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Lächeln bitte: In der ersten Folge der fünften Staffel heiratet Marnie (Allison Williams).
Lächeln bitte: In der ersten Folge der fünften Staffel heiratet Marnie (Allison Williams).(Foto: Instagram/Lena Dunham)

Selena Gomez trifft auf Jesus: Lena Dunhams "Girls" werden erwachsen

Von Katja Belousova

Nach einem Jahr Pause haben "Girls"-Fans wieder Grund zur Freude: Die fünfte Staffel von Lena Dunhams gefeierter Serie startet - und das gleich mit einer Hochzeit. Auch wenn das Chaos weiterhin regiert, sind die vier Protagonistinnen gereift.

Lena Dunhams "Girls" scheinen am Anfang der neuen, fünften Staffel endlich erwachsen geworden zu sein: Die quirlige Shoshanna (Zosia Mamet) arbeitet in Japan. Die psychisch labile und äußerst schwierige Protagonistin Hannah (Lena Dunham) hat sich nach langer On-Off-Beziehung von Ex-Freund Adam (Adam Driver) gelöst und ist mit ihrem Kollegen Fran (Jack Lacy) zusammen. Jessa (Jemima Kirke), die extravagante (Über-)Lebenskünstlerin der Gruppe, scheint nach Drogeneskapaden wieder in sich selbst zu ruhen. Und die spießige Pedantin Marnie (Allison Williams) heiratet.

Die "Girls" von oben links: Jemima Kirke, Allison Williams, Lena Dunham und Zosia Mamet
Die "Girls" von oben links: Jemima Kirke, Allison Williams, Lena Dunham und Zosia Mamet(Foto: Instagram/ Lena Dunham)

Auf Marnies Hochzeit treffen Fans der preisgekrönten Serie endlich wieder alle Charaktere, die man trotz ihres selbstsüchtigen und oft völlig abgedrehten Verhaltens ins Herz geschlossen hat. Dabei wirken die vier "Girls" bei weitem nicht mehr so orientierungslos wie in den ersten Staffeln. Nachdem es bei den "Twentysomethings" zunächst um Männer, Jobsuche und viel Sex ging, sind spätestens seit der letzten Folge der vierten Staffel die "ernsten" Themen des Lebens an der Reihe.

Auf Geburt folgt Hochzeit

So halfen Hannah und Jessa Adams Schwester Caroline (wunderbar verrückt gespielt vom ehemaligen Kinderstar Gaby Hoffmann) in der Folge zuvor bei der Entbindung ihrer Tochter. Und nun geht’s ans Heiraten. Damit hat Jessa nach ihrer intensiven aber kurzlebigen Ehe aus der zweiten Staffel schon Erfahrung. Bei der gewissenhafteren Marnie soll alles anders werden. Doch während des Hochzeitstags verdichten sich die metaphorischen und wortwörtlichen Regenwolken, die Fassade des Festtags beginnt zu bröckeln.

Lena Dunham ist die Schöpferin von "Girls".
Lena Dunham ist die Schöpferin von "Girls".(Foto: picture alliance / dpa)

Marnie macht alle mit ihrem Perfektionismus verrückt, ihr Bräutigam Desi (Ebon Moss-Bachrach) kriegt kalte Füße und die Brautmutter nörgelt. So weit, so typisch - denn welche Serien-Hochzeit kommt schon ohne diese Zutaten aus? Gleichzeitig brechen alte Wunden auf, die die Protagonisten auch nach einem Jahr Serienpause nicht überwunden haben. Shoshannas Ex-Freund Ray (Alex Karpovsky) liebt Braut Marnie, die "Liebe seines Lebens", immer noch. Adam scheint nicht über Hannah hinweg zu sein, was ihn aber nicht daran hindert, mit Jessa zu knutschen (und offenbar auch Sex zu haben). Das Beziehungskarussell der "Girls" dreht sich also auch in der neuen Staffel weiter. Gebrochene Herzen und Chaos sind programmiert.

Generell steht Marnies Hochzeit unter einem schlechten Stern: Der Regen - laut Jessa ein Garant für eine fruchtbare Ehe - droht Marnie ihren Tag zu versauen. Auch ihre komplizierte Beziehung zu Desi wirkt kaum förderlich für eine lange und glückliche Ehe. Und Hannah, deren Hauptrolle in dieser Folge zurücktritt, findet Heiraten einfach nur selbstsüchtig. Zu allem Überfluss weiß die Kosmetikerin nichts mit den Anweisungen der angespannten Braut anzufangen. Das Ergebnis: ein Make-up getreu dem Motto "Selena Gomez trifft auf Jesus". Am Ende ist es, wie schon in der letzten Folge, Jessa, die die Ruhe behält und Style und Situation ebenso rettet wie das Baby von Caroline.

Beziehungskarussell und gebrochene Herzen

Lena Dunham, die die Folge geschrieben und gedreht hat, legt mit "Wedding Day" einen soliden Start in die fünfte "Girls"-Staffel hin. Ihre Protagonistinnen wirken reifer und selbstbestimmter als noch zu Beginn der Serie, was zu ihrem Ziel passt, den Prozess des weiblichen Erwachsenwerdens zu schildern. Die Generation, die Dunham porträtiert, braucht ihre gesamten Zwanziger, um sich selbst zu finden, Fehler zu machen, zusammenzubrechen und wieder aufzustehen.

Zu diesem Selbstfindungsprozess gehört offenbar auch die Einkehr von festen Strukturen wie der Ehe. Das Experimentelle an "Girls", die unvorteilhaften Sexszenen und Hannahs peinliche Fettnäpfchen sind zunehmend ernsthaften Themen gewichen, was Fans von Lena Dunhams Exhibitionismus etwas traurig stimmen wird. Aber es wäre auch völlig unrealistisch, wenn die Figuren - egal wie kaputt und verrückt sie sind - keine Entwicklung durchleben würden. Dessen scheint sich Dunham bewusst.

So endet die Folge offen: Ob die Hochzeit wirklich durchgeführt wird, darauf muss der Zuschauer warten. Ebenso wie auf weitere Pannen der "Girls", die sicherlich nicht gänzlich aus der Serie verschwinden werden. Denn wer Dunhams essayistische Biografie "Not That Kind of Girl" gelesen hat, weiß: Es gibt noch eine Menge witziger Episoden aus ihrem Leben, mit denen die Serienschöpferin die jetzige fünfte sowie kommende letzte sechste Staffel füllen kann.

Quelle: n-tv.de

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