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Zapp Maier - die WM-TV-Kolumne: Helden in Pink - geht's noch?

Von Kai Butterweck

Fußballschuhe, die aussehen wie Socken, und in den Farben Baby-Blau und Neon-Gelb vielen Jugendspielern die Lust auf eine Profikarriere vermiesen: Beim Anblick der Fuß-Garderobe von Neymar und Co. müsste jeder Augenarzt vor Langzeitschäden warnen.

Pink und himmelblau: Im Hinblick auf seine Schuhmode ist DFB-Ersatztorwart Weidenfeller nicht unbedingt ein Vorbild.
Pink und himmelblau: Im Hinblick auf seine Schuhmode ist DFB-Ersatztorwart Weidenfeller nicht unbedingt ein Vorbild.(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder E-Jugendspieler auf dieser Welt will auflaufen wie sein Idol. Wenn also Stars wie Neymar, Ronaldo, Messi oder Müller für die derzeitigen WM-Auftritte ihre Schuhe schnüren, dann gucken fußballbegeisterte Knirpse besonders genau hin. Ich war früher als Dreikäsehoch nicht anders. Bei mir stand seinerzeit Rummenigges World Cup Special-Modell ganz besonders hoch im Kurs. Klassisch schwarz, drei weiße Streifen, zeitlos schön: Genau der richtige Schuh für einen Stürmerzwerg. Dieser Tage bin ich froh, dass diese Zeiten hinter mir liegen; denn was den aufstrebenden Bolzplatzkönigen der Zukunft momentan in puncto Töppen-Design präsentiert wird, geht auf keine Kuhhaut mehr.

Unter der sengenden Sonne Brasiliens grätschen muskelbepackte, teilweise ganzkörpertätowierte Profis in pinkfarbenen, hellblauen und neongelben Tütü-Schuhen um jeden Ball. Hallo? Geht’s noch? Ist der Bass von Lemmy Kilmister etwa mit Plüsch bezogen? Oder bringt Mickey Rourke seine Harley Davidson mit H-Milch zum Laufen? Nein, natürlich nicht. Wie kann es also sein, dass beispielsweise ein jähzorniger Rundleder-Stiernacken wie Portugals Kurzzeit-Deutschland-Schreck Pepe der Meinung ist, mit Zitronenfalter-Schuhen an den Füßen für Angstzustände beim Gegenspieler zu sorgen? Die Antwort darauf muss ich leider schuldig bleiben. Im Fall von Pepe ging der Citrus-Schlachtplan glücklicherweise nur ganze 37 Minuten auf.

"Früher war alles besser"

Andere namhafte Hauptdarsteller des Turniers laufen aber seit gut einer Woche ungesühnt in abschreckender Schuh-Garderobe über die sattgrünen Rasenflächen in Rio, Salvador und São Paulo. Um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen, scheinen sich viele Akteure einen Spaß aus dem kunterbunten Vollspann-Firlefanz zu machen, indem sie vor dem Spiel auch noch miteinander die Schuhe tauschen. So rennen einige Spieler doch tatsächlich mit einem blauen und einem pinkfarbenen Edeltreter von einer Eckfahne zur anderen.

Ich bin auch kein Freund des Altherren-Spruchs "Früher war alles besser". Aber man stelle sich doch mal vor, wie Diego Armando Maradona wohl im WM-Finale 1986 reagiert hätte, wenn sich ihm ein schnaufender Hans-Peter Briegel in neonfarbenen Ballett-Stollenschuhen genähert hätte. Aller Wahrscheinlichkeit wäre ein Lachanfall epischen Ausmaßes die Folge gewesen.

Nun gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Wenn die Schöpfer der neuen Töppen-Kultur also der Ansicht sind, dass sich die fußballverrückte Jugend dieser Welt mit leuchtenden Augen und lechzendem Sabber in den Mundwinkeln auf sockenähnliche Barbie-Schuhe stürzen werden, dann soll dem so sein. Kinder sind schließlich die ehrlichsten Menschen. Wenn mich mein sechsjähriger Sohn dieser Tage aber allabendlich fragt, warum der Torwart auf der Leinwand den hässlichen Schuh des Stürmers trägt, dann sollte das schon zu denken geben, oder?

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Quelle: n-tv.de

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