeter auf die Achsen. Das ist nicht das, was ein Diesel dieser Größenordnung an Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung stellt und kann auch nicht das bieten, was ein V6 auf die Räder wirft.

Für den Piloten mit normalen Fahrambitionen sind die verfügbaren Kraftreserven aber allemal ausreichend. Denn der Japaner schwingt sich ohne große Mühe an die 190-km/h-Marke und verrichtet seine Arbeit dabei angenehm unaufdringlich. Geräuschvoller wird es erst ab Tempo 160. Schuld daran ist aber nicht der Arbeiter unter der Haube, sondern Wind- und Rollgeräusche. Hinzu kommt, dass der CX-5 in solchen Geschwindigkeitsbereichen kein Kostverächter ist. Wer öfter den Vmax-Bereich erfährt, der muss mit einem Verbrauch von mindestens 11 Litern auf 100 Kilometern rechnen. Das ist nicht verwerflich für ein Fahrzeug dieser Größenordnung, aber selbst bei sehr vorsichtiger Fahrweise werden die 7,2 Liter aus dem Datenblatt eine Wunschvorstellung bleiben. Nur mit Mühe zwingt der schmeichelnde Gasfuß den Verbrauch unter 10 Liter. 

Allgemeines Wohlbefinden

Die Weiß-Schwarz-Kombination sieht schick aus, hat aber mit 2000 Euro auch ihren Preis im Mazda CX-5.
Die Weiß-Schwarz-Kombination sieht schick aus, hat aber mit 2000 Euro auch ihren Preis im Mazda CX-5.(Foto: Holger Preiss)

Ob das alles in der Summe reicht, um dem Mazda CX-5 Skyactive-G 192 das Testat "sportlich" auszustellen, liegt im Auge des Betrachters. Das Fahrwerk gibt jedenfalls beides her: Zum einen lässt sich der Japaner flott um die Kurve schieben, ohne in eine nicht vom Fahrer vorgegebene Richtung zu drängen, und zum anderen lässt es sich ob der langen Federwege vortrefflich cruisen. Unebenheiten der Straße werden sauber abgefangen und bleiben für die Insassen fast unscheinbar. Dem allgemeinen Wohlbefinden kommt auch das Platzangebot im Fond zugute. Hier gibt es kaum Klagen über mangelnde Kopf- oder Kniefreiheit.

Für ein inneres Wohlbefinden des Besitzers könnte hingegen der Umstand sorgen, dass Betrachter des Fahrzeuges immer wieder die dynamischen Außenlinien des CX-5 bestaunen. Das ist natürlich auch der Ausstattung Sports Line geschuldet. Dessen Konzept der Dynamik setzt sich auch im Innenraum fort. Bestes Beispiel sind die sogenannten Karakuri-Sportsitze, die trotz ihrer straffen Beschaffenheit auch auf langen Strecken ausreichend Komfort bieten. Die werden nicht nur mit schwarzem Leder für 1800 Euro extra angeboten, sondern auch in weißem Nappa mit elektrischer Sitzeinstellung für Fahrer und Beifahrer. Kosten dann allerdings auch 2000 Euro extra. Das sind aber auch fast die einzigen Extras, die in diese Ausstattungslinie zusätzlich geordert werden müssen. Während auf Leder unterm Po getrost verzichtet werden kann, empfiehlt sich die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Auffahrwarner und aktivem Bremsassistenten für 650 Euro zusätzlich.

Viele Assistenten mir kleinem Manko

Das Innenleben des Mazda CX-5 zeigt sich gut verarbeitet und wertig.
Das Innenleben des Mazda CX-5 zeigt sich gut verarbeitet und wertig.(Foto: Holger Preiss)

Einziges Manko dieses Features ist, dass es sich nicht im Stau einsetzen lässt. Erst ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h kann die Geschwindigkeit adaptiv durch das Radar geregelt werden. In Situationen dauerhaften Stop-and-go-Verkehrs muss der Fahrer also selber ran. Gleiches gilt für den adaptiven Spurassistenten mit Lenkunterstützung, der im Übrigen ebenfalls im Grundpreis von 36.990 Euro enthalten ist. Die Sensoren im Volant verlangen aber vom Fahrer, dass er die Hände nicht vom Lenkrad nimmt. Sobald die den Griff nicht mehr spüren, lösen sie Alarm aus.

Das hat wohl zwei Gründe: Einer ist der Umstand, dass das Sicherheitsbedürfnis der Asiaten sehr hoch ist und die Eigenverantwortlichkeit so immer beim Steuermann bleibt. Der andere, dass die Gegenlenkbewegung der Elektronik immer nur in eine Richtung zu gehen scheint. Hat die Automatik nämlich den Kurs vom Randstreifen Richtung Straßenmitte geändert, macht sie vor der Mittellinie nicht halt, sondern fährt mit einem warnenden Brummton drüber. Das ist unangenehm, denn im schlimmsten Fall landet man so im Gegenverkehr, obgleich man doch von der Technik gerade vor dem Straßengraben gerettet wurde. Nichtsdestotrotz lassen sich mit der Kombination aus Spurhalteassistent, Abstandsradar und Tempomat lange Autobahnpassagen ganz entspannt durchfahren.

Mit 503 Litern Kofferraumvolumen lassen sich auch bei aufgestellter Rückbank größere Reisen antreten.
Mit 503 Litern Kofferraumvolumen lassen sich auch bei aufgestellter Rückbank größere Reisen antreten.(Foto: Holger Preiss)

Für Entspannung sorgt auch das in der Sports-Line-Ausstattung serienmäßig enthaltene adaptive Voll-LED-Lichtsystem mit Fernlichtautomatik. Gerade in der dunklen Jahreszeit macht es sich bezahlt, wenn die Elektronik das Auf- und Abblenden regelt, Fahrzeuge ausblendet und Verkehrszeichen anleuchtet - ein Feature, das man bei vielen Herstellern in den meisten Fällen nur mit einem teuren Lichtpaket zusätzlich erwerben kann. Für Komfort sorgt auch das serienmäßige Mazda Konnektivitätskonzept MCD. Darin enthalten ist nicht nur ein 7-Zoll-Farbmonitor, sondern auch eine Freisprecheinrichtung mit Sprachsteuerung und Bluetooth. Hinzu kommt digitaler Radioempfang DAB und ein Bose Soundsystem mit neun Lautsprechern.

Saubere Bässe und klare Höhen drücken hier auf Wunsch sämtliche Außengeräusche weg. Die Bedienung der einzelnen Elemente erfolgt über einen Drück-Dreh-Steller in der Mittelkonsole. Dabei ist die Menüführung nicht in allen Teilen intuitiv. Spätestens wenn man in die Untermenüs vordringt, wird es etwas mühselig. Mindestens so lange, bis der Lernprozess abgeschlossen ist. Was den Mazda neben seiner üppigen Ausstattung - zu der auch 19-Zoll-Leichtmetallfelgen in Bicolor-Optik zählen – auszeichnet, ist ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem. Vorteil hier ist der Umstand, dass das Fahrzeug verriegelt wird, sobald der Schlüsselträger sich vom Wagen entfernt. Auch die ausgezeichnete Verarbeitung soll hier nicht unerwähnt bleiben. Weich geschäumte Plastik schmückt die  Armatur ebenso wie die auf Kniehöhe gepolsterte Mittelkonsole.

Fazit: Der Mazda CX-5 Skyactive-G 192 AWD Sports-Line ist nicht nur wegen des schicken Designs und der üppigen Ausstattung zu einem fast unschlagbaren Preis eine interessante Alternative zu den Mitbewerbern. Er erfreut auch mit einer ansprechenden Dynamik, gutem Handling und echter Langstreckentauglichkeit. Auch Urlaubsreisen sollten bei einem Kofferraumvolumen von 503 Litern kein Problem sein. Lediglich der Verbrauch im zweistelligen Bereich überschattet das in der Summe sehr positive Gesamtbild des Japaners. Eine Alternative wäre der 175 PS starke Diesel, der mit 420 Newtonmetern deutlich kraftvoller und laut Datenblatt auch wesentlich sparsamer nach vorne streben soll. Der finanzielle Mehraufwand für den Selbstzünder liegt bei knapp 2000 Euro.

DATENBLATTMazda CX-5 Skyactive-G 192 AWD Sports-Line
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,55 / 1,84 / 1,71 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1515 kg
Zuladung625 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen503 Liter
Motor4-Zylinder-Ottomotor mit 2488 ccm Hubraum
Getriebe6-Stufen-Automatikgetriebe
Systemleistung141 kW/ 192 PS bei 5700 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt58 Liter
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit194 km/h
max. Drehmoment256 Nm bei 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,0 s
Normverbrauch (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km9,3 / 6,0 / 7,2 l
Testverbrauch11,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
165 g/km
AbgasnormEuro 6
Wendekreis11,7 m
Grundpreis36.990 Euro
Preis des Testwagens40.390 Euro

Quelle: n-tv.de

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